Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Eine Frauenhand steckt einen Stimmzettel in eine Wahlurne Quelle: Tetra Images / GettyImages

Ein Kreuzchen auf dem Stimmzettel setzen und diesen in die Wahlurne werfen. Was zunächst klingt wie ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Demokratie, war Frauen noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht gestattet. Am 12. November 2018 jährt sich der Tag der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Deutschland zum 100sten Mal. Der 12. November des Jahres 1918 gilt als Meilenstein der Demokratiegeschichte.

"Das gleiche allgemeine Wahlrecht von Frauen und Männern ist für uns heute selbstverständlich. Dabei war es ein mühevoller Weg dorthin und die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland am 12. November 1918 in der Tat ein Meilenstein der Demokratiegeschichte."

Bundesinnenminister Horst Seehofer anlässlich des 100. Jahrestags des Frauenwahlrechts in Deutschland · 10.11.2018

Ein langer Weg

Der Kampf um das gleiche Recht von Frauen und Männern, zu wählen und gewählt zu werden (aktives und passives Wahlrecht) hat eine bis ins 18. Jahrhundert hineinreichende Geschichte. In Europa war es vor allem die so genannte Suffragettenbewegung (von englisch/französisch suffrage für Wahlrecht) in Großbritannien, die sich gegen die rechtliche und politische Benachteiligung von Frauen zur Wehr setzte.

Auch in Deutschland wurde bereits um die Jahrhundertwende ein gleichberechtigtes Frauenstimmrecht beziehungsweise weitergehend ein allgemeines Frauenwahlrecht gefordert, dass es auch ermöglichen sollte, dass Frauen selbst wählbar sind. Ein wichtiger Motor dieser Bewegung bildete der 1904 in Berlin gegründete Weltbund für Frauenstimmrecht (International Woman Suffrage Alliance, später International Alliance of Women), der mit seinen regelmäßigen Kongressen für eine weltweite Vernetzung sorgte und einzelne Frauen sowie Gruppen aus vielen Ländern motivierte, sich für ihre Rechte einzusetzen.

Endlich wählbar und wahlberechtigt!

In Mitteleuropa haben mehrere Länder nach dem Ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht eingeführt. In den meisten dieser Staaten vollzog sich um 1918 ein vollständiger Umbruch, der entweder im Zuge einer Revolution oder einer neuen Staatsgründung die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für beide Geschlechter umfasste.

Als erste Europäerinnen erhielten 1906 die Finninnen das Wahlrecht. Als letztes europäisches Land führte 1984 Liechtenstein das Frauenwahlrecht ein.

In Deutschland war die erste Wahl, bei welcher Frauen stimmberechtigt und wählbar waren, die Wahl zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919. Im Vorfeld hatte am 12. November 1918 der Rat der Volksbeauftragten - die nach der Revolution und Ausrufung der Republik am 9. November 1918 gebildete Übergangsregierung - dieses Wahlrecht in einem Aufruf mit Gesetzescharakter an das deutsche Volk angekündigt:

"Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen. Auch für die konstituierende Versammlung, über die nähere Bestimmung noch erfolgen wird, gilt dieses Wahlrecht."

Der 12. November 1918 wird seither als Tag der Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Deutschland und Meilenstein der Demokratiegeschichte gewürdigt.

Wahlurne vor Deutschlandkarte Wahlurne vor Deutschlandkarte (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Wahlrecht Quelle: phoelix / shutterstock.com

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz in Kraft. Es enthielt einen Passus zum allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 gaben dann über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen ihre Stimme ab. Es kandidierten 300 Frauen. Von den insgesamt 423 Abgeordneten zogen 37 Frauen in die Nationalversammlung ein. Das entspricht einem Frauenanteil von 8,7 Prozent.

Eine der ersten Frauen in der Nationalversammlung, die Reichstagsabgeordnete Marie Juchazc, betonte: "Ich möchte hier festhalten (…), dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

  • Daten und Fakten rund um das Frauenwahlrecht

  • 1906

    Einführung Frauenwahlrecht in

    Finnland

  • 1918

    Einführung Frauenwahlrecht in

    Deutschland

  • 1984

    Einführung Frauenwahlrecht in

    Liechtenstein

  • Anteil weiblicher Abgeordneter im Deutschen Bundestag

    1949

    6,8 %

  • Anteil der wahlberechtigten Frauen, die bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 wählen gingen:

    > 80 Prozent

  • Anteil weiblicher Abgeordneter im Deutschen Bundestag

    2018

    30,9 %

Mütter und Väter des Grundgesetzes

Bei den Beratungen des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat 1948/49 - dessen Mitglieder von den Landesparlamenten gewählt wurden - war das Verhältnis mit 61 Männern und 4 Frauen ebenfalls noch sehr unausgewogen. Dennoch spricht man heute ganz selbstverständlich von den "Müttern und Vätern des Grundgesetzes". Die als Mütter des Grundgesetzes bezeichneten Abgeordneten Friederike Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrumspartei) beteiligten sich sehr aktiv, wenngleich mit unterschiedlichen Schwerpunkten an den Beratungen des Parlamentarischen Rates. Die Abgeordneten Friederike Nadig und Elisabeth Selbert setzten sich beispielsweise mit Erfolg für die Aufnahme der Formulierung "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes ein.

Anteil weiblicher Abgeordneter im Deutschen Bundestag

Seit der ersten Bundestagswahl 1949 steigerte sich die Zahl weiblicher Abgeordneter im Deutschen Bundestag langsam aber stetig von 6,8 Prozent zu Beginn der ersten Wahlperiode bis auf 37,3 Prozent am Ende der 18. Wahlperiode. Im 19. Deutschen Bundestag liegt der Frauenanteil dagegen wieder bei nur 30,9 Prozent.