Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Ein ganz normaler Tag in der Stadt: Raus aus der Wohnung, den Nachbarn gegrüßt, die Treppe runter, rechts aus dem Haus, schnell beim Bäcker noch Brötchen und Kaffee geholt, der Fahrradanhänger vom Nachbarn hat gerade knapp mein Bein verfehlt, mit dem Bus zur S-Bahn und dann in die City ins Büro. Schon wieder 87 Mails seit gestern. Mittagspause, kurzer Spaziergang durch den Park, dann wieder Termine. Gleich danach den Sohnemann aus der Kita abholen. Er wird an jeder Baustelle stehenbleiben. Von steigenden Mieten weiß er noch nichts. Überall Stau. Der Bus kommt nicht durch. Und Einkaufen fällt auch wieder flach? Ist das eigentlich überall so?

Große Bauprojekte...

Eine Frau arbeitet am Modell einer Stadt Eine Frau arbeitet am Modell einer Stadt (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Stadtentwicklung Quelle: Westend61/Getty Images

Es sind seit Jahrtausenden große und kleine Entscheidungen der Menschen, die "Stadt machen". Sie machen die Einzigartigkeit jeder Stadt und damit ihren jeweiligen Charakter und Besonderheit aus. Es gibt die großen Entscheidungen über Bahnhöfe und Flughäfen, Konzerthäuser und Hochhausprojekte. Sie prägen für lange Zeit und brauchen viel gemeinsames Nachdenken.

... und die kleinen Entscheidungen des Alltags

Die kleinen Entscheidungen, nach rechts durch das beliebte Studentenviertel zu gehen und dort im Bioladen einzukaufen oder mit dem Auto nach links abzubiegen, um beim großen Einkauf beim Discounter einfach mal ein paar Euro zu sparen, gehen schnell und haben doch eine große Wirkung für den ständigen Wandel des städtischen Gefüges. Die Tochter den ganzen Tag in der Kita oder doch heute mal Zuhause? Das Treffen mit der Freundin im Café um die Ecke oder der Besuch in der Oper oder im Club? Sie prägen Stadt ebenso. Jeden Tag. Sie sind täglich im öffentlichen Raum unterwegs, begegnen Freunden selten und unbekannten Städtern häufiger. Sie zeigen sich oder wollen mit denen da nichts zu tun haben. Sie rufen im sozialen Netzwerk zu einer lokalen Aktion auf? Alle diese Entscheidungen machen Stadt aus.

Stadtentwicklung ist ein Gemeinschaftswerk

Die Summe der individuellen Entscheidungen jedes Einzelnen mit individuellen Hintergründen und Kulturen prägen die Atmosphäre einer Stadt. Aktive Gruppen und kreative Fähigkeiten beeinflussen ökonomische Kraft und umgekehrt. Entscheidungen prägen Schönheit und Räume, öffentliche und private, von den einen dominiert, von den anderen gemieden. Zusätzlich zu den öffentlichen und nahen Räumen existieren globale und nahe soziale Netzwerke für soziale Beziehungen. Aber das wird auch in der Zukunft nicht reichen, weil wir Menschen sind: "Sinnlichkeit ist die Überlebensgarantie der realen Stadt gegenüber der virtuellen" (Hanns Adrian) Entscheidungen von Bauherren prägen das Bild der Stadt. Politischer Gestaltungswillen und bürgerschaftliches Engagement prägen die lokale Stadtpolitik. Alles zusammen formt das Lebensgefühl in einer Stadt. Persönliche oder gemeinschaftliche Entscheidungen und Handlungsstrategien stellen die Regler für urbane Energien, die Spannung für die Stadtgesellschaft. Stadtentwicklung ist ein Gemeinschaftswerk – bewusst oder unbewusst, geplant oder spontan. Stadtentwicklungspolitik wirkt privat und öffentlich. Was sie auf jeden Fall sein sollte? Kooperativ und voller Energie.

Vielseitige Herausforderungen

Urban Gardening Projekt in München Urban Gardening Projekt in München (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Zukunft Stadtgrün Quelle: Westend61/Getty Images

Stadtentwicklung ist zuerst immer eine Aufgabe der Menschen in ihren Städten, Gemeinden und in Regionen. Sie ist lokal und hat auch viel mit Wettbewerb und Konkurrenz zu tun. Dass wir gleichzeitig in einer Welt leben, wird uns angesichts der ständig fortschreitenden Globalisierung bis in das Alltagsleben immer stärker bewusst. Globale Migration, Digitalisierung und der Klimawandel machen uns nur zu deutlich, wie stark wir miteinander vernetzt und auf unserem Planeten eng verbunden sind. Wer erinnert sich noch an die Finanzkrise? Wir werden die Chancen nutzen und gleichzeitig die Probleme angehen müssen.

Städte, Gemeinden und Regionen stehen vor der großen Herausforderung, sich wirtschaftlich gleichzeitig im regionalen und globalen Wettbewerb zu beweisen, die Anforderungen des Klimawandels, angespannter Wohnungsmärkte, des demografischen Wandels, einer nachhaltigen Mobilität und einer sozial gerechten Stadtentwicklung zu bewältigen und dabei noch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land im Blick zu behalten. Beteiligung an der Stadtentwicklung ist selbstverständlich und will in einer lokalen Stadtpolitik fest verankert sein. Die Anforderungen der Menschen an ihr direktes räumliches Umfeld steigen ebenfalls. Die Lebensqualität in Städten und Gemeinden ist nicht zuletzt auch ein Standortfaktor.

Die Rufe nach guten Kitas und Schulen, bezahlbaren Wohnungen, soziale Teilhabe und gesunden Lebensbedingungen sowie nach einer respektvollen Diskussionskultur haben eine Grundfrage des politischen und staatlichen Handelns wieder neu in den Fokus gerückt: die Orientierung am Gemeinwohl. Wenn Gemeinwohl das ist, was uns alle angeht: Wie können das Wohl jedes Einzelnen und das Wohl der Gesellschaft auf Quartiers- oder sogar globaler Ebene miteinander in Einklang gebracht werden? Wir reden über öffentliche Güter wie gesunde Luft und sauberes Wasser, Boden, Bildung und soziale Infrastruktur, Frieden und Rechtsstaatlichkeit und über die Ideen, die uns verbinden und zu einer Gesellschaft werden lassen.

All diese Aufgaben beschäftigen besonders die Kommunen, ebenso die Länder und den Bund. Gleichzeitig. Eine große Herausforderung, die starker Partner und einer guten Zusammenarbeit bedarf, damit Städte und Gemeinden zukunftsfähig bleiben können.