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Span­nungs­feld Geo­in­for­ma­ti­on

Anlass
INTERGEO - Kongress und Fachmesse für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement
Datum
26.09.2011
Ort
Nürnberg
Redner
Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Thöne,
sehr geehrter Herr Dr. Maly,
sehr geehrter Herr Pschierer,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

das Motto der diesjährigen INTERGEO lautet „Wissen und Handeln für die Erde“ - Ein Motto, das uns in allen Lebensbereichen leiten sollte und ein Motto, das insbesondere uns bei der Bereitstellung von Geoinformationen leitet. Der Staat muss eine unabhängige Grundversorgung mit Geoinformationen sichern und den Rahmen für technische und wirtschaftliche Neuerungen schaffen - er ist also sozusagen der Baumeister der Geodateninfrastruktur in der sich Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch die Bürger einbringen können.
Es ist ein zentrales Anliegen unserer Politik, amtliche Geoinformationen in einheitlichen Datenstandards anzubieten und sie nutzerfreundlich im Internet aufzubereiten. Mobilen Anwendungen, die wir aus dem privaten Umfeld schon gewöhnt sind, werden zunehmend auch für amtliche Daten eingefordert. So können wir zum Beispiel unseren Einsatzkräften schnell und verlässlich die nötigen Informationen garantieren.

Die Verfahren, die Geoinformationen bereitstellten, stehen im 21. Jahrhundert zunehmend im Spannungsverhältnis von Qualität, Validität, Relevanz und Effizienz. Trotz stagnierender Budgets müssen Anforderungen durch europäische Vorgaben wie INSPIRE oder GMES erfüllt werden und zugleich auf technische Entwicklungen wie Web 2.0 und auf gesellschaftliche Forderungen nach beispielsweise Open Data Kriterien reagiert werden. Das Geoinformationswesen kann nur dann eine zentrale Rolle für unsere Daseinsvorsorge einnehmen, wenn es Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam gelingt, dieses Spannungsverhältnis sachgerecht und zeitnah aufzulösen. Es ist in der Vergangenheit gelungen die staatliche Grundversorgung mit Geoinformationen sicherzustellen. Der Bürger darf zu Recht erwarten, dass dies so bleibt. Hieran werden wir alle gemeinsam arbeiten.

Die Verwaltung fordere ich auf, diesem Thema mit einer größeren Offenheit zu begegnen und neue Technologien zu allererst als Chance zu begreifen. Gerade eine gezielte Nutzung technischer Innovationen kann Mehrwerte schaffte, Verfahren beschleunigen, Maßnahmen fokussieren und Aufwände reduzieren. Sie kann aber auch Impulse für die Entwicklung neuer und verbesserter Produkte setzen. Wir sind uns bewusst, dass ein Paradigmenwechsel nicht immer bequem ist. Es bedeutet, dass wir uns technischen Herausforderungen stellen, gewohnte Pfade verlassen und neue, teilweise steinige Wege einschlagen müssen. Wo aber ist die Alternative, wenn wir innerhalb Europas, in der Welt nicht den Anschluss verlieren wollen? Und das wollen wir sicher alle gemeinsam nicht.

In Zeiten von Open Government und Open Data werden die Fragen nach Lizenzen und Kosten drängender. Ich verstehe und unterstütze Ihr Anliegen nach einfachen Modellen. Es gibt aber zugleich das Paradoxon, das die innerhalb der Verwaltung kostenfrei bereitgestellten Geodaten nicht entsprechend breit genutzt werden. Dies zeigt, dass sich andere Hürden, wie etwa mangelnde Benutzerfreundlichkeit der Angebote, Heterogenität der Daten sowie der IT, also eine noch unzureichende Ausrichtung auf die Nutzerinteressen sich entscheidend auf das Nutzungsverhalten auswirken. Deshalb setzen wir uns für eine stärkere Zusammenarbeit von Bund, Länder und Kommunen sowie der Wirtschaft ein. Wir wollen den Nutzern Geodaten einfach, schnell und in hoher Qualität zugänglich machen.

