Sport und Politik gegen Rechtsextremismus
+ Podiumsdiskussion
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Zwei Botschaften lagen Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière anlässlich der Veranstaltung Foul von Rechtsaußen – Sport und Politik verein(t) für Toleranz, Respekt und Menschenwürde am 18. Januar in Berlin besonders am Herzen: "Erstens: Wir wollen die großartige Kraft des Sports, die Vorbildfunktion und die Reichweite des Sports nutzen, damit Jugendliche nicht anfällig werden für Rechtsextremismus, damit sie Ich-Stärke entwickeln, damit sie sich zu Demokratie, Toleranz, Respekt und Fairness auch außerhalb des Sports bekennen." De Maizière führte weiter aus, warum der Sport besonders gut geeignet sei, genau dies zu vermitteln. Zunächst erreiche man über den Sport einen sehr großen Teil der Zielgruppe - nämlich junge Menschen. Außerdem seien die zuvor genannten Werte ohnehin Teil des Sports. "Zweitens", betonte der Minister, "wollen wir den Sport für die Entwicklung sensibilisieren, die wir mit Sorge beobachten. Der organisierte Rechtsextremismus ist zwar eher auf dem Rückzug. Aber was durchaus zunimmt, ist das Hineinsickern von rechtsextremem Gedankengut in die Gesellschaft. Und da ist der Sport natürlich auch ein potentieller Angriffspunkt. Wir wollen gemeinsam mit dem Sport alle Beteiligten - Hauptamtler und Ehrenamtler - für die Thematik sensibilisieren, sie in die Lage versetzen, früh zu erkennen, wo es Gefährdungen gibt, und sie dabei unterstützen, argumentationssicher zu sein und Methoden zu entwickeln, gegen rechtsextremistische Bestrebungen vorzugehen."
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Sport und Politik arbeiten im Rahmen der Initiative Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Handlungskonzept von Sport und Politik zur Förderung von Toleranz, Respekt und Achtung der Menschenwürde gemeinsam gegen die Einflussnahme rechtsextremistischer Kräfte im Sport. Mit den Zielen der Bündelung und Vernetzung wurde dieses Handlungskonzept vom Bundesministerium des Innern (BMI), dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der Deutschen Sportjugend (dsj – beauftragt durch den Deutschen Olympischen Sportbund, DOSB) erarbeitet. Dem Konzept liegen die Ergebnisse der vom BMI in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Expertise "Rechtsextremismus im Sport in Deutschland und im internationalen Vergleich" (2009) von Prof. Dr. Gunter Pilz zugrunde. Weitere Partner sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB).
Wie wichtig allen Beteiligten aus Sport und Politik das gemeinsame Anliegen - der Kampf gegen den Rechtsextremismus - ist, wurde bereits durch die hochrangige Besetzung des Podiums zur Auftaktveranstaltung im Umweltforum Berlin Auferstehungskirche in Friedrichshain deutlich: Neben Bundesminister de Maizière ließen es sich seitens der Politik auch Bundesministerin Dr. Kristina Schröder und die Thüringer Ministerin Heike Taubert als Vorsitzende der Sportministerkonferenz, nicht nehmen, die Veranstaltung mit zu gestalten. Aus dem Bereich des Sports nahmen die Präsidenten Dr. Thomas Bach vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und Dr. Theo Zwanziger vom Deutschen Fußballbund (DFB) teil.
Alle Diskutanten stimmten darin überein, dass der Sport, dem viele Kinder und Jugendliche begeistert anhängen, durchaus eine attraktive Angriffsfläche für Rechtsextremisten sei, jedoch auch wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich beste Voraussetzungen böte, solchen Bestrebungen Einhalt zu gebieten. Diese guten Voraussetzungen gelte es zu nutzen. Ministerin Schröder verdeutlichte, welchen Vorteil der Sport in seinem Handeln gegen rechts nutzen kann: "Der Sport erreicht die Menschen emotional. Weltoffenheit und Toleranz hat unser Land vor allem auch bei der Fußballweltmeisterschaft gezeigt - auf eine Weise, die uns alle beeindruckt hat. In solchen Momenten spüren wir, wie viel Positives der Sport bewegen und erreichen kann. Darauf können wir aufbauen." Bach stellte fest: "Das Wesen des Sports ist Integration. Es ist für den Sport eine Selbstverständlichkeit, sich entschieden gegen jede Form des Extremismus zu wenden." Zwanziger warnte vor den Methoden Rechtsextremer, die sich nicht selten zunächst unbemerkt, scheinbar unpolitisch im Vereinsleben engagierten und die Werte, die dem Sport zugrunde lägen, langsam unterwanderten: "Das Böse kommt oft in der Maske des Guten!" sagte Zwanziger.
Das hier vorgestellte Handlungskonzept sieht verschiedene Maßnahmen vor, anhand derer das Ziel, den Rechtsextremismus zu bekämpfen, erreicht werden soll: Die Vereine sollen für das Thema sensibilisiert werden, denn das Problem wird z. T. noch nicht erkannt oder verdrängt. Die Vereine sollen sich dazu positionieren. und - bestehende oder noch einzurichtende - Beratungsmöglichkeiten nutzen. Es ist vorgesehen, eine flächendeckende, allen Sportfachverbänden verfügbare Internetplattform zu schaffen, die den Vereinen und deren Mitgliedern umfassende Informationen über Rechtsextremismus und seine Bekämpfung auf einfachem Wege, sportspezifisch und komprimiert zugänglich macht. Beratung, Coaching, Schulung von Multiplikatoren - dies sind nur einige Wege, die zum Erfolg führen sollen.
Das Bundesministerium des innern fördert bereits mit seinem Programm Zusammenhalt durch Teilhabe Projekte für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus in den Neuen Bundesländern. Jeder der 5 ostdeutschen Landessportbünde wird aus diesem Programm mit einem Projekt gefördert werden. Die Projekte haben das Ziel, ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende im Bereich der Konfliktberatung zu qualifizieren und damit zugleich eigene, verbandsinterne Beratungsstrukturen zu etablieren.
- Datum
- 18.01.2011





