Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Zeitungsstapel mit schwarzem Hintergrund Quelle: qvist / shutterstock.com
Interview · 16.03.2018

"Muslime müssen mit uns leben, nicht neben uns"

Ein Interview mit Bundesinnenminister Horst Seehofer über Abschiebung, Parallelgesellschaften, Integration und Heimat

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Das Interview führte: Franz Solms-Laubach

Sie haben Ihr Amt als Ministerpräsident aufgegeben und sind jetzt Bundesminister in Berlin. Ihr alter Finanzminister wird nun Ihr Nachfolger als Ministerpräsident. Wer hat den größeren Karriereschritt gemacht?

Solche Vergleiche sind doch völlig überflüssig. Ich blicke auf eine lange politische Karriere mit verschiedenen Ämtern zurück und freue mich sehr auf die neue Aufgabe. Markus Söder fängt jetzt seine Amtszeit als bayerischer Ministerpräsident an. Unsere beiden Ämter sind mit einer großen Verantwortung verbunden.

In Bayern waren Sie mit der CSU de facto Alleinherrscher. Können Sie in der GroKo denn ein guter Team-Player sein?

Natürlich bin ich ein Team-Player, sonst gäbe es doch heute gar keinen Koalitionsvertrag. Politik ist Dialog. Darin bin ich gut. Das prägt auch die GroKo und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam Deutschland voran bringen werden.

Sie sind 68 Jahre alt und Superminister für Inneres, Bau und Heimat. Trauen Sie sich das wirklich zu?

Mein Alter ist doch überhaupt kein Thema. Ich kenne hunderte aktive Menschen in meinem Alter, die Unternehmen leiten oder tagtäglich andere große Leistungen erbringen. Alter ist keine Bürde und Jugend ist kein Verdienst.

Das große Thema Ihrer Amtszeit wird die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Wie wollen Sie verlorenes Vertrauen wieder zurückgewinnen?

Wir setzen jetzt um, was wir seit drei Jahren fordern. Dazu gehören mehr sichere Herkunftsländer, ein Masterplan für schnellere Abschiebungen und die verstärkte Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern. Und denjenigen, die wirklich bei uns Schutz brauchen, müssen wir diesen Schutz selbstverständlich bieten und wenn sie bleiben, müssen wir sie mit aller Kraft integrieren.

Warum soll Ihnen jetzt plötzlich gelingen, was vorher nicht geklappt hat?

Der Bund wird beim Thema Abschiebung künftig mehr Verantwortung übernehmen. Zuständig sind zwar weiter die Länder, die in Zukunft ebenfalls mehr gefordert sind, wenn es darum geht, abgelehnte Asylbewerber abzuschieben. Der Druck ist gewaltig. Wenn einzelne Städte jetzt einen Zuzugsstopp für Flüchtlinge verhängen, dann ist das doch ein Beweis für meine schon seit Jahren vertretene These: Die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft ist endlich und wir dürfen nicht zulassen, dass diese überstrapaziert wird.

Die Bundesländer sind überfordert, Herkunftsländer kooperieren nicht und Schlupflöcher im System werden ausgenutzt...

Damit ist jetzt Schluss. Die Aufnahme, die Antragstellung und die Entscheidung über einen Asylantrag erfolgen künftig in zentralen Aufnahmestellen, den sogenannten Anker-Zentren. Dieses Gesetzesvorhaben wollen wir noch bis zur Sommerpause angehen. Ein erstes Anker-Zentrum soll bis zum Herbst entstehen.

Die Wahlerfolge der AfD zeigen, dass Deutschland gespalten ist. Wie wollen Sie das Land einen?

Das wird unsere große Aufgabe. Dafür bin ich Heimatminister. Heimat ist für die Menschen sehr wichtig, sie gibt ihnen Halt. Es ist dumm, Heimat nur mit Folklore gleichzusetzen. Das geht an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Menschen vorbei. Ländliche Regionen bluten aus, Ballungsräume sind überfüllt – hier müssen wir Anreize setzen, damit wieder ein Gleichgewicht entsteht.

Immer mehr Muslime suchen in Deutschland eine neue Heimat. Gehört der Islam zu Deutschland?

Nein. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben.

Brauchen wir in Zukunft wieder eine Islamkonferenz?

Unbedingt! Die Islamkonferenz ist mir wichtig. Wir müssen uns mit den muslimischen Verbänden an einen Tisch setzen und den Dialog suchen und da wo nötig noch ausbauen. Meine Botschaft lautet: Muslime müssen mit uns leben, nicht neben oder gegen uns. Um das zu erreichen, brauchen wir gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme und das erreicht man eben nur, wenn man miteinander spricht.

Wäre es ein wichtiges Zeichen gewesen, jemanden mit Migrationshintergrund im GroKo-Kabinett zu haben?

Ich stelle eine Gegenfrage: Muss ich Arzt sein, um Gesundheitsminister werden zu können? Politik will politische Vorstellungen zum Wohle unserer Gesellschaft umsetzen. Dafür braucht man natürlich den Rat von Spezialisten. Ein Migrationshintergrund allein qualifiziert jedenfalls niemanden zu einem guten Politiker.

Sie sind ja Bundessportminister. Sollte Deutschland die Fußball-WM in Russland boykottieren?

Politische Probleme muss die Politik lösen und nicht der Sport.