Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Auf einem Laptop sieht man den Bundesinnenminister, der durch den Gesichtserkennungsbereich läuft. Quelle: BMI
Meldung · Sicherheit · 15.12.2017

"Von enormem polizeilichen Nutzen"

Bundesinnenminister de Maizière verlängert Testphase des Projekts "Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz"

Heute hat der Bundesminister des Innern erneut den Bahnhof Berlin Südkreuz besucht, um sich vor Ort über die Zwischenergebnisse des dort getesteten Systems zur Gesichtserkennung zu informieren. Aufgrund der positiven Zwischenergebnisse haben die Bundespolizei und das Bundesministerium des Innern entschieden, den Test über den 31. Januar 2018 hinaus fortzusetzen. Weitere sechs Monate lang soll dann der mögliche Einsatz der Gesichtserkennungssysteme noch realistischer als bisher simuliert werden.

Die Bundespolizei testet am Bahnhof Berlin Südkreuz seit dem 1. August 2017 den Einsatz automatisierter Gesichtserkennungssysteme. Das Projekt findet unter Verwendung der vorhandenen Videoinfrastruktur bei realen Bedingungen an einem Bahnhof mit zahlreichen Reisenden statt.

Angesichts der bisherigen Zwischenergebnisse betonte der Bundesinnenminister: "Diese neue Technik kann in der Zukunft von enormem polizeilichen Nutzen sein und damit einen erheblichen Sicherheitsgewinn für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes darstellen."

Die Erkennungsrate liegt nach einer ersten, noch nicht vollumfänglichen Auswertung, im Bereich von mehr als 70% positiver Erkennungsrate. Dies bedeutet, dass in über 70% der Fälle, in denen beispielweise ein Straftäter den Erkennungsbereich der Kameras durchschreiten würde, dieser Straftäter durch das System als solcher erkannt werden würde und dann der Polizist vor Ort sofort entsprechende Maßnahmen einleiten könnte.

Zwei Polizisten laufen auf eine Treppe zu. Am Fuß der Treppe ist ein Hinweis zum Pilotprojekt Gesichtserkennung aufgeklebt. Zwei Polizisten laufen auf eine Treppe zu. Am Fuß der Treppe ist ein Hinweis zum Pilotprojekt Gesichtserkennung aufgeklebt. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Gesichtserkennungsprojekt Bahnhof Südkreuz Berlin Quelle: Henning Schacht

Darüber hinaus haben sich die Systeme auch sonst gut bewährt: Sie arbeiten gut im Hellen wie auch im Dunklen. Sie erkennen die Gesichter, egal ob eine oder mehrere Personen den Testbereich durchschreiten.

Besonders wichtig: Nach der bisherigen Auswertung ist die Fehlerrate sehr gering. Bisher wurde nur in durchschnittlich weniger als 1% der Fälle eine Person irrtümlich einem Datensatz in der Datenbank zugeordnet.

"Bisher waren die Bedingungen recht „systemfreundlich“: qualitativ hochwertige Bilder von den Testpersonen, warme Jahreszeit. Ab sofort wird die Bundespolizei die Datenbank mit Bildern schlechterer Qualität bestücken: Verschwommen, niedrige Auflösung, Seiten- statt Frontalansicht, Vermummung," so der Bundesinnenminister. Auf diese Weise sollen die Systeme noch mehr gefordert und der Test noch praxisnaher ausgestaltet werden.

Den Kritikern des Tests hielt de Maizière bereits zu Beginn der ersten Testphase entgegen: "Eine Videokamera zeichnet schon jetzt Menschen auf - befristet, ohne die Offenlegung der Identität. Videoüberwachung ist sehr wichtig, um Straften im Nachhinein aufzuklären. Durch diese neue Technik werden Unbeteiligte nicht zusätzlich gespeichert. Innerhalb von Sekunden wird nur abgeglichen, ob sie in einer Fahndungsdatei stehen. Und nur in einem Trefferfall wird die Person gespeichert und dann hoffentlich verhaftet. Vor allem halte ich es für richtig, dass wir die Effizienz ausprobieren, um dann vernünftige Entscheidungen treffen zu können."

Ziele und Umsetzung des Tests

Getestet werden unterschiedlicher Systeme von drei Herstellern. Mit Hilfe einer Software werden dabei die Gesichter von Personen mit einer eigens für die Erprobung erstellten Datenbank aus Lichtbildern Freiwilliger abgleichen. Dazu werden die Testpersonen in entsprechend gekennzeichneten Bereichen am Bahnhof erfasst. Mit dem Projekt soll unter realen Bedingungen an einem Bahnhof mit zahlreichen Reisenden festgestellt werden, ob bereits heute eine Technik vorhanden ist, die unmittelbar einen Sicherheitsgewinn bringt. Deshalb verwendet die Bundespolizei für den Test Kameras, die auch sonst zusammen mit der Deutschen Bahn an einigen Bahnhöfen eingesetzt werden. Auf künstlichen Rahmenbedingungen wird deshalb bewusst verzichtet.

Zum Projekt

Der Test der Gesichtserkennungssysteme wurde in einer gemeinsamen Projektgruppe von Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Bundesministerium des Innern vorbereitet. Die DB AG hat für den Test die Nutzung des Bahnhofs Berlin Südkreuz gestattet, nimmt darüber hinaus aber nicht an dem Test teil.

Für den Test der Gesichtserkennungssysteme wurde ein Datenschutzkonzept erarbeitet, dass umfassende Hinweise auf die Tests, leichte Ausweichmöglichkeiten für übrige Bahnreisende und umfassende Löschpflichten für die im Rahmen des Tests aufgezeichneten Daten vorsieht. Der Test wird ausschließlich mit Freiwilligen durchgeführt. Von den freiwilligen Testpersonen werden Lichtbilder angefertigt, aus denen eine Datenbank zum Abgleich erstellt wird.

Videoüberwachung an deutschen Bahnhöfen
Die DB AG baut in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern und der Bundespolizei ihre Videoanlagen kontinuierlich aus. Derzeit werden ca. 900 Bahnhöfe mit über 6.000 Videokameras überwacht. In vielen großen Bahnhöfen werden die Videobilder live ausgewertet.

Auch die Bundespolizei kann diese Bilder verfolgen. Zugriff auf die aufgezeichneten Videodaten haben allein die Bundespolizei sowie - im Einzelfall - weitere Strafverfolgungsbehörden. Der Bahnhof Berlin Südkreuz wurde erst kürzlich mit moderner Videotechnik ausgestattet.