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Europäische IT-Sicherheitskonferenz ISSE 2010 in Berlin

"Stellen Sie sich vor, es gäbe kein Internet. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Email-Kommunikation. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Mobil-Telefonie. Manche von den hier Anwesenden, meine Person eingeschlossen, würden sich dann in 1980er Jahre zurückversetzt fühlen. Wir hätten keine Viren- und Trojaner-Attacken, unsere Netze würden nicht durch Spam-Mails verstopft und im Restaurant würde ein schöner Abend mit Freunden nicht durch ständiges Mobiltelefon-Gebimmel unterbrochen werden. Andererseits gäbe es aber auch keine boomende Internet-Industrie, keine schnellen und unkomplizierten Kommunikationswege und auch der Abend mit den Freunden wäre vielleicht so spontan nicht zusammengekommen, weil eben diese nicht erreichbar gewesen wären." Mit diesen Eingangsworten gewann Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière - Schirmherr der Veranstaltung - sogleich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Besucher der Europäischen IT-Sicherheitskonferenz ISSE 2010, die vom 5. bis zum 7. Oktober in Berlin stattfindet.

Internationale Experten aus Wirtschaft, Forschung und Politik treten vom 5. bis zum 7. Oktober in einen interdisziplinären Dialog über technische, organisatorische und rechtliche Aspekte der Informationssicherheit. Das Bundesministerium des Innern ist in diesem Jahr Gastgeber der in Berlin stattfindenden Konferenz. Die Eröffnungsredner - neben dem Bundesinnenminister hochrangige Vertreter von TeleTrust, der EEMA und ENISA (European Network and Information Security Agency) als Organisatoren der Konferenz - waren sich in einigen Punkten einig: Das Internet bietet viele Chancen, aber auch Risiken. Die Risiken werden von vielen Nutzern, die sich teilweise ohne ausreichenden Schutz gegen Schadprogramme im Internet bewegen, nicht ernst genug genommen oder auch nicht in ausreichendem Maße erkannt. Und es bedarf eines fruchtbaren Zusammenwirkens von Wissenschaft, Industrie, Politik und Verwaltung, um den Gefahren wirksam entgegenzutreten. "Das beständig laufende Wettrennen zwischen den Sicherheitsverantwortlichen und den Angreifern können wir nur dann bestehen, wenn Wirtschaft, Forschung und Verwaltung gemeinsam in einen Dialog treten und auf nationaler und internationaler Ebene partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir müssen weiterhin und verstärkt sensibilisieren und dem Thema IT-Sicherheit eine hohe politische Bedeutung beimessen", sagte de Maizière.

Kontroversen deuteten sich bei der Frage an, wer in welchem Maße Verantwortung zu tragen hat. Der Bundesinnenminister betonte zur Rolle der Wirtschaft: "Unternehmen können und müssen im Internet ungleich einfacher, rascher und vollständiger als bisher in allgemein verständlicher Weise darüber informieren, welche Daten sie erheben, zu welchem Zweck sie sie verarbeiten und an wen sie weitergeleitet werden. Die Anbieter sind gut beraten, hierzu gemeinsam rechtlich bindende Vereinbarungen zu verabreden." Ferner warnte er vor staatlicher Überregulierung, die die Autonomie des Einzelnen ohne ausreichendes Schutzinteresse einschränken könnte: "Wir sollten stets versuchen, zunächst eine Analogie zur Offline-Welt zu bilden. Nur wo das geltende Recht Lücken offenbart, muss der Staat prüfen, ob und wie er diese Lücken schließt. Er sollte aber bei jeder einzelnen neuen gesetzlichen Regelung genau prüfen, ob es nicht ausreicht, die Selbstregulierungskräfte von Gesellschaft und Wirtschaft zu nutzen und – wo notwendig – einfordern. Erst wo dies nicht zu gesellschaftsverträglichen Lösungen führt oder starke Partikularinteressen das Gemeinwohl überlagern, muss und wird der Staat selbst aktiv werden."

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière im Gespräch mit Microsofts Sicherheitsexperten Scott Charney + De Maizière im Gespräch mit Scott Charney Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

De Maizière nutzte im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung der Konferenz die Gelegenheit, um einige Stände der konferenzbegleitenden Ausstellung zu besuchen und sich bei den Experten vor Ort über innovative IT-Lösungen zu informieren. Zunächst sprach der Minister am Stand des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit Microsofts Sicherheitsexperten Scott Charney. Den Schwerpunkt des Gesprächs bildeten die Anwendungsmöglichkeiten des neuen Personalausweises. Der Minister dankte Charney für dessen internationale Unterstützung in Bezug auf den neuen Personalausweises. Interessiert folgte de Maizière auch der Vorführung eines Kartenlesegeräts im Einsatz durch einen BSI-Mitarbeiter. Am Gemeinschaftsstand der secunet Security Networks AG und Rohde & Schwarz, mit denen das Bundesinnenministerium eine Sicherheitspartnerschaft hat, ließ sich der Minister verschiedene IT-Produkte zeigen, u. a. eine Möglichkeit der Sprachverschlüsselung für Mobiltelefone. Am Stand der DATEV wurde de Maizière demonstriert, wie man die Lohn- und Gehaltsabrechnung online über den neuen Personalausweis abwickeln kann. Alternativ zum Papier werden künftig die Steuerberater-Kanzlei und der Mittelständler auf die elektronische Variante zurückgreifen können. Auch hier fragte der Minister nach vielen Details zum konkreten Anwendungsbeispiel.

Datum
05.10.2010
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