"Die Unterstützung durch das Elternhaus ist wichtig"
- Datum
- 03.03.2010
+ Thomas Neumann
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Herr Neumann, als Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Berlin-Mitte kennen Sie die Jugendlichen in Ihrem Kiez. Und Sie kennen die Bedürfnisse des Ortsverbandes. Warum macht es Sinn, auch speziell Nachwuchs mit Migrationshintergrund zu gewinnen?
Ich selbst komme auch aus dem Kiez. Das heißt, ich bin im Bezirk Mitte und in Moabit groß geworden. Für mich ist es der ganz normale Alltag. Wir sind beim THW ja immer bemüht, Nachwuchs zu fördern und sinnvolle Jugendarbeit zu machen. Ich selbst konnte mich damals als Kind nie im Sport engagieren und habe es deshalb sehr genossen, beim THW mitzuwirken.
Warum Nachwuchs mit Migrationshintergrund? Also, ich sehe diese Jugendlichen gar nicht als Kinder mit Migrationshintergrund. Für mich sind das ganz normale Jugendliche, wie alle anderen auch. Ich bin selbst in Moabit zur Schule gegangen. Meine Schule hatte einen relativ hohen Anteil von – damals sagte man noch „Kindern mit ausländischen Eltern“. Also, ich habe da keinen unterschiedlichen Blickwinkel. Es ist eben so, dass hier im Kiez Kinder unterschiedlicher Herkunft aufwachsen, und unser Angebot soll natürlich alle erreichen. Die Jugendlichen haben etwas davon, denn Sie gestalten ihre Freizeit sinnvoll und erwerben technische und soziale Fähigkeiten. Und das THW sowie die Gesellschaft profitieren von der Tätigkeit der Mitglieder – eine win-win-Situation.
Wie wichtig ist die Unterstützung durch die Eltern? Sind die Eltern der Jugendlichen in Ihrem Ortsverband engagiert?
Die Unterstützung durch das Elternhaus ist wichtig, denn zunächst einmal müssen die Eltern damit einverstanden sein, dass Ihre Kinder zu uns kommen. Die Eltern unterstützen uns schon dadurch, dass sie den Kindern ermöglichen, hierher zu kommen. Manche sind erst einmal etwas skeptisch, weil wir eine Behörde sind. Letzten Endes nehmen die Eltern die Jugendarbeit hier aber sehr positiv auf und tragen diese Einschätzung auch an andere Kinder, Jugendliche und Eltern weiter. Manche treten sogar selber ein. Auch mein Vater ist damals, als ich als Jugendlicher beim THW angefangen habe, kurz nach mir ebenfalls eingetreten und ist einige Jahre geblieben.
Sie haben Einiges auf die Beine gestellt, um die Schüler der Ernst-Schering-Oberschule für das THW zu gewinnen. Dies beginnt beim Dialog mit dem Lehrerkollegium, erstreckt sich über Auftritte des Ortsverbandes in der Schule und Einladungen der Interessierten in das Informationszentrum des Landesverbandes des THW und in Ihren Ortsverband. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Schule, und sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. In der Anfangszeit sind wir erst mal in die Schule gefahren. Ich habe da auch einige meiner Jugendlichen, die schon länger beim THW tätig sind, mitgenommen. Ich habe festgestellt, dass ich noch den Draht zu den Jugendlichen habe.
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und macht richtig Spaß. Die Kooperation mit den Lehrern klappt gut, weil man sich mittlerweile kennengelernt hat und jeder weiß, wovon der andere spricht. Man kennt auch das eine oder anderen Problem, das einem begegnen kann. Aber wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht, bleibt der Erfolg nicht aus – das hat das Projekt schon gezeigt.
(Die Fragen stellte Maren Göre.)

