Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Zwei Senioren planen einen Umbau Quelle: Colin Hawkins/Getty Images
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Altersgerecht Wohnen

Der Abbau von Barrieren im Wohnungsbestand und im Wohnumfeld verbessert die Lebensqualität für Ältere, für Familien mit Kindern und für Menschen mit Behinderungen.

Die Anpassung von Wohnungsbestand und Wohnumfeld an die Bedürfnisse älterer Menschen ist in zentrales Anliegen der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik der Bundesregierung. Denn der Abbau von Barrieren im Wohnungsbestand und im Wohnumfeld verbessert die Lebensqualität für Ältere, für Familien mit Kindern und für Menschen mit Behinderungen.

  • 2012 20,7 % der Bevölkerung über 65

  • 2035 29,8 % der Bevölkerung über 65

  • 2050 jeder Siebte älter als 80

  • 2013 700.000 barrierefreie/-arme Wohnungen

  • nur rd. 2 % der Wohnungen sind altersgerecht

  • 2030 2,9 Mio. Wohnungen werden benötigt

Auch die Sozialsysteme können erhebliche Einsparungen erzielen, wenn pflegebedürftige Personen in ihrer Wohnung möglichst dauerhaft bleiben können und ein Heimaufenthalt verhindert oder aufgeschoben werden kann. Voraussetzung sind rechtzeitige Investitionen in den altersgerechten Umbau der Wohnung.

Der Barriereabbau in Wohnungen, Wohngebäuden sowie im Wohnumfeld ist deshalb dringend geboten, um den geänderten Anforderungen und Wohnbedürfnissen älterer Menschen zu genügen.

Investitionsanreize für den altersgerechten Umbau

Die Bundesregierung unterstützt den Anpassungsprozess unter anderem mit Investitionsanreizen für den Barriereabbau. Dazu gehören das KfW-Programm zum altersgerechten Umbau von Wohnungen und Wohngebäuden sowie das vom Bund beauftragte KfW-Eigenmittelprogramm "Barrierearme Stadt".

Im Rahmen des KfW-Programms "Altersgerecht Umbauen" stellt die Bundesregierung erhebliche Fördermittel insbesondere für Investitionszuschüsse bereit. Damit unterstützt sie selbstnutzende Eigentümer und Mieter bei der alters- und behindertengerechten Anpassung von Wohngebäuden. Angesichts der demographischen Entwicklung ermöglichen diese Investitionen vor allem älteren Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Wohnung und ihrem vertrauten Wohnumfeld leben zu können.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich über weitere Fördermöglichkeiten für den altersgerechten Umbau zu informieren oder diese mit anderen baulichen Maßnahmen, zum Beispiel einer energetischen Sanierung oder Maßnahmen zum Einbruchschutz, zu verknüpfen. Auch Länder (z.B. Sachsen) und Gemeinden bieten häufig zusätzliche Fördermöglichkeiten für den altersgerechten Umbau an.

Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen"

Das KfW-Programm "Altersgerecht Umbauen-Zuschuss" dient der Förderung von Maßnahmen, mit denen Barrieren im Wohnungsbestand abgebaut und die Sicherheit erhöht werden. Vor allem selbstnutzende Eigentümer, die altersbedingt keine Darlehen mehr erhalten oder sich nicht mehr verschulden möchten, profitieren von diesem Zuschussprogramm. Darüber hinaus kommt das Programm nicht nur älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen oder mobilitätseingeschränkten Personen zugute, sondern auch Familien mit Kindern. Denn das Förderprogramm ermöglicht auch vorbeugende Maßnahmen gegen Wohnungseinbruch.

Möglich ist im Rahmen des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ auch die Förderung von Maßnahmen zum Einbruchschutz.

Förderfähig sind unter anderem der Einbau von Nachrüstsystemen für Haus- und Wohnungseingangstüren sowie Fenster, der Einbau von Einbruch- und Überfallmeldeanlagen sowie einbruchhemmender Gitter und Rollläden oder die Installation von Bewegungsmeldern und intelligenten Türschlössern.

