Sail Bremerhaven 2010
+ An Bord der Gorch Fock
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
"Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!"
- dies wünschte Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière den Seeleuten aber auch den segelbegeisterten Besuchern und Gästen der Sail Bremerhaven 2010. Vom 25. bis 29. August wird Bremerhaven - gemeinsam mit der Freien Hansestadt Bremen als Gastgeber des größten Windjammer-Treffens Europas - zum 8. Mal Kulisse für faszinierende Segelschiffe, die eleganten Königinnen der Weltmeere, sein. Das Meer trennt Länder und Kontinente räumlich voneinander ab. Die Häfen, der Handel, die Seefahrt bringen Menschen verschiedener Nationen und Kulturen zusammen. Die Sail Bremerhaven versteht sich vor allem auch als Fest, das Grenzen überwindet und Menschen verbindet.
De Maizière wies in seinem Grußwort darauf hin, dass man von der Seefahrt auch für andere Lebensbereiche durchaus viel lernen kann: "Eine alte maritime Redensart besagt: Der Pessimist klagt über den Wind, der Optimist hofft, dass der Wind sich dreht, und der Realist setzt die Segel. Dabei gilt es, Untiefen rechtzeitig zu erkennen und – wenn nötig – den Kurs zu korrigieren. Und die Erfahrung zeigt: Gegen den Wind zu kreuzen bringt einen manchmal schneller ans Ziel als mit dem Wind zu segeln. Untiefen umschiffen, Segel setzen, auch wenn die See etwas rauer ist und der Wind mal von vorne kommt – mir scheint, dass es da wohl einige Parallelen zur Politik gibt."
Bei viel Sonne und kräftigen Windböen eröffnete der Minister gemeinsam mit Oberbürgermeister Jörg Schulz das internationale Festival durch drei Böllerschüsse und ließ anschließend die Hafenkulisse mit den vielen stattlichen Windjammern auf sich wirken. Auf den Schiffen herrschte rege Betriebsamkeit; die Seeleute gingen allerorts ihrer täglichen kräftezehrenden Arbeit nach - manche hoch oben in 40 Metern Höhe in der Takelage, andere beim Putzen des Decks oder bei der Pflege der Ausrüstung.
+ Gespräch mit Kapitän Peter Kaaling
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
De Maizière nutzte die Gelegenheit, sich über maritime Fragen zu informieren und sprach zunächst an Bord der "Götheborg" mit Kapitän Peter Kaaling, der ihm das eindrucksvolle schwedische Segelschiff zeigte und gern über die verschiedenen Aufgaben der Besatzung, den Alltag auf See, die baulichen Besonderheiten des Schiffs und dessen Geschichte Auskunft gab. Die Götheborg ist die Kopie eines gleichnamigen Handelsschiffs, das 1745 auf seiner Heimreise von China kurz vor dem Ziel im Göteborger Hafengebiet auf Grund lief und sank. Im Laufe der langen Jahre fiel das Wrack in Vergessenheit, bis ein Taucher die „Götheborg" im Jahre 1984 wiederfand. Das Segelschiff wurde 1:1 und hochseetüchtig nachgebaut.
+ Im Gespräch mit Offiziersanwärterinnen
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Ein weiteres Highlight war der Besuch auf dem Segelschulschiff und Flaggschiff der Sail Bremerhaven 2010 Bark "Gorch Fock". Bei der Ankunft und zur Verabschiedung des Ministers war laut die Bootsmannspfeife zu hören - eine Tradition, mit der ranghohen Offizieren bei der Marine Respekt gezollt wird und die im Ausbildungsbetrieb auch heute noch verwendet wird. Kapitän zur See Norbert Schatz führte den Bundesinnenminister stolz über die "Gorch Fock", die im ersten Halbjahr dieses Jahres bei ihrer letzten Werftüberholung wieder auf den neuesten Stand gebracht worden war. Bei einer neunmonatigen Werftüberholung 2001 wurde bei der Innenausstattung berücksichtigt, dass nun auch Frauen als Offiziersanwärter an Bord ausgebildet werden. Jährlich werden mit der „Gorch Fock" ein bis zwei Ausbildungsreisen durchgeführt, Ende dieses Jahres wird es die 156./157. Auslandsausbildungsreise sein. Bei diesen Reisen ist die Crew der „Gorch Fock"
Deutschlands weltweiter Botschafter zur See für Frieden, Freundschaft und Verständigung zwischen den Völkern. Mehr als 250 Offizieranwärter der Marine werden im Rahmen ihrer "Seemännischen Basisausbildung" erste Erfahrungen an Bord des Großseglers sammeln und das grundlegende seemännische Handwerk erlernen. Die Reiseroute sieht diesmal erstmals auch die Umrundung des berüchtigten Kap Hoorn vor. "Kap Hoorn ist für den Segler das, was für den Bergsteiger der Mount Everest ist", erklärte Kapitän Schatz.
+ "Weiße Lady" Gorch Fock
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Während der Besichtigung der "Weißen Lady" fragte de Maizière den Kapitän sowie die jungen Offizieranwärterinnen und -anwärter nach vielen Details zum Schiff und zur täglichen Arbeit. Die junge Crew hatte gerade zwei stürmische Tage in der Nordsee hinter sich gebracht, die für viele zur ersten Belastungsprobe geworden waren. Kapitän Schatz erklärte: "Es ist sehr hart für die jungen Männer und Frauen. Der Mangel an Privatsphäre, Seekrankheit, Schlafmangel und harte körperliche Arbeit gehen an die Substanz. Wir fordern sie, aber wir überfordern sie nicht. Viele sagen im Nachgang: Ich bin erwachsener geworden."
Trotz der Strapazen der letzten Tage fand der Minister die Crew hochmotiviert vor. "An den Seegang gewöhnt man sich"
, bestätigte ein junger Mann, der schon etwas länger dabei ist. "Und die Seefahrt ist einfach eine tolle Erfahrung."
Eine junge Frau ergänzte: "Auf der Gorch Fock segeln zu dürfen ist auch etwas ganz Besonderes."
De Maizière zeigte sich beeindruckt angesichts der Tatkraft der jungen Leute und ihres Entschlusses, durch diese wirklich harte Schule zu gehen und wünschte Ihnen viel Glück und Mast- und Schotbruch.
- Datum
- 25.08.2010





