Bundesministerium des Inneren

Bundesinnenminister besucht das Präventions- und Integrationsprojekt
Meldung · Migration · 26.05.2016

Wie aus jungen Männern "Helden" werden

Bundesinnenminister diskutiert mit Projektteilnehmern über den Ehrbegriff in Migrantencommunities – und darüber, wie alte Rollenbilder überwunden werden können

Wie läuft Integration in der Praxis? Welche Hürden gilt es zu überwinden und wie lassen sich Traditionen und Wertvorstellungen von Zugewanderten mit dem alltäglichen Leben in Deutschland vereinbaren?

Nachdem das Bundeskabinett am gestrigen 25. Mai auf Schloss Meseberg das Integrationsgesetz beschlossen hat, konnte sich Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière in Berlin-Neukölln selbst davon ein Bild machen, wie erfolgversprechende Integration im Alltag der Menschen gelingen kann. Er besuchte das Präventions- und Integrationsprojekt "Heroes" des Vereins Strohhalm e.V., in dem junge Männer mit Migrationshintergrund lernen sollen, tradierte Wertvorstellungen und Rollenbilder in Frage zu stellen und zu diskutieren.

Der Weg zum "Hero"

In Rollenspielen werden hier typische Situationen aus Familie und Freundeskreis aufgearbeitet, z.B. zu den Themen Ehre, Liebe oder Verantwortung. Sie sind Teil eines einjährigen Trainings, das die Teilnehmer durchlaufen, um ein "Hero" zu werden.

"Wo ist Deine Schwester? Es ist dunkel draußen, geh sie suchen! Hab ich Dir nicht gesagt, dass Du auf sie aufpassen sollst? Was sollen die Leute über uns denken?", geht der Vater seinen Sohn an, als er nach Hause kommt. Auch der beste Freund macht Druck. Die Schwester wird gefunden, möchte aber nicht nach Hause kommen, sondern lieber noch mit ihrer Freundin Eis essen. Was soll der Junge tun?

Sämtliche Rollen werden von den jungen Männern - den "Heroes" - gespielt. De Maizière springt spontan als Freundin der Schwester ein. Im Anschluss wird lebhaft diskutiert: Welche Alternativen haben die jungen Männer in einer solchen Situation? Woran misst sich der Begriff der Ehre?

"Heroes" als Vorbilder und Multiplikatoren

Bundesinnenminister besucht das Präventions- und Integrationsprojekt "Heroes" in Berlin-Neukölln Bundesinnenminister besucht das Präventions- und Integrationsprojekt "Heroes" in Berlin-Neukölln (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Heroes

Die Diskussion zeigt, wie schwierig es für Menschen mit Migrationshintergrund sein kann, anerzogene Rollenbilder und Verhaltensmuster hinter sich zu lassen und den eigenen Weg zu finden. Dabei leben die Familien der jungen Männer oft schon in zweiter oder dritter Generation in Deutschland.

Dass sich dieser schwierige Weg aber lohnt, wird mit Blick auf die Lebensläufe der selbstbewussten und eloquenten "Heroes" deutlich: sie studieren zum Beispiel Psychologie oder Soziale Arbeit, bereiten sich auf das Abitur vor oder machen eine Berufsausbildung. Aber vor allem sind sie Vorbilder für andere junge Männer. Regelmäßig führen sie ihre Rollenspiele (auch) in Berliner Schulen und Ausbildungsstätten durch und diskutieren mit Schülerinnen und Schülern über Ehre, Familie, Religion, Geschlechterrollen und Beziehungen. Manche Schüler wollen dann selbst ein "Hero" werden.

"Es muss viel mehr solcher Projekte geben", stellte der Minister zum Schluss seines Besuchs fest. Der Verein Strohhalm e.V. plant bereits das Modellprojekt "HEROES Parents Project", das sich präventiv gegen die Risikofaktoren von Radikalisierung richtet. Fördermittel kommen aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben".

Der Verein Strohhalm e.V. in Berlin-Neukölln bietet seit 2008 im Rahmen seines Projekts "Heroes" Trainings für junge Männer mit Migrationshintergrund an, die in ihrem familiären und sozialen Umfeld von traditionellen Denk- und Verhaltensmustern geprägt sind. Das Projekt soll ihnen dabei helfen, sich mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen und familiären Erwartungen und kulturellen Widersprüchen auseinanderzusetzen, diese für sich aufzulösen und gewalttätige Reaktionsmuster zu vermeiden.

Zunächst nehmen die jungen Männer an Gruppentrainings teil, in denen sie über Themen wie Ehre, Identität, Geschlechterrollen und Menschenrechte diskutieren. Neben der Vermittlung von Fachwissen sollen sie auch in ihrer Wahrnehmung und Empathie sensibilisiert und in ihren Haltungen gestärkt werden sowie persönliche Erfahrungen und Sichtweisen austauschen. Im zweiten Schritt sollen die Teilnehmer als Rollenvorbilder in Schulen, Ausbildungsstätten oder Jugendtreffs selbst Vorträge für Schüler, Lehrer und Eltern halten. Das Projekt "Heroes" gibt es mittlerweile auch in München, Nürnberg, Augsburg, Schweinfurt, Offenbach, Köln und Duisburg.

Mehr erfahren Sie unter: www.heroes-net.de