"Den Fachaustausch von Wissenschaftlern und Experten fördern"
- Anlass
- Internationale Sportentwicklungskonferenz „Sport as a Mediator between Cultures“
- Datum
- 15.09.2011
- Ort
- Israel
- Redner
- Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Frau Ministerin Livnat,
sehr geehrte Frau Generaldirektorin Bokova,
sehr geehrter Herr Botschafter Michaelis,
sehr verehrte Frau Direktorin Pilz-Burstein,
sehr verehrter Herr Lidor,
sehr geehrte Frau Präsidentin Dr. Talbot,
sehr verehrte Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler,
sehr verehrte Damen und Herren,
Es ist für mich eine besondere Freude und Ehre, Sie heute gemeinsam mit Frau Ministerin Livnat zur Eröffnung des Kongresses „Sport as a Mediator between Cultures“ im Wingate Institute begrüßen zu dürfen.
Eine große Freude deshalb, da die Ausrichtung dieses internationalen Kongresses die erste gemeinsame Maßnahme ist, die das israelische Ministerium für Kultur und Sport und das deutsche Bundesministerium des Innern nach Abschluss einer „Gemeinsamen Protokollerklärung zur sportpolitischen Zusammenarbeit“ im November 2010 durchführen. Den freundschaftlichen Worten der Zusammenarbeit sind schnell Taten gefolgt. Und dass die Konferenz an so renommierten Orten wie dem Wingate Institute und dem Zinman College ausgerichtet werden kann, ist uns eine besondere Ehre.
Ich möchte an dieser Stelle auch der Direktorin des Wingate Instituts und dem Leiter des Zinman College danken, dass wir in den Räumen dieser hervorragenden Einrichtungen tagen dürfen.
Motto und Ziel dieser Konferenz wurden nicht zufällig ausgewählt. Beabsichtigt ist, den Fachaustausch von Wissenschaftlern und Experten zu fördern, die im Arbeitsbereich Sport als Mediator für Entwicklung und Frieden besondere Erfahrungen besitzen. Thematische Schwerpunkte bilden daher unter anderem Entwicklungs- und Friedensprogramme sowie Sportprogramme zur Aussöhnung, Kooperation und Integration.
Dass Sport tatsächlich ein wirksamer Mediator zwischen den Kulturen sein und dabei zur Versöhnung beitragen kann, lässt sich in der die deutsch-israelischen Geschichte zeigen. Der Sport hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen. Niemand konnte sich nach den von Deutschen verübten Verbrechen gegen das jüdische Volk vorstellen, dass deutsche und jüdische Sportler sich je wieder gemeinsam im friedlichen Wettstreit begegnen würden. Doch bereits 1957 reiste der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes Willi Daume nach Israel, um Kontakt mit führenden Persönlichkeiten des israelischen Sports aufzunehmen. Die Zeitung „Jüdische Allgemeine“ wies auf ihrer Titelseite darauf hin, dass Daume als erster Deutscher überhaupt zu einem offiziellen Besuch nach Israel eingeladen wurde.
Von da an folgten vielfältige Sportkontakte zwischen deutschen und israelischen Sportverbänden, Zusammenarbeit bei der Trainerausbildung, in der Sportwissenschaft und besonders im Fußball. Zu erwähnen ist dabei die Vorbereitung israelischer Sportler auf die Olympischen Spiele 1972 in Deutschland und deutscher Sportler in Israel, auch wenn über der Erinnerung an diese Spiele die Schatten der schrecklichen Terroraktion gegen die israelische Mannschaft liegen. Die damals entstandenen Sportkontakte bestehen bis heute fort, wobei auch der Jugendaustausch zwischen Deutschland und Israel eine zentrale Rolle spielt.
Heute und in den kommenden zwei Tagen wollen wir uns darüber austauschen, in welchen Bereichen und in welcher Form „Sport as a Mediator between Cultures“ bereits eingesetzt wird, welche Erfahrungen damit gemacht wurden und wie der Einsatz dieses Instruments noch verbessert werden kann. Es freut mich daher sehr, dass Wissenschaftler, Experten und Praktiker aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Bereichen des Sports sich hier treffen, um ihre Erfahrungen auszutauschen.
