Bundesministerium des Inneren

Aufnahme der Teilnehmer der Dialogrunde Quelle: BMI
Meldung · IT & Digitalpolitik · 02.03.2015

Dialogrunde "Digitales bürgerschaftliches Engagement"

Bundesinnenminister diskutiert mit Experten Chancen, Risiken und Grenzen der Digitalisierung im bürgerschaftlichen Engagement

Am 2. März 2015 hat Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière mit Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über die Möglichkeiten diskutiert, wie durch den verstärkten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) die Arbeit von Vereinen, Verbänden und Initiativen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements verbessert werden kann.

Dabei wurde deutlich, dass bereits heute eine Reihe innovativer Konzepte und Projekte bestehen, wie IKT ehrenamtliche Kräfte bei ihrer Arbeit unterstützen können. Im Vordergrund stehen hier in der Regel die Organisation der ehrenamtlichen Arbeit, die Kommunikation im Ehrenamt oder auch die Freiwilligenwerbung, wobei die engagierten Personen trotz der örtlichen und zeitlichen Flexibilität in ihrem Handeln zumeist einen konkreten thematischen oder lokalen Bezug haben, der sie motiviert. Viele dieser Projekte sind allerdings bislang nicht in der Breite bekannt und können daher schwer von anderen adaptiert werden. Rein digitales Engagement ist noch eine Seltenheit.

Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass die Digitalisierung das traditionelle Engagement nicht ersetzen wird. Es bedarf auch im Internetzeitalter der Rückkopplung zu den klassischen Mechanismen ehrenamtlichen Engagements. Menschen, die sich wie z.B. bei Wikipedia ausschließlich digital engagieren, treffen sich nach wie vor häufig auf verschiedensten Veranstaltungen, um den persönlichen Kontakt zu pflegen. Allerdings kann IKT nur dann einen Mehrwert bei der Organisation bürgerschaftlichen Engagements darstellen, wenn es als echtes Hilfsmittel durch die Beteiligten angenommen wird und die digitale wie die klassische Dimension des Handelns von vornherein zusammengedacht werden.

Im zweiten Teil der Diskussion ging es um die Frage, was von Seiten des Staates getan werden kann, um die Verbreitung digitaler Techniken im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements zu fördern. In diesem Zusammenhang wurde etwa betont, dass der Staat auf eigene Infrastrukturen und rein staatliche Initiativen für digitales bürgerschaftliches Engagement eher verzichten sollte. Vielmehr sollte auf bestehende Initiativen und vorhandene Plattformen zurückgegriffen werden. Hierfür ist ein kooperatives Vorgehen des Staates mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Wirtschaft von großer Bedeutung.

Zudem wurde von mehreren Expertinnen und Experten empfohlen, dass die Kompetenzen jener gestärkt werden, die in den Organisationen und Initiativen mit der Betreuung der digitalen Dienste betraut sind. Dabei sei auch darauf zu achten, dass keine Überforderung eintrete. Schließlich steht der Dienst am Menschen und der Sache im Vordergrund und nicht die Beherrschbarkeit der Technik.

Als weitere sinnvolle Aktivitäten des Staates wurden auch die Verbesserung der Förderbedingungen für Initiativen und Projekte im Bereich der digitalen sozialen Innovationen sowie die Unterstützung bei der Beachtung der IT-Sicherheit und der Interoperabilität von digitalen Infrastrukturen auch im Bereich des Ehrenamts benannt. Eine besonders wichtige Rolle könne dem Staat zukommen, wenn es darum ginge, die Qualität von und das Vertrauen in die digitalen bürgerschaftlichen Angebote zu fördern.

Die Expertenrunde war der dritte Termin in der Veranstaltungsreihe "Forum Digitale Gesellschaft", mit der der Bundesinnenminister zentrale Fragen der voranschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft aufgreift. Die Veranstaltungsreihe ist Teil der Umsetzung der Digitalen Agenda der Bundesregierung.

Teilnehmer der Dialogrunde "Digitales bürgerschaftliches Engagement" waren:

  • Dr. Thomas de Maizière, MdB
    Bundesminister des Innern
  • Albrecht Broemme
    Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
  • Christoph Unger
    Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
  • Dr. Ralf Kleindiek
    Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Willi Brase, MdB
    Vorsitzender des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement des Deutschen Bundestags
  • Dr. Joana Breidenbach
    gut.org gemeinnützige Aktiengesellschaft; Leiterin des Think-Tanks "betterplace lab" der gemeinnützigen Gut AG
  • Oberkirchenrat Detlev Rückert
    Juristischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU
  • Tim Moritz Hector
    Wikimedia Deutschland; Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V.
  • Hannes Jähnert
    Blogger; freier Mitarbeiter und Dozent mit dem Schwerpunkt freiwilliges Online-Engagement
  • Uwe Pöttgen
    SoCura GmbH ; CIO des Malteser Hilfsdienst
  • Dr. Marianne Janik
    Senior Director Public Sector bei Microsoft Deutschland GmbH
  • Gabriele Hartmann
    Head of Corporate Social Responsibility Middle and Eastern Europe bei SAP SE
  • Prof. Dr. Sebastian Braun
    Leiter des Forschungszentrums für Bürgerschaftliches Engagement an der Philosophische Fakultät IV der Humboldt Universität zu Berlin
  • Dr. Mark Speich
    Geschäftsführer des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation
  • Prof. Dr. Thomas Rauschenbach
    Leiter des Deutschen Jugendinstituts in München

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