Ergebnisse
+ Plenum der Deutschen Islam Konferenz 2010
Quelle: Katy Otto
Der Dialog von Staat und Muslimen in der Deutschen Islam Konferenz setzt Zeichen für mehr gegenseitiges Verstehen und mehr Verständigung zwischen Muslimen und der Mehrheitsbevölkerung in Deutschland. In ihrer ersten Phase hat die DIK bereits wesentliche Ergebnisse erreicht. Erster zentraler Punkt war die Einigung des 3. Plenums auf einen Wertekonsens in Form eines Bekenntnisses zur Verbindlichkeit der deutschen Rechtsordnung und darüber hinaus der Werteordnung des Grundgesetzes. Dieser Wertekonsens wurde im 4. Plenum der Deutschen Islam Konferenz dahingehend ergänzt, dass es einer Einigkeit aller Menschen über Verhaltensregeln im Alltag bedürfe, die jenseits gesetzlicher Verankerung einen moralischen Imperativ bilden, insbesondere Respekt und Toleranz. Die Muslime der Arbeitsgruppe 1 der Deutschen Islam Konferenz haben mit ihrer Stellungnahme "Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens" die Notwendigkeit von Toleranz und Respekt gegenüber Andersgläubigen und Angehörigen anderer Weltanschauungen sowie der Muslime untereinander betont. Schulen sollen stärker zu Orten der Toleranzerziehung und der Toleranzeinübung werden. Zugleich wirbt ihr Papier dafür, die Gleichberechtigung von Mann und Frau bei muslimischen Kindern und Jugendlichen voranzubringen.
Übereinstimmung bestand, dass islamischer Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen eingeführt werden soll. In einem vom Plenum angenommenen Bericht werden dafür die Voraussetzungen formuliert und Wege aufgezeigt, wie ein solcher Unterricht möglichst rasch umgesetzt werden kann. Einig waren sich die Teilnehmer der Konferenz auch, dass an staatlichen Hochschulen Forschungs- und Lehrangebote zur islamischen Theologie eingerichtet werden sollten. Dies ist einerseits zur Ausbildung von Lehrern für den Religionsunterricht und anderem religiösen Personal notwendig. Andererseits verspricht man sich von einer islamischen Theologie in der Mitte der Gesellschaft eine weitere Stärkung der Integration.
Zugleich wurde von der DIK eine umfangreiche "Handreichung" für die Schulpraxis erarbeitet. In ihr werden die rechtlichen Grundlagen für immer wieder auftretende Fragen, etwa den Umgang mit Klassenfahrten, den Sport- und Schwimmunterricht oder das Kopftuch, dargestellt und Empfehlungen für Lehrer und Eltern gegeben.
Die DIK hat sich auch mit der Berichterstattung über Muslime und den Islam beschäftigt. Das Plenum warb für eine differenziertere Berichterstattung und forderte unter anderem die Redaktionen auf, deutlich mehr qualifizierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzustellen, um ihren Sachverstand und ihr interkulturelles Verständnis zu nutzen.
Zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Sicherheitsbehörden wurde im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine "Clearingstelle" eingerichtet. Sie soll unter anderem den Aufbau eines bundesweiten Netzes von Ansprechpartnern bei Sicherheitsbehörden und muslimischen Organisationen unterstützen.
Die Ergebnisse sind in den Zwischenresümees der Plenarsitzungen von 2008 und 2009 festgehalten.
Erste Ergebnisse der DIK II und Ausblick
Das Plenum der Deutschen Islam Konferenz hat auf seiner Sitzung am 17. Mai 2010 das Arbeitsprogramm für die zweite Phase der DIK verabschiedet. Drei großen Themenkomplexen widmen sich die Teilnehmer bis zum Ende der 17. Legislaturperiode im Herbst 2013:
Themenschwerpunkt 1:
Die Projektgruppe "Fortbildung von religiösem Personal" legte dem Plenum am 29. März 2011 einen Leitfaden für die sprachliche und gesellschaftskundliche Fortbildung von Imamen und alevitischen Religionsbediensteten vor. Mit diesem Leitfaden wird vor allem praktische Hilfestellung bei der Initiierung und Durchführung von Fortbildungen auf kommunaler Ebene geboten. Um den bundesweiten Austausch zu Fragen des islamischen Religionsunterrichts zu fördern, organisierte die DIK daneben eine öffentliche Konferenz zum Stand der Einführung islamischen Religionsunterrichts am 13. und 14. Februar 2011.
Themenschwerpunkt 2:
Der Themenschwerpunkt "Förderung der Geschlechtergerechtigkeit" wird in den kommenden Monaten bis zur nächsten Plenarsitzung 2012 den Schwerpunkt der Arbeit der Deutschen Islam Konferenz bilden. Hierzu hat der Vorbereitungsausschuss im Mai 2011 zwei Projektgruppen eingerichtet, die die Aufträge des Arbeitsprogramms umsetzen. Die neuen Projektgruppen sind: Projektgruppe "Rollenbilder in muslimischen Milieus" sowie Projektgruppe "Bessere Integration von Musliminnen und Muslimen in den Arbeitsmarkt". Beide Projektgruppen haben ihre Arbeit unmittelbar aufgenommen und werden darüber auf der nächsten Sitzung des Vorbereitungsausschusses im Herbst 2011 berichten. Der Vorbereitungsausschuss hat weiterhin beschlossen, eine Studie zu Geschlechterrollen in muslimischen Milieus in Auftrag zu geben.
Themenschwerpunkt 3:
Zur gemeinsamen Arbeit gegen Extremismus, Radikalisierung und gesellschaftliche Polarisierung wurde die Arbeitsgruppe "Präventionsarbeit mit Jugendlichen" eingerichtet. Sie hat sich in der ersten Phase ihrer Arbeit mit den Phänomenen der Muslimfeindlichkeit in der Mehrheitsgesellschaft, des Antisemitismus unter einigen Muslimen, sowie des Islamismus bzw. religiös motivierten Extremismus beschäftigt. Auf der Grundlage der erarbeiteten gemeinsamen Bestandsaufnahme zu diesen Phänomenen und unter Berücksichtigung bereits vorliegender Erfahrungen im Bereich der Extremismusprävention und Toleranzförderung wird die Arbeitsgruppe konkrete präventive Maßnahmen für die Jugendarbeit initiieren und begleiten.
Letzte Änderung: 08.08.2011