Bedanken möchte ich mich auch bei der UNESCO-Generaldirektorin, Frau Irina Bokova, die die Ausrichtung dieses Kongresses mit der Übernahme der UNESCO-Schirmherrschaft in besonderer Weise unterstützt.
Aber nicht nur die UNESCO, sondern auch andere Einrichtungen der Vereinten Nationen haben die Förderung und die Nutzung des Sports für das Erreichen ihrer gesetzten Ziele in ihren Programmen festgeschrieben. Eine dieser Einrichtungen ist „The United Nations Office on Sport for Development and Peace“. Herrn Willi Lemke, Special Adviser to the UN Secretary-General on Sport for Development and Peace, danke ich sehr herzlich für seine Teilnahme an diesem Kongress. In seiner Funktion als Vertreter und Förderer dieser Organisation wirbt er für Verständnis und Unterstützung, den Sport als ein Mittel für Entwicklung und Frieden einzusetzen.
Besonderer Dank gebührt aber auch dem Weltrat für Sportwissenschaft mit dem das Bundesministeriums des Innern und das israelische Sportministerium zur Vorbereitung und Durchführung des Kongresses eng zusammengearbeitet haben.
Erlauben Sie mir, abschließend noch einmal auf mein eingangs geschildertes Beispiel vom Aufbau der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zurückzukommen. Dieses Beispiel zeigt, dass Sport in der Tat ein Vermittler, Mediator, ja wenn nicht sogar ein Katalysator für Versöhnung, Vertrauensbildung und Freundschaft sein kann. Dass Deutschland und Israel zu der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit gefunden haben, die unsere Beziehungen bis heute prägt, dafür bin ich sehr dankbar.
Seien wir uns bewusst, dass einerseits der Sport vielerlei Chancen und Hoffnungen in sich trägt. Andererseits dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass gleichermaßen das Risiko besteht, den Sport zu missbrauchen. Die Instrumentalisierung des Sports durch die Politik reicht von legitimer Selbstdarstellung von Staaten und Regierungen bis hin zu ideologischer Inanspruchnahme und offener Propaganda durch totalitäre Systeme. Wirken wir darauf hin, dass unser Handeln für den Sport vom Selbstverständnis der Olympischen Bewegung geleitet wird. Danach sollen sportliche Begegnungen zum Abbau von Vorurteilen, zu gegenseitigem Respekt und zur friedlichen Lösung von Konflikten unter den Völkern beitragen. Der sportliche Wettkampf soll diejenigen in einer universellen Wertegemeinschaft zusammenführen, die sich hinsichtlich ihrer ethnischen Herkunft, Nationalität, Religion, Kultur und politischen Überzeugung unterscheiden. Mir ist bewusst, dass es schwierig ist, diesen hohen, immer wieder beschworenen Anspruch einzulösen.
Die Rolle des Sports bei dem schwierigen Anfang deutsch israelischer Beziehungen sollte uns Hoffnung geben, dass die Einlösung dieses Anspruchs möglich ist.
Daher darf dieser Kongress kein einmaliges Ereignis bleiben, sondern sollte in ein oder zwei Jahren in einem anderen Gastgeberland eine Fortsetzung finden.
Denn friedlich und respektvoll miteinander zu leben ist kein selbstverständlicher Zustand, der sich von alleine einstellt. Es bedarf steter Mühe und Arbeit, diesem Idealzustand nahezukommen, ihn zu leben und aufrechtzuerhalten.
Der Sport in seinen vielfältigen Erscheinungsformen kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Der Sport ist in unserer heutigen Welt international und global. Und in dieser Eigenschaft kann er in der Tat „Brücken bauen“ zwischen verschiedenen Ländern und Weltanschauungen.
Ich wünsche uns allen zwei interessante und informative Kongresstage und eine erfolgreiche Veranstaltung, sowie gute gemeinsame, über das Fachliche hinausgehende, Gespräche.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
