Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Minister de Maizière begrüßt eine Auszubildende in der Schneiderei. (Foto: Henning Schacht)
Meldung · Heimat & Integration · 21.07.2016

Innenminister de Maizière besucht das Bildungswerk in Kreuzberg

Die Aus- und Weiterbildungseinrichtung BWK im Berliner Kiez macht Integration durch berufliche Qualifikation möglich

Wie gelingt die Integration junger Zuwanderer in Deutschland? Auf diese Frage kann es viele Antworten geben, aus Sicht von Nihat Sorgec liegt der Schlüssel aber vor allem in der beruflichen Qualifikation. Der Deutsch-Türke ist Geschäftsführer des Bildungswerks in Kreuzberg (BWK) in Berlin. Seit knapp 20 Jahren macht er sich mit der Einrichtung zur Aufgabe Menschen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, die sonst nicht die allerbesten Chancen gehabt hätten. Laut eigenen Angaben bekommen heute mehr als 50 Prozent der Absolventen einer Aus- oder Weiterbildungsmaßnahme innerhalb von drei Monaten einen Arbeitsplatz. Eine Erfolgsgeschichte mitten im Berliner Kiez, die auch dem Bundesinnenminister nicht entgangen ist.

Nun wollte sich Dr. Thomas de Maizière vom Konzept des BWK und den Leistungen der Auszubildenden endlich selbst überzeugen. "Der Besuch war längst überfällig", sagte der Bundesinnenminister und lobte den Einsatz der Einrichtung. "Integration ist ein mühsamer Prozess, aber er ist auch erfolgsversprechend." Das müsse gerade in solch unruhigen Zeiten betont werden. Denn: "Gute Integrationspolitik ist gleichzeitig gute Sicherheitspolitik", so der Minister.

Gleich mehrere Ausbildungsbetriebe und unterschiedliche Fortbildungsmaßnahmen sind unter einem Dach des Bildungswerks untergebracht. Die Auszubildenden lernen kochen, absolvieren eine Lehre als Verfahrensmechaniker oder machen einen Aschluss als Schneider oder Friseure. Auch EDV- und Deutschkurse gehören zum Angebot der Einrichtung. Ein Rundgang durch die Ausbildungsbetriebe führte dem Minister die Vielfalt der Angebote und der Teilnehmer vor Augen. Und die Azubis konnten dem hochrangigen Besuch mal zeigen, was sie so alles drauf haben.

Besonderer Schwerpunkt der unterschiedlichen Maßnahmen sind junge Menschen, die in ihrer vorherigen beruflichen Laufbahn und bei ihren Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz gescheitert sind oder einen Migrationshintergrund haben. Eine von ihnen ist Neda Mohammadian. Die 25-Jährige kam erst vor anderthalb Jahren aus dem Iran nach Deutschland und beginnt in Kürze eine Ausbildung bei der Arbeitsagentur. "Es gefällt mir sehr gut in Deutschland. Vor allem, dass ich so schnell eine Ausbildung gefunden habe", sagte sie.

Dass sie bereits jetzt so gut Deutsch spricht, hat sie auch der Philosophie es Bildungswerks zu verdanken. Dort lernen und arbeiten die Teilnehmer über alle kulturellen Grenzen hinweg. 40 bis 50 Nationen seien dort derzeit vertreten. "Wir versuchen alles, damit sich die jungen Leute nicht in ihrer Muttersprache sondern auf Deutsch verständigen", sagt Geschäftsführer Sorgec. Die Verantwortlichen achten darauf, dass ein guter Teil der Auszubildenden aus Deutschland kommt - laut Sorgec sind es derzeit rund 30 bis 40 Prozent. Dazu sollen Mitschüler gleicher Nationalität im Unterricht nicht nebeneinander sitzen. Und wenn Einheimische mit jungen Zuwanderern zusammenlernen, hilft es ganz nebenbei Berührungsängste und Vorurteile abzubauen, sagt Sorgec, der als 15-Jähriger ohne ein Wort Deutsch zu sprechen nach Berlin gekommen war.

Auch die Kreuzberger Einrichtung hat längst festgestellt: Mit der jüngsten Zuwanderung hat sich der Bedarf an berufsintegrierenden Maßnahmen deutlich erhöht. Mit dem Integrationsgesetz hat die Bundesregierung nun für den rechtlichen Rahmen gesorgt, damit Geflüchtete besser in die Berufswelt eingegliedert werden. "Aber viele von ihnen haben kein Wissen über das duale Ausbildungssystem", sagt Sorgec. Hinzu komme, dass Akademiker, die nach Deutschland geflüchtet sind, es im Vergleich zur Hochschule für minderwertig halten. Diese Bedenken wollen Sorgec und sein Team ausräumen und so auch hoch qualifizierte Berufsein- und Umsteiger für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen. Dabei helfen ihm Kooperationspartner aus der freien Wirtschaft und Organisationen wie die die Bundesagentur für Arbeit, das Job-Center, die Handelskammern und Akteure in Politik und Verwaltung.

Ein Ziel für die nahe Zukunft liegt Sorgec ganz besonders am Herzen, teilte er dem Bundesinnenminister mit. Gerne würde er schon bald Interessenten für eine Ausbildung bei der Bundespolizei fit machen. Eine Zusammenarbeit mit der Berlin Polizei sei immerhin bereits gestartet.

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