Bundesministerium des Inneren

Leuchter vor dem Brandenburger Tor Quelle: BMI
Artikel · Gesellschaft & Integration

Jüdische Gemeinschaft in Deutschland

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist heute die drittgrößte in Europa.

Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 hatten die jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich rund 560.000 Mitglieder. Nach der Shoah lebten im Jahre 1950 nur noch etwa 15.000 Juden in der Bundesrepublik Deutschland. Heute gibt es in der Bundesrepublik rund 107.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft.

Bis 1985 drohten jüdische Gemeinden wegen Überalterung auszusterben. Durch die Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind von 1990 bis heute mehr als 215.000 jüdische Migranten einschließlich ihrer Familienangehörigen nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen fanden Aufnahme in den jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Zentralrat der Juden in Deutschland

Die wichtigste Vertretung der Juden in Deutschland ist der Zentralrat. Er wurde im Jahre 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Der Zentralrat ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und nach seinem Selbstverständnis offen für alle Richtungen innerhalb des Judentums. Derzeit gehören dem Zentralrat 105 Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern an. Mit knapp 10. 000 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde zu Berlin die größte in Deutschland.
Neben der Vertretung jüdischer Interessen gegenüber der Bundesregierung gehört der Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, die Integration jüdischer Zuwanderer und die Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes zu den Aufgaben des Zentralrats. Darüber hinaus beteiligt sich der Zentralrat aktiv am politischen und gesellschaftlichen Leben in der Bundesrepublik Deutschland. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Förderung der Verständigung und der gegenseitigen Achtung zwischen Juden und Nichtjuden.

Der Bund und die jüdische Gemeinschaft in Deutschland

Die Bundesregierung fühlt sich der jüdischen Gemeinschaft in besonderer Weise verpflichtet und wendet sich gegen Tendenzen des Vergessens oder Verschweigens des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden. Sie fördert die gesellschaftlichen Kräfte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Wurzeln von Antisemitismus und Rassenhass zu beseitigen. Die Bundesregierung unterstützt Organisationen, die der Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden dienen, insbesondere den Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und den Internationalen Rat der Christen und Juden.

Die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesregierung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland wurden am 27. Januar 2003 , dem Holocaust-Gedenktag, auf eine dauerhafte vertragliche Grundlage gestellt. Durch den Vertrag verpflichtet sich der Bund, dem Zentralrat der Juden in Deutschland für die Erfüllung seiner überregionalen Aufgaben bei der Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes und beim Aufbau der jüdischen Gemeinschaft sowie für seine integrationspolitischen und sozialen Aufgaben jährlich eine Staatsleistung zu zahlen. Mit der Erklärung des Zentralrats im Vertrag, er sei nach seinem Selbstverständnis für alle Richtungen innerhalb des Judentums offen, ist die Erwartung verbunden, dass die vereinbarten Leistungen der gesamten jüdischen Gemeinschaft zugutekommen. Seit 2012 beträgt diese Leistung 10 Millionen Euro jährlich.

Aufgrund einer Vereinbarung mit den Ländern und der jüdischen Gemeinschaft von 1957 trägt der Bund auch die Hälfte der Kosten für die Sicherung und Betreuung der verwaisten Friedhöfe der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Deutschland.