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Migration und Integration IT und Netzpolitik Rede Gruß­wort des Bun­desin­nen­mi­nis­ters zum Di­gi­ta­len Flücht­lings­gip­fel 2016

Datum
14.06.2016
Ende
14.06.2016
Redner
Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern

Sehr geehrte Damen und Herren,

wer sich ein bisschen für Fotografie interessiert, der kennt vielleicht das World Press Photo des Jahres 2013:

Es zeigt eine dunkle Nachtaufnahme des Strandes von Dschibuti, einer Republik in Ostafrika - einem Knotenpunkt für Migranten etwa aus Eritrea.

An diesem Strand stehen Flüchtlinge, die ein letztes Mal vor ihrem Aufbruch und dem Besteigen eines Bootes auf der Suche nach Handy-Empfang ihre Smartphones in die Luft halten - ihr einziges Gepäckstück. Es ist ein dunkles Bild. Die Belichtung erfolgte ausschließlich durch das Mondlicht und die Display-Beleuchtung der hochgehaltenen Handys. Ein beeindruckendes Foto.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ws ist nicht neu, dass Smartphones auch für die zu uns kommenden Flüchtlinge eine besondere Bedeutung haben:

  • Sie sind ein Stück Heimat,
  • eine Verbindung nach Hause,
  • ein Blick zurück,
  • eine Hilfe auch beim Ankommen.

Das ist die eine Seite - sozusagen die eine Erkenntnis, die uns heute zusammengeführt hat.

Die andere Seite, das ist die Seite der haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Der Staat mit seinen Institutionen vermag viel, aber alles vermag er nicht.

In den vergangenen Monaten war ich in einigen Erstaufnahmeeinrichtungen und Unterkünften. Überall traf ich neben den Flüchtlingen und Asylbewerbern auf engagierte Menschen, die ohne lange zu fragen angepackt und geholfen haben:

  • In der Kleiderkammer,
  • in der Essensausgabe,
  • beim Sortieren von Hemden und Hosen,
  • beim Transporterfahren,
  • als Ärztin oder Pfleger in der medizinischen Erstversorgung,
  • oder als Lehrer - bei der Sprache oder bei der Orientierung im neuen Land.

Auch dabei helfen Smartphones und das Internet:

  • Online-Kalender, die Helferinnen und Helfer in Schichten einteilen, damit nicht alle gleichzeitig kommen.
  • Tabellen in der Cloud, in denen der Bedarf aufgelistet ist, damit nicht das 50. Paar Herrenschuhe gebracht wird, wo Kinderschuhe gebraucht werden.
  • Online-Karten mit Orten, an denen Geflüchtete Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags bekommen.

Es gibt viele Angebote, die es einfacher machen, in Deutschland anzukommen oder hier die Hilfe zu koordinieren: Zum Beispiel haben das BAMF, die Bundesagentur für Arbeit, das Goethe-Institut und der Bayerische Rundfunk haben die App "Ankommen" erstellt, die Flüchtlingen in den ersten Wochen in Deutschland helfen soll.

Dort gibt es Hinweise zum Asylverfahren oder zur Arbeitsaufnahme, aber auch Antworten auf ganz praktische Fragen wie:

  • Wie verhalte ich mich im Verkehr?
  • Wer hilft mir, wenn ich krank werde?
  • Oder: Wo darf man rauchen?

Das sind kleine Tipps, die aber viele Missverständnisse verhindern und den Start in Deutschland erleichtern.

Damit noch mehr Menschen von der App profitieren können, bewerben wir sie stetig - in Aufnahmeeinrichtungen, BAMF-Außenstellen und in Jobcentern.

Es gibt aber auch andere Online-Angebote:

Auf zusammen-für-flüchtlinge.de präsentieren rund 350 soziale Organisationen aus der ganzen Welt ihre Projekte in der Flüchtlingshilfe. Das Bundesinnenministerium fördert dieses Portal - betrieben wird es von der Online-Spendenplattform betterplace.

Betterplace ist ein Ort für engagierte Menschen, an dem sie sich über Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Einsatzes informieren können. Gleichzeitig können Hilfsorganisationen über das Portal ihren Spendenbedarf kommunizieren. Seit Start des Portals letzten Dezember konnten dort bereits rund 1,6 Millionen Euro an Spenden generiert werden.

Seit Mai dieses Jahres ist es möglich, auch Zeitspenden über das Portal zu vermitteln - also kein Geld, sondern Gesellschaft, Zuneigung, praktische Hilfe oder einfach nur ein schönes Gespräch.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es gibt viele andere gute Angebote mehr:

  • Integreat App
  • Welcome-App
  • Refugee-Guide
  • Info-Compass
  • das Willkommensnetz
  • Willkommen in Deutschland
  • helpto
  • Start with a friend
  • oder auch clarat.

Ich will sagen: Wir haben so viele gute Anwendungen. Einige bieten ähnliche Funktionen - andere vielleicht auch die gleichen Funktionen.

Trotz zum Teil großer Investitionen haben wir aber noch nicht überall die Reichweite und Wirkung erzielt, die wir erzielen wollen. Es gibt hier immer noch relativ wenig Kooperationen oder Zusammenschlüsse - an der einen oder anderen Stelle wird das Rad vielleicht auch immer wieder neu erfunden.

Das hat verschiedene Gründe.

  • Staatliche Stellen unterstützen digitale Flüchtlingshilfe.
  • Unternehmen unterstützen digitale Flüchtlingshilfe.
  • Stiftungen unterstützen digitale Flüchtlingshilfe

- aber in der Regel ohne nennenswerte Abstimmung.

Das wollen wir mit dem heutigen Tag ändern. Wir wollen darüber sprechen, wie wir die digitale Flüchtlingshilfe besser zusammen koordinieren können.

Das können ganz viele Dinge sein:

  • Programmierschnittstellen,
  • einheitliche Symbole und Begriffe,
  • aber auch eine bessere Abstimmung unter den Geldgebern, damit wir weniger Parallelstrukturen haben.

Nutzen Sie den heutigen Tag um zu prüfen, ob Sie mit anderen Initiativen zusammenarbeiten können. Die beste Anwendung im Internet nützt nichts, wenn sie nach Veröffentlichung nicht gefunden und deshalb nicht genutzt wird.

Ich will mich bedanken bei dem Programmbeirat von betterplace lab, Initiative D21 und open transfer für die Unterstützung bei der der Planung und Umsetzung der heutigen Veranstaltung.

Ich hoffe, Sie können hier heute ein paar Partnerschaften schmieden.

Das wird zwar ohne meine körperliche Anwesenheit passieren, weil ich gleich den slowakischen Innenminister zu Gesprächen empfangen werde. Ich wollte hier aber persönlich ein paar Worte an Sie richten, weil es ein wichtiges Thema ist und mir die Idee für diesen Digitalen Flüchtlingsgipfel gut gefallen hat.

Unser Land braucht neue Ideen

  • bei der Hilfe für Flüchtlinge,
  • bei der Unterstützung unserer Helfer
  • und überall, wo große Aufgaben erfolgreich bewältigt werden müssen.

Ihnen und uns allen einen spannenden Tag!

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