Dazu müssen wir Nutzeranforderungen regelmäßig analysieren und mit vorhandenen Daten und Systemen abgleichen. Ein Mittel hierfür sind Bedarfsanalysen. Ein erster Ansatz ist die 2011 webbasiert umgesetzte Geodatenbedarfserhebung bei den Bundesbehörden. Es wurden alle Bundesressorts angeschrieben und nach Ihren Bedarfen befragt. Derzeit läuft die Erhebung, an der sich rund 50 Behörden beteiligen. Diese gilt es mittelfristig weiter auszubauen – in Hinblick auf Länder- und Kommunalbehörden. So schaffen wir eine Grundlage, um das Angebotsportfolio anzupassen, Aufgaben zu priorisieren und auch über make or buy zu entscheiden.

Technische Innovationszyklen sind rasant und von uns nicht nur zu beobachten. Verwaltung muss mit Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammen arbeiten, um neue Analyse- und Auswertungsverfahren zu entwickeln und bestehende weiter zu verbessern. Ein positives Beispiel sind hier die entscheidenden Innovationen in der Fernerkundung. Die teilautomatisierte Kombination verschiedener Geodaten in satellitengestützten Schadens- und Notfallkartierungen befähigt Mitarbeiter des Bevölkerungsschutzes und der Katastrophenhilfe rasch richtige Entscheidungen zu treffen.
Um die Innovationskraft von Geoinformationen aufzuzeigen und Bürgern Teilhabemöglichkeiten zu bieten, hat das BMI den Wettbewerb „Apps für Deutschland“ initiiert. Das gemeinsame Projekt von Verwaltung und Netzgemeinschaft dient der Förderung des Open Data-Vorhabens in Deutschland. Bei dem Wettbewerb werden die besten Internetapplikationen oder mobilen Applikationen, die basierend auf offenen Daten der öffentlichen Hand (Open Data) von den Wettbewerbsteilnehmern entwickelt werden, prämiert.

Zuletzt dürfen wir einen zentralen Aspekt nicht vergessen: Wir müssen weiter intensiv über die Nutzungsmöglichkeiten von Geodaten informieren. Das Wissen über die Potentiale der Geodateninfrastruktur ist in der Gesellschaft bisher noch wenig ausgeprägt. Da rund 80 Prozent aller Entscheidungen einen Raumbezug haben, muss die Geodatennutzung ähnlich wie die IT-Nutzung - für alle einfach und überall anwendbar sein. Dies bedeutet auch, eine allgemeine Geoinformationskompetenz in allen Bereichen zu fördern. Dies geschieht über Aus- und Fortbildungen, aber auch über zentrale einfache Zugriffsmöglichkeiten wie das Geoportal und die zentrale Wissensplattform der GDI-DE. Über die staatlich geförderten Initiativen und Projekte informieren wir im Geofortschrittsbericht, der im nächsten Jahr erscheinen wird.

Die notwendige Wissensvermittlung findet aber auch über andere, ebenso wichtige Kanäle statt - durch Kongresse und Messen wir die INTERGEO. Die INTERGEO ist seit Jahren ein führendes Organ, um Innovationen im Geoinformationsbereich bekannt zu machen und voranzubringen. Seit 1872 die 1. Hauptversammlung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen stattfand, hat sich einiges im Ablauf der Veranstaltung sowie noch viel mehr in den globalen Rahmenbedingungen verändert. Aber das Motto der INTERGEO „Wissen und Handeln für die Erde“ ist zeitlos und ist der grundlegende Leitgedanke nicht nur für die INTERGEO, sondern auch für unser Wirken in allen Bereichen.

Im Namen des Schirmherrn dieser Veranstaltung, dem Bundesminister des Innern Herrn Dr. Friedrich, freue ich mich sehr, Sie als Gäste der INTERGEO begrüßen zu dürfen und wünsche Ihnen eine gelungene Veranstaltung, viele gute Diskussionen und einen intensiven Wissensaustausch. Unterstützen Sie uns, neue innovative Ideen im Spannungsfeld zwischen neuen globalen Herausforderungen und begrenzten Haushaltsmitteln zu finden, um das Geoinformationswesen langfristig voranzubringen und als innovativen Treiber unserer Gesellschaft weiter auszubauen.
Das ist nicht einfach. Wir sind daher gut beraten, wenn wir - Bund, Länder und Kommunen‚ Wirtschaft und Wissenschaft - diesen Weg gemeinsam gehen. Auch hier gilt: gemeinsam sind wir stark.

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