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Stiefel, Rucksack und Halstuch eines Kämpfers
Artikel · Sicherheit

Islamismus und Salafismus

Islamismus ist eine extremistische Bestrebung. Sie richtet sich gegen den demokratischen Verfas-sungsstaat und seine fundamentalen Werte, seine Normen und Regeln.

In Abgrenzung zur Religion "Islam" bezeichnet der Begriff "Islamismus" eine religiös verbrämte Form des politischen Extremismus. Unter Berufung auf den Islam zielt der Islamismus auf die teilweise oder vollständige Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ab.

Der Islamismus basiert auf der Überzeugung, dass der Islam nicht nur eine persönliche, private "Angelegenheit" ist, sondern auch das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung bestimmt oder zumindest teilweise regelt. Der Islamismus postuliert die Existenz einer gottgewollten und daher "wahren" und absoluten Ordnung. Sie steht über den von Menschen gemachten Ordnungen.

Mit ihrer Auslegung des Islam stehen Islamisten im Widerspruch insbesondere zu den im Grundgesetz verankerten Grundsätzen der Volkssouveränität, der Trennung von Staat und Religion, der freien Meinungsäußerung und der allgemeinen Gleichberechtigung. Ein wesentliches ideologisches Element des Islamismus ist außerdem der Antisemitismus.

Strömungen im Islamismus

Unter dem Oberbegriff "Islamismus" werden verschiedene Strömungen zusammengefasst. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer ideologischen Prämissen, ihrer geografischen Verortung und ihrer Strategien und Mittel.

Legalistische Strömungen wie die "Millî Görüş"-Bewegung oder die Muslimbruderschaft versuchen, über politische und gesellschaftliche Einflussnahme eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen.
Die Anhänger islamistisch-terroristischer Gruppierungen wie HAMAS und "Hizb Allah" haben das Ziel den jüdischen Staat Israel zu vernichten. Sie sind auf ihre Herkunftsregionen fokussiert und wenden vor allem dort terroristische Gewalt an.

Jihadistische Gruppierungen, wie zum Beispiel der "Islamische Staat" (IS) und "al-Qaida", sehen in ihrem Kampf für einen "Gottesstaat" in terroristischer Gewalt ein unverzichtbares Mittel gegen "Ungläubige" und sogenannte korrupte Regime. Ihre terroristische Agenda ist global und bedroht auf internationaler Ebene alle Staaten.

Salafismus in Deutschland

Der Salafismus in Deutschland verzeichnet einen ungebrochenen Zulauf.

  • Schätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz zum salafistischen Personenpotential

  • 2012

    4.500

    Anhänger

  • 2016

    10.000

    Anhänger

Der Salafismus präsentiert sich einerseits als Gegenmodell zur hiesigen, westlichen Gesellschaft, ist aber andererseits auch deren Produkt. Die deutlich steigenden Anhängerzahlen sind insbesondere auf intensive, teils hochprofessionelle Propaganda und eine geschickte Verknüpfung von physischer und virtueller Welt zu einer einheitlichen Lebenswirklichkeit zurückzuführen. Der Salafismus entfaltet insbesondere auf junge Menschen große Anziehungskraft

Warum Salafismus so gefährlich ist…

Die anhaltende "Attraktivität" des Salafismus verdeutlicht, wie wichtig sowohl die gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit ihm als auch seine Aufklärung durch die Verfassungsschutzbehörden ist. Dies gilt umso mehr, als die jihadistische Ausrichtung des Salafismus den Westen und seine Werte nicht nur ablehnt, sondern aktiv bekämpft: Sowohl durch die Ausreise in sogenannte Jihad-Gebiete wie auch durch Anschläge im Westen.

Denn Anhänger des jihadistischen, terroristischen Salafismus glauben, ihre Ziele nur durch Gewalt realisieren zu können. Unter dem Eindruck des Syrien-Konflikts ist eine verstärkte Hinwendung von Predigern und Anhängern des politischen Salafismus zu jihadistischen Argumentationsmustern erkennbar.

Dadurch werden immer mehr Personen aus dem Randbereich des Salafismus für jihadistische Aktivitäten in Syrien und im Irak geworben. In diesem Zusammenhang ist auf den radikalisierenden Einfluss salafistischer Propaganda besonders hinzuweisen.

Radikalisierungsprozesse

Politischer Salafismus bereitet auch vor dem Hintergrund dieser Entwicklung fruchtbaren Boden für Radikalisierungsprozesse bis hin zum Terrorismus.

Radikalisierungsbiografien von Personen aus dem jihadistischen Spektrum, die in sogenannte Jihad-Gebiete ausreisen, nehmen nicht selten ihren Anfang in der Hinwendung zu einem anfänglich scheinbar moderaten salafistischen Weltbild. Diese Wandlung vollzieht sich häufig - zumindest anfänglich - von der Öffentlichkeit unbemerkt ohne formale oder kommunikative Anbindung an bekannte islamistisch-terroristische Vereinigungen.

Dennoch verlaufen Radikalisierungen nach aktuellen Erkenntnissen individuell unterschiedlich. Es gibt kein einheitliches Muster. Ein zentrales Element sind Überforderungen bzw. die mangelhafte Bewältigung von altersphasentypischen Entwicklungsaufgaben. Personen, die entweder keine oder Schwierigkeiten mit sozialen Bindungen haben oder auch keine belastbaren Bewältigungsstrategien gelernt haben, sind besonders anfällig.

Prävention und Deradikalisierung

Um zu verhindern, dass Menschen überhaupt dem islamistischen Werben verfallen, werden Präventions- und Aufklärungsarbeit immer wichtiger: Vor allem junge, ungefestigte Persönlichkeiten müssen vor dem Abgleiten in die Radikalität und Extremismus bewahrt werden. Die Bekämpfung des (gewaltbereiten) Salafismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Damit diese gelingt, bedarf es eines engen Zusammenwirkens aller Akteure. Hierfür gibt es zahlreiche Programme und Initiativen auf kommunaler und auf Landesebene.

Der Bund hat 2017 das "Nationale Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus" verabschiedet, das auf der „Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung" aufbaut.

Mit dem neuen Programm wird den besonderen Herausforderungen des islamistischen Extremismus gesamtgesellschaftlich Rechnung getragen. Die Bundesregierung hat sich hier über Ansätze an unterschiedlichen Orten der Prävention verständigt, von Kommunen, Familie und sozialem Umfeld, Bildungseinrichtungen, Moscheegemeinden, Prävention im Netz bis hin zu Prävention durch Integration und im Strafvollzug. Darüber hinaus enthält das Programm Maßnahmen zur Erhöhung der Wirksamkeit der Prävention. Dazu tragen unter anderem der Ausbau der Forschung und eine verstärkte Evaluation von Präventionsmaßnahmen bei.

Deckblatt der Broschüre

Download · 05.05.2017 Glaube oder Extremismus?

Die Broschüre "Glaube oder Extremismus" informiert Sie über das Angebot der Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

(32 Seiten, 4. Auflage, Stand: April 2016)

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