Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Zwei Männer geben sich die Hand. Zwischen den Beiden befindet sich ein weißer Tisch, auf dem zwei Schutzhelme, eine Schutzbrille, Baupläne, eine Wasserwaage und ein Taschenrechner liegen. Quelle: Prasit photo / GettyImages
Artikel · Migration

Arbeitsmigration

Die Migration ausländischer Arbeitnehmer in den deutschen Arbeitsmarkt ist einer der Eckpfeiler der deutschen Zuwanderungspolitik. Deutschland gehört zu den Ländern mit den geringsten Beschränkungen für die Zuwanderung von Fachkräften und Hochqualifizierten.

Muster der Blauen Karte EU Muster der Blauen Karte EU (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Blaue Karte EU Quelle: BMI Muster der Blauen Karte EU

Die in den letzten Jahren fortentwickelte Rechtslage zur Arbeitsmigration ist von einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber der Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften geprägt. Sie soll den Menschen, deren Fähigkeiten wir in Deutschland dringend brauchen, einen Anreiz bieten, sich in den deutschen Arbeitsmarkt einzubringen.

Blaue Karte EU

Als zentraler Aufenthaltstitel für akademische Fachkräfte ermöglicht die Blaue Karte EU seit dem 1. August 2012 einfach und unbürokratisch den Zuzug von Menschen aus Drittstaaten, die ihre Fähigkeiten in Deutschland einbringen möchten. Es muss kein kompliziertes und aufwändiges Punkteverfahren durchlaufen werden und auf eine Vorrangprüfung wird verzichtet.

Erforderlich ist lediglich zweierlei:

  • Der Antragsteller muss ein abgeschlossenes Hochschulstudium nachweisen.
  • Eine Gehaltsmindestgrenze von 52.000 Euro muss eingehalten werden.

Die Blaue Karte EU macht den deutschen Arbeitsmarkt nun auch vermehrt für Berufseinsteiger attraktiv.

In sogenannten Mangelberufen, in denen es in Deutschland eine hohe Anzahl unbesetzter Stellen gibt, liegt die Gehaltsuntergrenze bei nur 40.560 Euro. Dies gilt beispielsweise für Ärzte und Ingenieure. Die Arbeitsbedingungen (z.B. Arbeitszeit und Gehalt) müssen denen von Deutschen entsprechen.

Die Blaue Karte EU bietet Privilegien für den Zuwanderer und seine Familie. Ein frühzeitiges Daueraufenthaltsrecht ermöglicht es potentiellen Bewerbern, ihre Zukunft in Deutschland langfristig zu planen: Nach einem 33-monatigen Aufenthalt kann eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erlangt werden. Wer gute Deutschkenntnisse nachweist, kann schon nach 21 Monaten eine Niederlassungserlaubnis erhalten.

Zuwanderung von Fachkräften

Qualifizierte Fachkräfte in Ausbildungsberufen können ohne weiteres eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland erhalten, wenn in der entsprechenden Branche ein Mangel besteht oder eine Vermittlungsabsprache der Bundesagentur für Arbeit mit einem Herkunftsstaat getroffen wurde.

Neben einem Arbeitsvertrag ist lediglich erforderlich, dass die Gleichwertigkeit mit einer inländischen qualifizierten Ausbildung festgestellt wird und das Gehalt dem von Deutschen entspricht. Eine feste Gehaltgrenze gibt es nicht. Eine Vorrangprüfung erfolgt nicht.

Die Mangelberufe werden in einer "Positivliste" veröffentlicht. Die Positivliste enthält über 110 Berufe, insbesondere Gesundheits- und Pflegeberufe sowie Mechatronik- und Elektroberufe. Sie wird halbjährlich überprüft.

Arbeitsmigration nach aufenthaltsrechtlichen Richtlinien der Europäischen Union

Am 1. August 2017 trat das Gesetz zur Umsetzung aufenthaltsrechtlicher Richtlinien der Europäischen Union zur Arbeitsmigration in Kraft. Das Gesetz trifft Regelungen für unternehmensintern transferierte Arbeitnehmer (intra-corporate-transferees - "ICTs"), Studenten, Forscher, Freiwillige, Praktikanten sowie Saisonarbeitnehmer. Es schafft neue Aufenthaltstitel (ICT-Karte und Mobiler-ICT-Karte) und enthält umfangreiche Neuregelungen zur innereuropäischen Mobilität für ICTs, Studenten und Forscher.

Darüber hinaus enthält es auch für die bereits bisher geregelten Aufenthaltszwecke Studium und Forschung zahlreiche Neuerungen.

Das Bundesministerium des Innern hat Anwendungshinweise zu dem Gesetz erstellt. Diese enthalten Ausführungen zur Anwendung der Neuregelungen. Sie geben vor allem Beispiele für die Voraussetzungen der verschiedenen Aufenthaltstitel sowie zu den vorgesehen Verfahren.

Das Visum zur Arbeitsplatzsuche

Das Visum zur Arbeitsplatzsuche ermöglicht es interessierten Fachkräften aus Drittstaaten, für sechs Monate zur Arbeitsplatzsuche nach Deutschland zu kommen, um vor Ort eine ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit zu finden.

