Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Gruppenbild aller Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Quelle: BPA
Artikel · Heimat & Integration

Deutsche Minderheiten in Europa und den Nachfolgestaaten der UdSSR

In Mittel- und Osteuropa sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion leben zahlreiche Mitglieder deutscher Minderheiten. Schwerpunkte der deutschen Minderheitenpolitik sind die Abmilderung des Kriegsfolgenschicksals sowie die Förderung der jeweiligen kulturellen Identität.

Derzeit leben noch rund eine Million Angehörige der deutschen Minderheit in den Staaten Mittel- und Osteuropas sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Die Angehörige der deutschen Minderheiten verteilen sich wie folgt:

  • ca. 400.000 in Russland
  • ca. 186.00 in Ungarn
  • ca. 180.000 in Kasachstan
  • ca. 150.000 in Polen

Darüber hinaus fördert die Bundesregierung auch die deutsche Minderheit im dänischen Nordschleswig. Diese entstand im Jahr 1920 durch die neue Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark als Folge einer Volksabstimmung.

Bindeglied zwischen den Kulturen

Da die deutschen Minderheiten sowohl in der deutschen als auch in der Kultur der jeweiligen Herkunftsländer beheimatet sind, sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen den Kulturen. Sie bieten besondere Chancen zur Entwicklung kultureller und zivilgesellschaftlicher Brücken und Netzwerke in die mittelosteuropäischen Länder und in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Auch dank der deutschen Minderheiten bleiben die Gesprächskanäle auch in politisch schwierigen Zeiten offen. Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, dass die deutschen Minderheiten auch künftig eine solche völkerverbindende Rolle spielen können.

Kriegsfolgen abmildern

Die deutschen Minderheiten (insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion) haben als unmittelbare Folge des zweiten Weltkriegs unter Entrechtung und Unterdrückung, Vertreibung und Verbannung gelitten. Oft mussten sie unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit (etwa in der sogenannten russischen "Trudarmee") leisten. Sie durften lange weder ihren Wohnort selbst bestimmen noch hatten sie die Möglichkeit, einen Hochschulabschluss zu erlangen. Auch das Pflegen der deutschen Sprache und der deutschen Traditionen war lange untersagt.

Vor dem Hintergrund der Mitverantwortung Deutschlands für dieses Schicksal unterstützt die Bundesrepublik die deutschen Minderheiten in ihren Herkunftsländern bei der Bewältigung ihres Kriegsfolgenschicksals. Zugleich soll die Brückenbauer-Funktion der deutschen Minderheit ausgebaut werden. Deshalb fördert die Bundesregierung die deutschen Minderheiten mit verschiedenen Projekten. Maßnahmen der Minderheitenförderung

Die Minderheitenförderung der Bundesregierung umfasst folgende Bereiche:

  • Sprachförderung
  • Erhalt und Weiterentwicklung der ethnokulturellen Identität
  • Jugendarbeit
  • Partnerschaftsmaßnahmen
  • Stärkung der Selbstorganisationen der deutschen Minderheiten

Die Bindung an die deutsche Sprache und die dauerhafte Sicherung ihrer kulturellen Identität sind für die Deutschstämmigen von großer Bedeutung. Neben der Verbesserung ihrer Lebens- und Zukunftsperspektiven fördert die Bundesregierung daher Maßnahmen zur Entwicklung der Sprachkompetenz und zur Wahrung und Stärkung ihrer ethnokulturellen Identität.

Deutschland unterstützt den Aufbau gut organisierter und zukunftsfähiger Selbstverwaltungen, mit denen die jeweilige deutsche Minderheit die Gesellschaft ihres Landes aktiv in ihrem Sinne mitgestalten kann. Nur eine selbstbewusste und in ihrer Identität gefestigte Minderheit kann die vielfältigen kulturellen und zivilgesellschaftlichen Bindungen zwischen den Herkunftsstaaten und Deutschland beleben und stärken.

Ein weiterer besonderer Förderschwerpunkt liegt in der Jugendarbeit. Nur durch eine effektive Stärkung der ethnokulturellen Identität der jungen Generation können die deutschen Minderheiten auch in Zukunft als Brückenbauer zwischen Deutschland und ihren jeweiligen Herkunftsländern auftreten.

Positive Entwicklung

Seit der politischen Wende 1989/90 hat sich die Lage der deutschen Minderheiten in den mittelosteuropäischen Länder und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion grundsätzlich positiv entwickelt. Hierzu hat die Minderheitenpolitik der Bundesregierung maßgeblich beigetragen.

Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung ist die neue Aufgeschlossenheit der Herkunftsländer gegenüber ihren Minderheiten. Dies kommt unter anderem im Abschluss bilateraler Verträge mit der Bundesrepublik Deutschland und im Beitritt zu Abkommen des Europarats zum Minderheitenschutz zum Ausdruck.

Deutsche Minderheit in Dänemark

Die deutsche Minderheit in Dänemark besteht seit der Volksabstimmung im Jahre 1920 über die Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark. Sie unterhält eigene Kindergärten, Schulen und Büchereien, betreibt kirchliche und soziale Arbeit, gibt eine eigene Tageszeitung heraus und bietet in vielen Vereinen sportliche und kulturelle Aktivitäten an.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist die Dachorganisation der deutschen Minderheit und vertritt sie in allen Fragen nach außen. Zum Selbstverständnis der deutschen Minderheit gehören die Pflege eines guten und vertrauensvollen Verhältnisses zur dänischen Mehrheitsbevölkerung und die Funktion als Brückenbauer zwischen Deutschen und Dänen.