Bundesministerium des Inneren

Was wäre die Jugendfußballmannschaft ohne ihren Trainer? Fände der wöchentliche Seniorentreff statt, wenn ihn niemand organisiert? Wer würde uns am Ziel des Marathons auf die Beine helfen, wenn die ehrenamtliche Sanitäterin nicht da wäre? Wer befreit die Straße nach dem Herbststurm von umgestürzten Bäumen?

In Deutschland sind zirka 30 Millionen Menschen in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens ehrenamtlich aktiv. Dies betrifft den Sport, den Katastrophenschutz, oder aber Soziales und Integration. Wenn es diese engagierten Bürgerinnen und Bürger nicht gäbe, wären wir häufig hilflos und alleingelassen.

  • 45 % der Bevölkerung engagieren sich regelmäßig oder gelegentlich

  • 49 % der Männer engagieren sich

  • 54 % der Bewohner in ländlichen Regionen bringen sich ein

  • 22 % der Engagierten haben ein Amt oder eine feste Aufgabe

  • 41 % der Frauen engagieren sich

  • 43 % der Bewohner in städtischen Regionen bringen sich ein

  • Quelle: Zweiter Engegementbericht 2016

Warum ehrenamtliches Engagement so wichtig ist

Viele Bereiche in unserer Gesellschaft funktionieren deshalb gut, weil Bürgerinnen und Bürger sich freiwillig und unentgeltlich engagieren. Diese Menschen leisten beispielsweise im THW, im Sport oder im Integrationsbereich viel für unser gesellschaftliches Miteinander und machen unser Zusammenleben reicher. Engagement erfolgt oft gemeinsam mit anderen. Gemeinschaftliche Erfahrungen verbinden - junge mit alten und einheimische mit ausländischen Menschen.

Wir können die gesellschaftlichen Herausforderungen nur gemeinsam durch Staat, Wirtschaft und Bürgergesellschaft bewältigen und sind deshalb auf Menschen angewiesen, die freiwillig ohne Gegenleistung für andere Verantwortung übernehmen und einen Beitrag für unsere Gemeinschaft leisten. Deshalb gebührt allen Ehrenamtlichen, die sich im Verein, in einer Organisation oder im direkten Kontakt für andere Menschen einsetzen, großer Dank. Unsere Gesellschaft braucht dieses Engagement.

Warum sich Menschen engagieren

Bring dich ein. #gemeinsam Bring dich ein. #gemeinsam

Freiwilliges Engagement ist nicht nur wertvoll für unsere Gesellschaft, sondern auch für die Ehrenamtlichen selbst. Die Motive, warum sich Menschen ehrenamtlich engagieren, sind sehr vielfältig. Der Großteil möchte einfach uneigennützig helfen. Andere haben durch ihr Engagement die Chance, sich selbst stärker zu entfalten. Für viele ist das Ehrenamt eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Nicht zuletzt spielt auch die erlebte Kameradschaft - gerade in den Hilfsorganisationen - eine maßgebliche Rolle.

Katrin Brendolise - seit 20 Jahren im THW aktiv - fasst zusammen: "Ich ziehe meine Motivation aus dem tiefen Gefühl in Notsituationen etwas bewegen zu können und nicht zuletzt auch aus der Anerkennung für unser Tun. Nicht tatenlos zu zusehen, sondern in Grenzsituationen anpacken zu können, gibt neue Energie." In einem bewegenden Erfahrungsbericht schildert sie, wie sehr sie das Ehrenamt manchmal fordert - aber auch, welche Kraft es ihr gibt.

Ehrenamt im Sport

Sport - und insbesondere der organisierte Sport - wäre in Deutschland ohne den Einsatz von ehrenamtlich Engagierten und freiwilligen Helferinnen und Helfern die Freiwilligen kaum denkbar. Sie leisten jährlich mehr als 500 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit. Zum Beispiel als Vorsitzende oder Vorstandsmitglieder oder als Helfer im Spiel- und Wettkampfbetrieb.

  • 8,6 Mio.

    Engagierte

  • 90.802

    Sportvereine

  • > 500 Mio.

    Stunden ehrenamtliche Arbeit

Sport ist nicht nur wichtig für die eigene Gesundheit, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade auch im Bereich der Integration kann der Sport wichtige Brücke bauen. Das regelmäßige Sporttreiben und die Übernahme ehrenamtlicher Funktionen im Verein sind daher auch und gerade für Menschen mit Migrationshintergrund wichtig.

Ehrenamt im Bevölkerungsschutz

Unser Bevölkerungsschutzsystem baut auf Hilfsorganisationen, in denen sich Leute freiwillig engagieren und helfen. Schätzungsweise 1,6 bis 1,7 Millionen Helferinnen und Helfern sind in Deutschland im Bevölkerungsschutz aktiv. Etwa 90 Prozent aller Einsätze werden von Ehrenamtlichen getragen.

Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche ist dabei sehr groß. Von Sanitätsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter Hilfe oder dem Malteser Hilfsdienst bis hin zu Bergungs- und Rettungsdiensten. Wasserratten finden bei der DLRG oder der Wasserwacht einen Anlaufpunkt. Diejenigen, die es lieber heiß und brenzlig mögen, können sich bei der Feuerwehr engagieren.

Hinzu kommt das Technische Hilfswerk als ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes. Rund 80.000 Menschen sind in 668 Ortsverbänden organisiert. Hier finden jedoch nicht nur Technikaffine ihre Berufung. Hobbyköche oder Organisationstalente werden ebenso gebraucht, damit das THW seine Arbeit leisten kann. Auch eine besondere Qualifizierung im Vorfeld ist nicht nötig. Denn im THW werden alle Helferinnen und Helfer zu Fachleuten ausgebildet.

Bürgerschaftliches Engagement

Zwei Frauen verteilen Essen an hilfsbedürftige Personen Zwei Frauen verteilen Essen an hilfsbedürftige Personen (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Ehrenamt Quelle: Steve Debenport / GettyImages

In Deutschland haben wir rund 600.000 gemeinnützige Vereine. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist eine wichtige Stütze des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft.

Wie wichtig und wirksam das bürgerschaftliche Engagement ist, hat sich zuletzt 2015 gezeigt, als viele Menschen nach Deutschland geflüchtet sind. Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat sich engagiert, praktische Hilfe geleistet oder auch Sachen oder Gelder gespendet. Das Engagement in Deutschland ist in diesem Zusammenhang deutlich angestiegen. Vor allem haben sich viele Engagierte informell vernetzt und sind spontan aktiv geworden, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Wie das Ehrenamt gefördert wird

Doch der ehrenamtliche Einsatz ist nicht selbstverständlich. Durch den demografischen Wandel und verändertes Freizeitverhalten wird es schwieriger Vereinsstrukturen aufrecht zu erhalten und Nachwuchs zu finden. Das spüren insbesondere die Rettungsdienste. Umso wichtiger ist es, dass das ehrenamtliche Engagement gefördert wird. Das Bundesinnenministerium bringt sich hier auf vielfältige Weise ein:

  1. Mit dem Förderpreis Helfende Hand werden seit 2009 jährlich Ideen und Konzepte ausgezeichnet, die das Interesse der Menschen für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz wecken. Außerdem werden Unternehmen, Einrichtungen und Personen geehrt, die den Bevölkerungsschutz in besonderer Weise fördern und unterstützen. Die begehrten Trophäen werden in den drei Kategorien "Nachwuchsarbeit", "Innovative Konzepte" und "Unterstützung des Ehrenamtes" vergeben.

  2. Im Juni 2017 wurde der Bundeswettbewerb "Zusammenleben Hand in Hand - Kommunen gestalten" gestartet. Gesucht sind kreative Projekte und Ideen, die die Integration von Zuwanderern und das Zusammenleben mit der Bevölkerung in den Kommunen vor Ort fördern. Die Projekte sollen prämiert und bekannt gemacht werden, um als Vorbild zu dienen. Noch bis Ende des Jahres kann jeder mitmachen.

  3. Eine Frau geht mit einem alten Mann spazieren und trägt seine Einkäufe Eine Frau geht mit einem alten Mann spazieren und trägt seine Einkäufe (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Ehrenamt Quelle: FredFroese / GettyImages

    Das BMI hat auch die Schirmherrschaft für den deutschen Nachbarschaftspreis inne. Hier werden aktive Nachbarn und nachbarschaftliche Projekte auf Bundes- und Länderebene ausgezeichnet, die sich für ein offenes, solidarisches und demokratisches Miteinander einsetzen. Diese Beispiele sollen zeigen, wie Nachbarn Brücken zwischen Kulturen und Generationen bauen und sich dabei miteinander und füreinander engagieren.

  4. Ein wichtiger Bestandteil des bürgerschaftlichen Engagements ist das aktive Eintreten gegen jede Form von Extremismus. Das Bundesministerium des Innern fördert bereits seit 2010 mit dem Programm "Zusammenhalt durch Teilhabe" Projekte im ländlichen oder strukturschwachen Raum, die sich für eine selbstbewusste, lebendige und demokratische Gemeinwesenkultur einsetzen. Dadurch finden extremistische und verfassungsfeindliche Strukturen und diskriminierende und demokratiefeindliche Verhaltensweisen keinen Platz.

  5. Die Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements im Sport fördert das BMI, in dem es die Schirmherrschaften bei herausragenden Vereinsjubiläen und Breitensportveranstaltungen übernimmt oder Ehrenpreise an Sportvereine stiftet, die überregional bedeutsame Sportwettkämpfe im Breitensport ausrichten.