Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Blick auf den Zwinger in Dresden Quelle: leoks/shutterstock.com
Artikel · Bauen

Städte­bau­licher Denkmal­schutz

In vielen Städten Deutschlands sind nicht nur einzelne Gebäude erhaltenswert, sondern ganze Straßenzüge, Plätze, historische Stadtkerne oder Stadtquartiere. Aufgabe des Städtebaulichen Denkmalschutzes ist es, diese historischen Ensembles mit ihrem besonderen Charakter und in ihrer Gesamtheit zu erhalten.

Mit dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wird die Sicherung, Erhaltung, Modernisierung und die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Gebäuden, Ensembles und sonstigen baulichen Anlagen sowie die Erhaltung und Umgestaltung von Straßen und Plätzen mit geschichtlicher, künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung in historischen Stadtkernen der neuen und seit 2009 auch der alten Länder gefördert. Dabei sollen die historischen Stadtkerne und -quartiere nicht zu Museen werden. Vielmehr sollen sie sich zu lebendigen Orten entwickeln, die für Wohnen, Arbeit, Kultur und Freizeit gleichermaßen attraktiv sind und sowohl Einwohner als auch Besucher anziehen.

Auch als Wirtschafts- und Standortfaktor sind baukulturell wertvolle Stadtkerne und -quartiere von großer Bedeutung: Historisch gewachsene Stadtkerne mit ihrem individuellen Erscheinungsbild ziehen Touristen an und werden von Unternehmen bei der Standortwahl bevorzugt. Darüber hinaus stärken Sanierungsmaßnahmen die örtliche mittelständische Wirtschaft, insbesondere das Handwerk.

Bundesfinanzhilfen

Die Erfolge des Programms und der Bedarf in den historischen Stadt- und Ortskernen Westdeutschlands führten dazu, dass die Förderung 2009 auf ganz Deutschland ausgeweitet wurde. Von der Programmeinführung 1991 (neue Länder) bis einschließlich 2016 stellte der Bund Finanzhilfen in Höhe von rund 2,597 Milliarden Euro für Maßnahmen des Städtebaulichen Denkmalschutzes bereit, davon rund 2,328 Milliarden Euro für die neuen Länder und rund 0,29 Milliarden Euro für die alten Länder.

Bis 2016 konnte der Bund mit diesen Mitteln 503 Städte, davon 238 in Ost- und 265 in Westdeutschland unterstützen. Im Jahr 2017 stellt der Bund weitere Bundesfinanzhilfen in Höhe von rund 110 Millionen Euro zur Förderung städtebaulicher Gesamtmaßnahmen im Städtebaulichen Denkmalschutz bereit.

Neuruppiner Erklärung

Am 28. Mai 1991 verabschiedete eine interdisziplinär besetzte Expertengruppe in der Fontanestadt Neuruppin einen Aufruf, der es zur nationalen Aufgabe erklärte, das Kulturgut der ostdeutschen Städte vor dem Verfall zu retten, schrittweise zu erneuern und parallel eine moderne Infrastruktur zu entwickeln. Diese Neuruppiner Erklärung bildete den Grundstein für das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz und die dazugehörige Expertengruppe.

Das zunächst für die neuen Bundesländer eingeführte Programm trug wesentlich dazu bei, die historischen Stadtkerne vor dem Verfall zu bewahren, in ihrer Gesamtheit zu erhalten und mit Funktionsvielfalt zu versehen. Anfangs stand die Sicherung der vorhandenen Bausubstanz im Fokus, aber auch nachhaltige Gebäudesanierungen, die Sanierung des öffentlichen Raums und die Revitalisierung spielten von Beginn an eine wichtige Rolle.

Deckblatt

Download · 01.08.2014 Die besonders erhaltenswerte Bausubstanz in der integrierten Stadtentwicklung

Stadtentwicklung bedeutet eine Auseinandersetzung mit den heute vorhandenen Baulichkeiten, ihrer aktuellen Nutzung und ihrer Geschichte. Die Broschüre hilft Kommunen beim Erkennen, Erfassen und Entwickeln der existenten Baukultur.

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Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz

Bei der Umsetzung des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wird der Bund durch eine von ihm berufene Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz beraten, die regelmäßig in den Programmkommunen tagt und ein Vor-Ort-Monitoring durchführt.

Zur Organisation des Wissenstransfers zwischen Bund, Ländern und Kommunen hat der Bund eine Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz eingerichtet. Sie soll helfen den Erfahrungsaustausch zu Themen des Programms und seiner Umsetzung zu vertiefen.

Der Bundeskongress Städtebaulicher Denkmalschutz begleitet das gleichnamige Städtebauförderprogramm seit seiner Einführung in den neuen Ländern im Jahr 1991. Seitdem findet er jährlich in der letzten Augustwoche statt.

UNESCO-Welterbestätten

Deutschland hat mit derzeit 44 gelisteten Bauwerken, Landschaften und städtischen Ensembles verhältnismäßig viele UNESCO-Welterbestätten. Davon liegen 13 vollständig oder teilweise in den neuen Bundesländern, drei sind Naturerbestätten. Der Titel UNESCO-Welterbe ist eine Auszeichnung und eine Verpflichtung zugleich. Das gilt für die einzelne Gemeinde, aber auch für Deutschland als Kulturnation. Der Bund hilft den Kommunen, diese Stätten zu erhalten und zu pflegen.

Mit dem Bundesprogramm "Förderung von Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten" wurden von 2009 bis 2014 insgesamt 220 Millionen Euro bereitgestellt, um die dringend notwendigen Investitionen in den Erhalt der historischen Orte in mehr als 60 Welterbekommunen von Weltrang zu tätigen.