Neben der Zuschussförderung besteht für Investoren (z.B. Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Kleinvermieter) die Möglichkeit, für Maßnahmen des Barriereabbaus und des Einbruchschutzes zinsgünstige Kredite im KfW-Eigenmittelprogramm "Altersgerecht Umbauen-Kredit" in Anspruch zu nehmen.

Förderprogramm „Barrierearme Stadt“

Die Akteure in Städten und Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen bei der Anpassung der kommunalen und sozialen Infrastruktur an die Erfordernisse des demografischen Wandels. Der Bund beauftragte im Jahr 2012 daher die KfW mit der Durchführung des Programms „Barrierearme Stadt“. Kommunen, kommunale Unternehmen und soziale Organisationen erhalten besonders zinsverbilligte Darlehen, um Barrieren im
öffentlichen Raum, in kommunalen Verkehrsanlagen und Sportstätten sowie in Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur zu reduzieren. Das Programm ergänzt damit das für Wohngebäude bestehende Programm „Altersgerecht Umbauen“ um die über das Wohngrundstück hinausgehenden Bereiche der kommunalen und sozialen Infrastruktur.

Anforderungen für altersgerechten Umbau

Treppenstufen, Schwellen in der Wohnung, zu geringe Bewegungsflächen, zu enge Türen, Nutzungseinschränkungen im Bad und in anderen Räumen können den Lebensalltag vieler älterer Menschen oder von Menschen mit Behinderung beeinträchtigen. Sie schränken ihre selbstständige Lebensführung ein, führen vermehrt zu Unfällen und Stürzen oder verhindern im Bedarfsfall eine Pflege zu Hause durch Angehörige oder Pflegekräfte.

Während Barrierefreiheit im Neubau inzwischen immer mehr zum Standard wird, ist sie im Bestand baustrukturell oft nicht vollständig herzustellen. Fast überall ist es jedoch möglich, Barrieren abzubauen. So werden Komfort und Wohnqualität erhöht.

Die Möglichkeiten baulicher Anpassungen sind sehr vielfältig. Mitunter führen bereits kleine Umbaumaßnahmen, wie das Anbringen von einfacher handhabbaren Bedienelementen oder der Einbau altersgerechter Sanitärobjekte (zum Beispiel neuer Waschtisch, höhenverstellbares WC, Haltegriffe), zu verbesserten Nutzungsmöglichkeiten. Aber auch größere bauliche Maßnahmen wie der Einbau einer bodengleichen, rutschfesten Dusche, Grundrissänderungen in der Wohnung oder der Anbau von Aufzügen verringern Barrieren und erhöhen die Wohn- und Lebensqualität spürbar.

Die technischen Mindestanforderungen im KfW-Programm "Altersgerecht Umbauen"

Sollen vorhandene Wohnungen und Wohngebäude nachhaltig altersgerecht umgebaut werden, sind einheitliche baulich-technische Standards unverzichtbar. Auf der Grundlage bisher gewonnener Erfahrungen wurden speziell für den Wohnungsbestand technische Mindestanforderungen entwickelt. Sie lassen sich auf ein breites Spektrum baulicher Maßnahmen innerhalb der Wohnung, des Wohngebäudes und des Wohnumfeldes anwenden und sich in den letzten Jahren in der Praxis bewährt.

Die technischen Mindestanforderungen orientieren sich an der DIN 18040 Teil 2 für barrierefreies Bauen im Neubau. Sie wurden an die bautechnischen und baustrukturellen Besonderheiten von Bestandsgebäuden angepasst. Die Anforderungen bieten dadurch genügend Gestaltungsspielräume, um je nach baulich-technischer Beschaffenheit der Immobilie und konkretem Bedarf von Eigentümern und Nutzern Barrieren in der Wohnung oder im Gebäude abzubauen.