Bundesministerium des Inneren

Männliche Figur aus weißem Pulver
Meldung · Sport · 29.11.2016

Entschlossen im Kampf gegen Doping

Beim Anti-Doping-Symposium des Bundesministeriums des Innern erörtern Experten Wege zum sauberen Sport.

Vorbeugung, Aufdeckung, Verfolgung – der Kampf gegen Doping im Spitzensport kann nur mit einer ganzheitlichen Strategie erfolgreich sein. Darüber waren sich die Teilnehmer des Symposiums einig, das das Bundesministerium des Innern zum Abschluss eines turbulenten Sportjahres in Berlin ausgerichtet hat. Experten aus Sport, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft folgten der Einladung, und diskutierten darüber, welche Anstrengungen unternommen werden müssten, um für einen möglichst sauberen Sport zu sorgen. „Doping oder Nicht-Doping wird für die künftige Bedeutung und Akzeptanz des Sports entscheidend sein“, sagte Dr. Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim BMI, zum Auftakt des Symposiums.

In seiner Begrüßungsrede machte Staatssekretär Schröder auf die Debatte rund um das Anti-Doping-Gesetz aufmerksam, das der Deutsche Bundestag vor einem Jahr verabschiedet hatte. In der folgenden Diskussion ging es dann auch um die Frage, wie sich das Gesetz auf die Doping-Bekämpfung hat. „Das Gesetz hatte Signalwirkung, die Stellung der NADA wurde dadurch gestärkt“, betonte etwa Oberstaatsanwalt Christoph Frank von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping in Freiburg. Aus seiner Sicht hat sich die die Einrichtung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft bereits bewährt, da die Staatsanwaltschaft Spezialisten gewonnen hat, die ihre Erfahrungen im Anti-Doping-Kampf einsetzen und weitergebeben können.

Zu viele unentdeckte Fälle

Ähnlich sahen es auch Franks Mitdiskutanten. Die Verfahren würden nun intensiver verfolgt. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag, sieht das Anti-Doping-Gesetz als Notwendigkeit an, um den Betrug im Spitzensport effizient zu verfolgen. Sie widersprach gleichzeitig dem Vorwurf, wonach Sportler durch das neue Gesetz kriminalisiert werden würden. Diese Befürchtung hatten Vertreter aus dem Kreis der Athleten geäußert.

Ohne effektive Kontrollsysteme wäre jedoch ein Anti-Doping-Gesetz machtlos. Deshalb ging es im zweiten Teil des Symposiums um die Methoden und Erfahrungen bei der Analyse der Proben. Nach einer Einführung in die Arbeitsweise der Kontroll-Labore brachte eine kontrovers geführte Diskussion ans Licht, dass die Vorstellungen über das bestehende Kontrollsystem auseinander gehen. So plädierte Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Universität Mainz für einen sensibleren Umgang mit Sportlern gerade im Hinblick auf falsche positive Dopingproben, die nicht vollständig auszuschließen sind. Dem entgegnete Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der  Deutschen Sporthochschule in Köln: „Wir haben nicht das Problem, dass wir zu viele falsch positive Proben haben, sondern dass wir noch immer zu viele Doping-Sünder nicht überführen können.“

Mehr als 10 Millionen Euro für die NADA

Mehr als deutlich wurde im Verlauf des Symposiums, dass Doping bei weitem nicht nur ein Problem des Spitzensports ist. Auch der Breitensport sei davon massiv betroffen, so die Erfahrungen der Experten.

In der breiten Öffentlichkeit ist die NADA vor allem für die Durchsetzung der Doping-Kontrollen bekannt. Die deutsche Anti-Doping-Agentur wird inzwischen zu rund 60 Prozent aus Bundesmitteln gefördert. Der Haushalt liegt im kommenden Jahr bei mehr als 10 Millionen Euro. Dabei spielt auch die präventive Bekämpfung eine immer größere Rolle. Die Prävention fange nicht erst bei dem Spitzenathleten an, sagte Dominic Müser, der bei der Nada das Ressort Prävention leitet. Von großer Bedeutung sei es, das Umfeld der Sportler einzubinden und eine Vermittlung von Werten lange vor der Karriere zu beginnen. Prof. Dr. Karl-Heinrich Bette vom Institut für Sportwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt betonte zudem den gesellschaftlichen Einfluss auf das Thema Doping. „Doping liegt in der Luft, ein Druck der ständig auf den Sportler niedergeht“, sagte Bette. Gerade im Hinblick auf die enorme ökonomische Dimension in weiten Teilen des Spitzensports sei das Doping als „rationale Entscheidung anzusehen.“ Auch die Erwartungshaltung der Verbände und des Publikums trage dazu bei, dass der Betrug mit illegalen Substanzen mitunter zum Teil der Karriereplanung wird.

Einig waren sich die Experten darüber, dass Doping nicht allein auf nationaler Ebene bekämpft werden kann. Der Fall Russland habe gezeigt, wie groß die Unterschiede zwischen den Sportnationen im Hinblick auf einen sauberen Sport sind. Es brauche mehr Unabhängigkeit bei den Anti-Doping-Agenturen und eine starke WADA. Trotz der Enthüllungen dieses Jahres spürt Christian Schreiber von der Athletenkommission des DOSB bei sich und seinen Kollegen eine ungebrochene Faszination für den Sport. Der Ruderer sagt aber auch: „Es ist gut, dass der Druck der Öffentlichkeit nun größer ist.“  

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