Voraussetzung ist, dass sie einen Hochschulabschluss vorweisen und den Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Wird innerhalb des halben Jahres einen Arbeitgeber gefunden, kann die erforderliche Aufenthaltserlaubnis oder Blaue Karte EU direkt in Deutschland beantragt werden.

Ausländer, die die genannten Voraussetzungen erfüllen und sich bereits zur Erwerbstätigkeit oder wissenschaftlichen Tätigkeit in Deutschland aufhalten, können im Anschluss an diese Tätigkeit einen entsprechenden Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche erhalten. Das Visum zur Arbeitsplatzsuche soll gerade kleinen und mittelständischen Betrieben helfen, die ihre Arbeitskräftesuche zumeist regional ausgerichtet haben.

Hochschulabsolventen

Um ausländische Absolventen, die in Deutschland erfolgreich studiert haben, für unseren Arbeitsmarkt gewinnen zu können, erhalten sie 18 Monate Zeit für die Arbeitsplatzsuche. In dieser Zeit dürfen sie unbeschränkt in jedem Job arbeiten.

Externer Link: Fachkräfte-Offensive (Öffnet neues Fenster)Frau spiegelt sich in Scheibe. Draußen ist eine erleuchtete Baustelle zu sehen. Quelle: www.fachkraefte-offensive.de

Ferner können Absolventen, wenn sie zwei Jahre in einem ihrem Studienabschluss angemessenen Beruf gearbeitet haben, dauerhaft in Deutschland bleiben.

Andere Berufsanfänger

Auch Ausländer, die eine Lehre oder eine andere qualifizierte Berufsausbildung erfolgreich absolviert haben, können sich weiterhin für Deutschland entscheiden, um in dem erlernten Beruf zu arbeiten. Sie haben ein Jahr Zeit, um sich einen ihrer Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz zu suchen. Auch sie dürfen während dieser Arbeitsplatzsuche ihren Lebensunterhalt mit anderen Tätigkeiten bestreiten.

Unternehmer/Selbständige

Menschen aus dem Ausland mit innovativen Ideen sollen Unternehmen in Deutschland gründen können und dazu beitragen, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die seit August 2012 erleichterten Bedingungen im Aufenthaltsrecht bieten Unternehmensgründern einen Anreiz für die Entscheidung, in Deutschland zu investieren und verschaffen den Bundesländern mehr Spielraum bei der Prüfung der Erfolgsaussichten für die verschiedensten Geschäftsmodelle. Pauschale Forderungen nach Mindestinvestitionssummen und einer Mindestzahl an zu schaffenden Arbeitsplätzen gibt es nicht.
Freiberuflern kann unter erleichterten Bedingungen ein Aufenthaltsrecht erteilt werden kann.

Zuwanderung zum Zweck der unqualifizierten/geringqualifizierten Beschäftigung

Diese Zuwanderung wird nur befristet zugelassen. Ein Daueraufenthalt ist bei diesem Aufenthaltszweck ausgeschlossen. Die Beschäftigung von Saisonkräften in der Landwirtschaft und in der Gastronomie (max. 6 Monate jährlich) steht unter dem Vorbehalt, dass eine Absprache zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitsverwaltung des Herkunftsstaates über das Verfahren und die Auswahl zum Zweck der Saisonbeschäftigung besteht. Aktuell besteht keine solche Absprache. Des Weiteren zählen zu diesem Bereich die Au pairs.

Nachzug von Ehegatten/Kindern ausländischer Fachkräfte

Ausländische Fachkräfte, die einen Aufenthaltstitel zum Zweck der Erwerbstätigkeit besitzen, können ihren Ehepartner aus dem Ausland mitnehmen, sofern sie länger als ein Jahr zu bleiben beabsichtigen. Hierbei gilt grundsätzlich ein Sprachnachweiserfordernis. Ausnahmen vom Sprachnachweiserfordernis gelten im Wesentlichen zugunsten von Ehepartnern mit akademischer Bildung, Ehepartnern von Hochqualifizierten und Inhabern der Blauen Karte EU sowie für Ehepartner von Angehörigen bestimmter Staaten (z.B. USA, Kanada, Australien, Japan).

Wer nach erfolgtem Zuzug heiratet, kann den Ehepartner zumeist erst nach zwei Jahren Aufenthalt in Deutschland nachholen. Ausnahmen gelten auch hier zugunsten von Hochqualifizierten und für Inhaber der Blauen Karte EU.

Kinder können immer mitziehen. Verlegen Kinder nicht zusammen mit ihren Eltern oder einem sorgeberechtigten Elternteil den Wohnsitz nach Deutschland, so gelten differenzierte Regelungen (abhängig von Alter, Integrationsfähigkeit, Mitzug des Ehepartners).

Familienangehörige, die einen Aufenthaltstitel zum Familiennachzug besitzen, erhalten mit der Aufenthaltstitelerteilung sofort das vollständige und unbeschränkte Recht auf Ausübung einer Erwerbstätigkeit.