Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Ein muslimischer Junge liegt auf einem orientalischen Teppich und lacht fröhlich Quelle: Jasmin_Merdan / GettyImages.de

Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ist angelegt als dauerhafter und breiter institutionalisierter Dialog aller drei Ebenen der deutschen Politik und Verwaltung (Bund, Länder, Gemeinden) mit Muslimen in Deutschland. Sie wird in dieser Legislaturperiode mit einer Auftaktveranstaltung Ende November 2018 in Berlin starten. Teilnehmen wird ein breites Spektrum muslimischer Zivilgesellschaft in Deutschland – Moscheedachverbände, verbandsunabhängige Organisationen, kleinere Initiativen sowie Wissenschaftler und Experten. Weiterhin werden Repräsentanten der Verwaltung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene sowie der Kirchen und des jüdischen Lebens in Deutschland vertreten sein.

Ziele der DIK

Die DIK ist darauf gerichtet,

  • ein gemeinsames Verständnis der rechtlichen und kulturellen Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland zu erreichen und zu festigen;
  • die religiöse und gesellschaftliche Teilhabe der muslimischen Bevölkerung zu verbessern;
  • die Wahrnehmung und Anerkennung von Integrationsleistungen und der Bereicherung der Mehrheitsgesellschaft durch muslimisches Leben zu stärken;
  • die Partnerschaft und den Dialog mit Muslimen und islamischen Verbänden weiterzuentwickeln und auszubauen;
  • gemeinsam nach Wegen zu suchen, auf denen sich die islamischen Dachverbände den Anforderungen des deutschen Religionsverfassungsrechts für die Anerkennung als Religionsgemeinschaften annähern können.

Diese Zielsetzung fußt auf dem grundsätzlichen Verständnis des Verhältnisses von Staat und Religion in Deutschland: Der demokratische Rechtsstaat schafft und erhält den Rechtsrahmen und den Spielraum, innerhalb derer Religionen mit ihrem Glauben und ihren Überzeugungen existieren, sich betätigen und entwickeln können – und dadurch wiederum einen zentralen Beitrag für das friedliche, gleichberechtigte, sich wechselseitig bereichernde Zusammenleben in der Gesellschaft leisten.

Teilnehmer

Eine junge Muslima lehnt an einer Wand und hält ein Tablet in der Hand. Eine junge Muslima lehnt an einer Wand und hält ein Tablet in der Hand. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Junge Muslima mit Tablet Quelle: Carlina Teteris / GettyImages.de

Neben den islamischen Dachverbänden, diversen weiteren Verbänden und Vereinen sind bewusst und gezielt auch Initiativen der muslimischen Zivilgesellschaft sowie verbandskritische oder -oppositionelle Organisationen und Einzelpersonen integraler Teil der Islam Konferenz. Daneben sind Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, aus den Bundesländern, den Kommunen, der Kirchen, des Zentralrats der Juden und aus der Wissenschaft beteiligt.

Entwicklung der DIK

Das Bundesministerium des Innern hat am 27. September 2006 die Deutsche Islam Konferenz ins Leben gerufen. Damit wurde erstmals ein gesamtstaatlicher Rahmen für den Dialog zwischen deutschem Staat und Muslimen in Deutschland geschaffen.

Die DIK beriet und tagte in unterschiedlichen Besetzungen und in variierenden Formaten in bisher drei Phasen – jeweils parallel zu den Legislaturperioden. Beteiligt waren über die Jahre islamische Dach- und Spitzenverbände, aber auch verbandsunabhängige Initiativen und Vereine sowie muslimische Einzelpersonen. Daneben waren Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien, aus den Bundesländern, der Kommunen und aus der Wissenschaft vertreten.

In der 18. Legislaturperiode (2013-2017) wurden in der DIK zwei Schwerpunktthemen behandelt und mit Ergebnis- und Maßnahmenpapieren abgeschlossen: Wohlfahrt von und für Muslime sowie muslimische Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen. Angesichts der Ankunft von zahlreichen Flüchtlingen widmete sich die DIK auch der Frage, wie das Engagement der muslimischen Gemeinden in der Flüchtlingshilfe effizienter organisiert und von staatlicher Seite unterstützt werden könnte.

