Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Mehrere Hände halten vier grüne Puzzleteile zusammen Quelle: Amanda-Rohde / EyeEm / Getty Images
Artikel · Heimat & Integration

Die nationalen Minderheiten in Deutschland

Die nationalen Minderheiten genießen durch den Bund und die Länder einen besonderen Schutz und erhalten eine spezifische Förderung.

In Deutschland leben vier anerkannte nationale Minderheiten:

Deckblatt der Broschüre "Nationale Minderheiten / Minderheiten- und Regionalsprachen in Deutschland"

Download · 22.02.2016 Nationale Minderheiten / Minderheiten- und Regionalsprachen in Deutschland

Die Broschüre stellt die vier in Deutschland anerkannten nationalen Minderheiten mit ihrer jeweiligen Geschichte, Kultur und Sprache sowie Herkunft, Entwicklung und Besonderheiten der Regionalsprache Niederdeutsch vor. Der Anhang der Broschüre enthält Informationen zu Einrichtungen und Gremien für Minderheitenfragen und zu rechtlichen Grundlagen sowie Adressen von Verbänden, Interessenvertretungen und sonstigen Einrichtungen.

(3. Auflage, 81 Seiten, Stand: August 2015)

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Als nationale Minderheiten werden jene Gruppen der Bevölkerung angesehen, die folgenden Kriterien entsprechen:

  • deutsche Staatsangehörigkeit der Angehörigen
  • Unterscheidung vom Mehrheitsvolk durch eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte; eigene Identität
  • Wille zur Bewahrung dieser Identität
  • traditionell, in der Regel seit Jahrhunderten, in Deutschland heimisch
  • innerhalb Deutschlands in angestammten Siedlungsgebieten ansässig

Während die Dänen, die Friesen und die Sorben in bestimmten, geografisch fest umrissenen Regionen Deutschlands siedeln, leben die deutschen Sinti und Roma– meist in kleinerer Zahl – nahezu in ganz Deutschland.

Das Merkmal der traditionellen Ansiedlung auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unter-scheidet die nationalen Minderheiten von Zuwanderergruppen. Diese sind nicht traditionell in Deutschland heimisch. Bevölkerungsgruppen, die ursprünglich als Zuwanderer in das heutige Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, haben daher in Deutschland nicht den Status einer nationalen Minderheit.

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland betrachtet sich – anders als in einigen anderen Staaten – nicht als nationale Minderheit, sondern als Glaubensgemeinschaft.

Keine staatliche Erfassung der Angehörigen nationaler Minderheiten

Zahlenangaben über nationale Minderheiten in Deutschland beruhen nur auf Schätzungen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in der Bundesrepublik Deutschland generell keine bevölkerungsstatistischen und sozioökonomischen Daten auf ethnischer Basis erhoben.

Hintergrund dessen ist zum einen die Verfolgung solcher Minderheiten während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Zum anderen bestehen völkerrechtliche Bedenken. Das Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten legt fest: "Jede Person, die einer nationalen Minderheit angehört, hat das Recht, frei zu entscheiden, ob sie als solche behandelt werden möchte oder nicht; aus dieser Entscheidung oder der Ausübung der mit dieser Entscheidung verbundenen Rechte dürfen ihr keine Nachteile erwachsen."

Schutz und Förderung der nationalen Minderheiten in Deutschland

Der besondere rechtliche Status der nationalen Minderheiten und ihrer Sprachen sowie der Regionalsprache Niederdeutsch beruht im Wesentlichen auf zwei Abkommen des Europarates. Sie genießen in Deutschland Verbindlichkeit:

  1. Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
  2. Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen

In beiden Abkommen ist ein besonderer Schutz festgeschrieben. Dieser wird durch Gesetze und Verwaltungshandeln auf Bundes- und auf Landesebene konkretisiert und umgesetzt.

Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die finanzielle Förderung der nationalen Minderheiten durch den Bund und die Länder. Alle vier nationalen Minderheiten in Deutschland erhalten von der Bundesregierung finanzielle Mittel zur Pflege ihrer Sprache und Kultur. Auch die Bundesländer, in denen die Minderheiten traditionell heimisch sind, tragen mit eigenen Finanzmitteln zur Förderung der nationalen Minderheiten bei. Die Regionalsprache Niederdeutsch wird ebenfalls vom Bund und den Ländern finanziell gefördert.