Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

"Geschenke im Rahmen zwischenstaatlicher Beziehungen" - so lautet die korrekte Bezeichnung von Gastgeschenken im offiziellen Amtsdeutsch. Und so komplex wie der Name ist auch das Schenken selbst. Denn: Das Verschenken und Erhalten von Gastgeschenken im politischen Miteinander ähnelt ein wenig der Situation unter dem heimischen Weihnachtsbaum. Im Idealfall freut man sich riesig über ein Geschenk. In anderen Fällen kann es auch mal heikel werden.

Schmuckstücke und Kuriositäten

Besuchergruppen staunen meist nicht schlecht, wenn sie in den Vitrinen vor dem Besucherzentrum des Bundesministeriums des Innern (BMI) einen silbernen Falken entdecken - oder eine reich verzierte rote Glasvase. In den Vitrinen sind jeweils die imposantesten und außergewöhnlichsten Geschenke ausgestellt, die der Bundesinnenminister in der letzten Zeit erhalten hat. Jedoch nur solche, die auch in die Vitrinen passen. So manches Präsent ist hierfür nämlich deutlich zu groß.

Viele der Gastgeschenke sind wirklich außergewöhnlich schöne Stücke. Langjährige Mitarbeiter wissen aber auch von so manch einer Kuriosität zu berichten, die in den vergangenen Jahrzehnten ihren Weg ins BMI gefunden hat. Traditionelle Kopfbedeckungen aus Fell beispielsweise. Oder kiloweise getrocknete Datteln.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière erhielt bei seinen Reisen im vergangenen Jahr beispielsweise eine Schiffsglocke und einen Kristall-Kerzenständer und natürlich zahlreiche Wandteller. Dekorative Wandteller gehören nämlich international zu den meistverschenkten Gastgeschenken.

Bei innereuropäischen Treffen und bei Besuchen der US-amerikanischen Kollegen wird übrigens im Regelfall auf Gastgeschenke verzichtet. Schließlich sieht man sich häufig. Insgesamt fallen Präsente heute ohnehin meist kleiner aus. Wurden vor einigen Jahren noch lebende Tiere und riesige Statuen verschenkt, sind die Präsente heute meist eher symbolischer Natur. Und: Geschenkt wird immer nur auf derselben Ebene. Der Minister beschenkt einen Minister oder eine Ministerin. Eine Staatssekretärin oder ein Staatssekretär beschenkt ihr oder sein Pendant.

Was der Bundesinnenminister verschenkt

Dr. Thomas de Maizière übergibt ein Gastgeschenk an den Minister für Inneres und kommunale Gebietskörperschaften und Raumordnung der Demokratischen Volksrepublik Algeriens, Noureddine Bedoui Dr. Thomas de Maizière übergibt ein Gastgeschenk an den Minister für Inneres und kommunale Gebietskörperschaften und Raumordnung der Demokratischen Volksrepublik Algeriens, Noureddine Bedoui (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Gastgeschenk Quelle: BMI Übergabe eines Gastgeschenks an den Minister für Inneres und kommunale Gebietskörperschaften und Raumordnung der Demokratischen Volksrepublik Algeriens, Noureddine Bedoui

Und was verschenken der Bundesinnenminister und seine Staatssekretärinnen und -sekretäre dann im Gegenzug? Ein häufiges - und im Ausland sehr geschätztes - Gastgeschenk deutscher Politiker ist Porzellan. Ringhenkelschälchen beispielsweise (siehe untenstehende Bilderstrecke). Aber auch Buddybären stehen schon in aller Herren Länder. Und nationale Symbole wie das Brandenburger Tor wurden schon in diversen Varianten verschenkt.

Bei der Auswahl des Geschenks berät übrigens das Protokollreferat des BMI. Hier kennt man sich aus mit den Vorlieben der Gastgeberländer. Und man notiert ganz genau, welche Geschenke wann von wem an wen verschenkt wurden. Denn auch in der Politik gilt: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Und dann sollte man im Idealfall nicht das gleiche Geschenk wie beim letzten Treffen dabei haben.

Als kleiner Anhaltspunkt für Größe und Art des Geschenks dient dabei übrigens das Geschenk des vorangegangenen Besuchs in eben jenem Land - auch hierfür ist die genaue Archivierung der Geschenke hilfreich. Häufig sind die ausgewählten Geschenke dann landestypisch - wie eben Porzellan. Oder Sie haben einen Bezug zum Schenker oder dem Beschenkten. Im Idealfall trifft man auch noch den Geschmack des Beschenkten. Es gibt also Einiges zu bedenken.

  • Facts rund um das Thema Gastgeschenke

  • landestypisch

    soll das Geschenk sein

  • prunkvoll & bunt

    mag man es in Osteuropa

  • Porzellan

    kommt gut an - außer in China

  • Nicht zu

    teuer

    - aber dennoch angemessen

  • Im Idealfall hat das Geschenk einen

    persönlichen Bezug

  • Natürlich wird

    kein Alkohol

    an Moslems verschenkt


Bloß keine Überraschungen!

Um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden, wird beim Thema Gastgeschenke nichts dem Zufall überlassen. Im Vorfeld einer Reise wird daher genau geklärt, ob es Präsente geben wird, ob gegebenenfalls besondere Vorlieben bestehen und in welcher Größenordnung sich die Geschenke bewegen.

Vereinbart wird auch, ob es eine persönliche Übergabe geben wird. Thomas de Maizière schenkt in fast allen Fällen persönlich. Denn eine protokollarische Übergabe ist wenig feierlich. Dann tauschen nämlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach nur die Päckchen oder Tüten aus.

Bei einer persönlichen Übergabe werden die Geschenke im Regelfall am Ende eines Gesprächs im Rahmen der Verabschiedung übergeben. Und nicht selten werden diese dann auch direkt geöffnet und man hält noch einen kurzen Plausch über das Präsent.

Und was passiert mit den Geschenken?

Was kaum jemand weiß: Gastgeschenke ziehen in Deutschland erheblichen Bürokratieaufwand nach sich. Denn: Sie sind keine persönlichen Präsente. Sie gehören der Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen der pflichtmäßigen Inventarisierung wird zunächst eine Wertschätzung vorgenommen. Bei jedem Geschenk, das den Wert von 153,39 Euro übersteigt, ist laut Bundesministergesetz Mitteilung an das Bundeskanzleramt zu machen. Dann wird das Geschenk entweder in das Bundesvermögen übernommen oder der Beschenkte kann den Gegenwert an die Bundeskasse zahlen und es dann behalten. Übrigens gibt es für Gastgeschenke sogar eine eigene Zollverordnung.

Einfach behalten geht also nicht. Aber was passiert dann mit den Geschenken? Will ein Minister diese nicht erwerben, werden die Präsente erstmal in den Asservatenkammern der Ministerien gelagert. Ab und an werden diese geleert und die Gastgeschenke dann beispielsweise im Rahmen einer Tombola versteigert. Der Erlös geht an gemeinnützige Zwecke. So kamen 1997 im Rahmen einer Versteigerung zu Gunsten der Opfer der Oderflut beispielsweise mehrere Zehntausend Euro zusammen.

Besonders schöne Stücke verstauben aber nicht in Abstellräumen sondern werden in den Häusern ausgestellt - wie eben auch in den Vitrinen vor dem Besucherzentrum des BMI.