Ergebnisse der vergangenen Legislaturperioden

Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz im Gespräch Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz im Gespräch (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) DIK Quelle: Henning Schacht

Zu den bisherigen Ergebnissen der DIK gehört unter anderem:

  • Ebnen von Wegen für einen transparenten Islamunterricht an deutschen staatlichen Schulen als Alternative zu informellen, an einzelne Verbände und Moscheegemeinden gebundenen Bildungsangeboten
  • Gründung erster Zentren für Islamische Theologie an deutschen Universitäten, die einen Beitrag leisten sollen zur zukünftigen Imam-Ausbildung in Deutschland
  • Vereinbarungen und Absprachen zur Durchführung von muslimischen Begräbnissen und zum Moscheebau in Deutschland
  • Empfehlungen für eine muslimische soziale Wohlfahrtspflege und Seelsorge

Noch viel zu tun

Es gibt noch viel zu tun und zu erreichen. Und neue Herausforderungen sind hinzugekommen. Noch vor zehn Jahren war eine deutliche Mehrheit der Muslime hierzulande türkischer Herkunft. Die Fluchtmigration nach Deutschland hat dazu geführt, dass der Islam vielfältiger geworden ist und sich neue und andere Anforderungen an die Integration von Zuwanderern muslimischen Glaubens stellen.

Hierdurch verschärft sich z.B. das Defizit der Islamverbände bei der Vertretung der muslimischen Bevölkerung in Deutschland. Die Vielfalt muslimischen Lebens wird nicht hinreichend durch die großen und bekannten Verbände und Vertretungen gebündelt. Politik und Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen fehlt es an Ansprechpartnern, die mit klaren Strukturen, transparenter Mitgliedschaft, offengelegter Finanzierung und politisch unabhängig vom Ausland für einen maßgeblichen Teil der Muslime sprechen und handeln könnten.

Zum Teil liegt das an der Vielfalt im Islam als Religion selbst und an der heterogenen Herkunft der Muslime. Zum Teil liegt es allerdings auch oft an fehlendem Willen zu Einigkeit, Transparenz und Unabhängigkeit. Hier muss und hier wird die DIK in dieser Legislaturperiode ansetzen.

Auftrag für die laufende Legislaturperiode

Die DIK in dieser Legislaturperiode hat einen klaren Auftrag. Sie soll einen zentralen Schritt nach vorn markieren bei der Entstehung eines Islam, der sich hier heimisch fühlt und akzeptiert weiß, der sich klar und aus innerer Überzeugung zu den unverrückbaren Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland bekennt. Wir wollen und brauchen einen Islam, der auf den rechtlichen und kulturellen Fundamenten dieses Landes steht – und aus dieser Position heraus gleichberechtigt und selbstbewusst die eigene Religion in Vielfalt praktiziert.

Ein Koran liegt auf einem Tisch Ein Koran liegt auf einem Tisch (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Koran Quelle: artisteer / GettyImages.de

Im Rahmen der nun startenden vierten Phase wird die Debatte über einen in Deutschland beheimateten Islam breit, öffentlich und auch kontrovers geführt werden. Die DIK wird konzipiert als Plattform und Bühne dieser Debatte, die maßgeblich eine innermuslimische Debatte sein und der Identitätsfindung dienen soll. Einbezogen und beteiligt wird dabei ein breites Spektrum der Muslime in Deutschland.

Neben dieser übergreifenden Perspektive und der wichtigen Frage der Imam-Ausbildung in Deutschland wird die DIK praktischer und unmittelbarer wirken. Sie wird Lösungen für das gelingende und erfüllende Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen im Alltagsleben, in der Gemeinde und Kommune, in der Nachbarschaft, im Verein und in der Schule suchen, aufzeigen und fördern.

Was die DIK hierbei unternimmt, vereinbart und mit Projektförderung unterstützt, wird dabei fortlaufend dokumentiert und erläutert

Was ist neu?

In der Vergangenheit tagte die Deutsche Islam Konferenz in festen Formaten und Foren. Es gab ständige, an Personen oder Organisationen gebundene Mitgliedschaften in Arbeits- und Lenkungsgruppen, denen bestimmte Themen und Arbeitsaufträge zugeordnet waren.

Dies wird in der neuen DIK anders sein: Die DIK in ihrer vierten Phase versteht sich als der Rahmen und die Bühne für einen Dialog und Austausch von und mit Muslimen über die übergeordnete Frage, wie ein Islam in, aus und für Deutschland entstehen kann und aussieht. Die DIK soll ein Forum sein für die Diskussion über einen Islam, der in Deutschland seine Heimat findet und sich akzeptiert weiß.