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"Bürgergesellschaft in der Krise?"

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble war am 26. Mai 2009 zu Gast auf einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) zum Thema "Bürgergesellschaft in der Krise? Die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland".

Die Tagung in der Katholischen Akademie in Berlin nahm wichtige Aspekte einer künftigen Gestaltung unserer offenen Gesellschaft näher in den Blick.

Nach den einleitenden Worten von Thomas Krüger, Präsident der BpB, betonte Innenminister Schäuble in seinem Diskussionsbeitrag die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements für den Erhalt der Gesellschaft: "Unsere freiheitliche Ordnung braucht diesen Einsatz. Der Staat kann nicht alle Aufgaben übernehmen und wenn er es täte, wäre es das Gegenteil von Freiheit." Zivilgesellschaftliches Engagement bedeute eine Stärkung des freiheitlich-demokratischen Prinzips.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Gewaltbereitschaft  vor allem auch unter Jugendlichen sei eine umfassende Präventionsarbeit unerlässlich: "Wir müssen uns noch intensiver damit beschäftigen, wie wir Menschen davon abhalten können, in Gewalt abzudriften."

Unter dem Titel "Was hält die Gesellschaft zusammen?" trug Prof. Richard Schröder von der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, seine Analyse des Zustands der Bürgergesellschaft vor. Konsens und Gewohnheit seien Bindekräfte einer Gesellschaft. Die zunehmende Beschleunigung fast aller Lebensbereiche führe u. a. zur Entwertung von tradierten Vorstellungen und Werten. Ein Merkmal der offenen Gesellschaft sei ein weiter Toleranzbegriff: "So fördern moderne Gesellschaften Verhalten von Totalverweigerung der Anerkennung gesellschaftlicher Werte, weil sie diesen Strömungen Raum gibt."

Schröder vermisst in der aktuellen Debatte um die vermeintlichen Krisensymptome "die Einforderung elementarer Regeln zivilen Verhaltens." Dieses müsse in den Mittelpunkt der Debatte um zunehmende Gewalt und Extremismus gerückt werden.

Die Umsetzung der eingeforderten Präventionsarbeit fand das Lob beider Podianten. Exemplarisch wurden z. B. das Boxcamp von Lothar Kannenberg und die frühkindliche Prävention im Kindergarten durch das "Papilio"-Projekt genannt.

Schäuble: "Zwar werden wir Gewaltausbrüche und Extremismus nie gänzlich verhindern können, aber wir können Menschen durch Erziehung, Achtung und Anerkennung, durch politische Bildung, durch vorgelebte Toleranz und durch das Bemühen um gute Lebensgrundlagen zu einem verantwortlichen Handeln anregen. Pluralität von Meinungen und Anschauungen dürfen nicht als Gefahr, sondern sollten als Ausgangspunkt für die Suche nach Gemeinsamkeiten betrachtet werden."

 

 

Datum
26.05.2009
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