Bundesministerium des Inneren

Zwei Frauen umarmen sich. Eine trägt ein Kopftuch Quelle: Mila Supinskaya Glashchenko / shutterstock.com
Artikel · Gesellschaft & Integration

Islam in Deutschland

Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten vor allem durch Zuwanderer aus muslimisch geprägten Herkunftsstaaten religiös und kulturell vielfältiger geworden. Mittlerweile leben in Deutschland zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime. Das entspricht ca. 5,4 bzw. 5,7% der Gesamtbevölkerung von 82,2 Millionen.

Von 2011 bis 2015 sind ca. 1,2 Millionen muslimische Menschen neu nach Deutschland gekommen. Für die Folgejahre ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, jedoch in einer verminderten Größenordnung als im Jahr 2015 - dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Herkunftsländer

Der Anteil der Muslime mit türkischem Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik ist von 67,5 % (2011) auf 50,6 % (2015) gesunken. Die Türkei ist somit immer noch wichtigstes Herkunftsland, aber jeder zweite Muslim kommt aus einem anderen Land.

Muslimische Neuzugewanderte kommen vor allem aus bislang in Deutschland wenig vertretenen Herkunftsregionen: Naher Osten, Süd-/Südostasien, Zentralasien/GUS sowie Afrika südlich der Sahara. Die meisten türkeistämmigen Muslime leben indessen schon länger in Deutschland.

Herkunftsregionen außer Türkei:

  • Naher Osten: 17,1% (2008: 8,1%)
  • Südosteuropa:11,5% (2008: 13,6%)
  • Südostasien: 8,2% (2008: 4,6%)
  • Nordafrika: 5,8% (2008: 6,9%)
  • Südliches Afrika: 2,5% (2008: 1,4%)
  • Zentralasien/GUS: 2,4% (2008: 0,4%)
  • Iran: 1,9% (2008: 1,7%)

Glaubensrichtungen

Das muslimische Leben in Deutschland ist in Bezug auf Glaubensrichtungen, Religiosität, religiöse Praxis und Herkunft vielfältig. Aktuelle Zahlen zu den Glaubensrichtungen der Muslime in Deutschland liegen nicht vor. Aufgrund der Herkunftsregionen der Neuzugewanderten kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Sunniten weiterhin die mit Abstand größte Glaubensrichtung bilden (ca. 75%), gefolgt von Aleviten mit einem Anteil von ca. 13% und Schiiten mit einem Anteil von ca. 7%.

Moscheegemeinden und muslimische Dachverbände

Nach der DIK-Studie "Islamisches Gemeindeleben in Deutschland" (BAMF 2012) kann mindestens von rund 2.350 Moscheegemeinden in Deutschland ausgegangen werden.

In ca. 2.180 islamischen Gemeinden ist ein Imam tätig. Ein Großteil wird nach wie vor aus der Türkei nach Deutschland befristet entsendet.

Die größten sunnitisch geprägten Dachverbände sind die Türkisch-Islamische Union (DITIB, ca. 900 Gemeinden), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (inkl. Islamische Gemeinschaft Milli Görüs, ca. 400 Gemeinden), der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ, ca. 300 Gemeinden) sowie der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD, ca. 300 Gemeinden).

Daneben bestehen noch weitere konfessionell geprägte Dachverbände wie die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF, ca. 100 Gemeinden), die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland (IGS, ca. 140 Gemeinden) sowie die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ, kein Dachverband).