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Asyl und Flüchtlingsschutz Migration und Integration Pressemitteilung 10.01.2014 An­zahl der Asyl­be­wer­ber im Jahr 2013: Höchs­ter Stand seit 14 Jah­ren

Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um etwa 64 Prozent.

Im Jahr 2013 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt 127.023 Asylanträge gestellt, 49.372 mehr als im Vorjahr. Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um etwa 64 Prozent. Darunter waren 109.580 Asylerstanträge, 45.041 mehr als im Jahr 2012 (+70 Prozent). Auch die Zahl der Asylfolgeanträge lag 2013 mit 17.443 um 4.331 höher als im Jahr 2012 (+33 Prozent).

Die erneut deutliche Steigerung der Zahl der Asylbewerber basiert zum einen auf dem vermehrten Zugang aus fast allen der zehn Hauptherkunftsländer, hier insbesondere aus der Russischen Föderation, Syrien, Somalia, Eritrea sowie Serbien und Mazedonien. Darüber hinaus ist aber auch - noch stärker als in den Vorjahren - ein genereller Trend steigender Asylzahlen zu beobachten. Mehr als 40.000 Asylbewerber kamen im Jahr 2013 aus Regionen, die nicht zu den zehn Hauptherkunftsstaaten gehören. 2012 waren es noch weniger als 20.000.

Allein 37.000 aller Asylbewerber des Jahres 2013, darunter zu einem Drittel Folgeantragsteller, kamen aus einem Nachfolgestaat des ehemaligen Jugoslawien. Wie schon in den Vorjahren war vor allem die zweite Jahreshälfte 2013 von einem deutlichen Asylbewerberanstieg aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina geprägt. In aller Regel wurden diese Asylanträge abgelehnt oder die Asylverfahren eingestellt.

Insgesamt 10.915 Personen erhielten im Jahr 2013 die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Konvention (13,5 Prozent aller Asylbewerber). Zudem erhielten 9.213 Personen (11,4 Prozent) sogenannten "subsidiären Schutz" (Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 Aufenthaltsgesetz), darunter 5.795 Syrer.

Zu der Entwicklung der Asylbewerberzahlen erklärt Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière:

"Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Asylanträge im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich um mehr als 60 Prozent angestiegen. Höhere Zahlen waren zuletzt im Jahr 1999 zu verzeichnen. Im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedsstaaten weist Deutschland im Jahr 2013 mit deutlichem Abstand die höchsten Asylbewerberzahlen auf. Die insgesamt fast 130.000 Asylbewerber angemessen unterzubringen, war für die Länder und Kommunen nicht immer einfach, insbesondere wenn man sich verdeutlicht, dass allein im Jahr 2013 mehr Asylbewerber kamen als in den Jahren 2006 bis 2009 zusammen. Vor dem Hintergrund der erheblich gestiegenen Zugangszahlen ist es unser Anliegen, die Bearbeitungsdauer der Asylverfahren zu verkürzen. Wir brauchen schneller Klarheit darüber, wer tatsächlich schutzbedürftig ist und wer nicht, zumal nur knapp 14 Prozent der Anträge anerkannt wurden. Das dient dem Interesse der wirklich Schutzbedürftigen.

Trotz der durch die gestiegenen Asylbewerberzahlen größer werdenden Herausforderungen wird Deutschland seinen humanitären Pflichten auch zukünftig in vollem Maße nachkommen.

So wurde z.B. im Dezember 2013 entschieden, neben der derzeit laufenden Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen weitere 5.000 besonders schutzbedürftige Syrer aus der Krisenregion in Deutschland aufzunehmen. Derzeit wird gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und den Bundesländern ein Verfahren erarbeitet, um die Aufnahme der Flüchtlinge zu beschleunigen. Ich werde zudem in der Europäischen Union dafür werben, dem deutschen Beispiel zu folgen und vermehrt syrischen Flüchtlingen Schutz durch Aufnahme zu gewähren.

Asylrecht und Flüchtlingsschutz sind Auftrag des Grundgesetzes und Teil unserer internationalen Verantwortung, aber kein Instrument der Zuwanderungspolitik. Wir brauchen die Kraft zur Unterscheidung und Differenzierung, um die Bürgerinnen und Bürger noch mehr für kluge Zuwanderung zu gewinnen."

Die Zahlen im Einzelnen:

I. Gesamtes Jahr 2013

In der Zeit von Januar bis Dezember 2013 haben insgesamt 127.023 Personen in Deutschland Asyl beantragt. Davon waren 109.580 Erstantragsteller und 17.443 Folgeantragsteller. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr (77.651 Asylanträge, davon 64.539 Erstanträge und 13.112 Folgeanträge) bedeutet dies eine Steigerung um 49.372 Personen und damit um 63,6 Prozent (Erstanträge: +45.041 Personen und +69,8 Prozent, Folgeanträge: +4.331 Personen und +33,0 Prozent).

Die Monatsentwicklung verlief im Vergleich zum Vorjahr wie folgt:

 2012Erstanträge2013Erstanträge
Jahr77.65164.539127.023109.580
Januar5.3744.5648.1867.332
Februar4.5883.8046.6365.806
März4.3423.6026.2955.579
April3.9533.1818.5577.541
Mai4.1993.4258.3587.477
Juni4.6613.9019.5108.408
Juli5.3804.49811.0639.516
August6.5295.23911.1779.502
September8.4836.69113.75211.461
Oktober12.1879.95015.25112.940
November9.9868.84914.14712.130
Dezember5.5834.88011.0289.218

(Durch nachträgliche Berichtigungen weichen die Gesamt-Jahreszahlen von den Additionen der Monatszahlen ab)

Die Hauptherkunftsländer 2013 waren (mit Vergleichszahlen 2012):

  Asylanträge (Erst- und Folgeanträge)  Veränderungen
  2012 2013in %absolut
Gesamt77.651127.02363,649.372
1.Serbien12.81218.00140,55.189
2.Russ. Föderation3.41515.473353,112.058
3.Syrien7.93012.86362,24.933
4.Mazedonien6.8899.41836,72.529
5.Afghanistan7.8388.2405,1402
6.Bosnien-Herzegowina2.3714.847104,42.476
7.Kosovo2.5354.42374,51.888
8.Iran4.7284.7771,049
9.Pakistan3.5534.24819,6695
10.Irak5.6744.196-26,0-1.478
Bezogen auf Erstanträge  Veränderungen
  2012 2013in %absolut
Gesamt64.539109.58069,845.041
1.Russ. Föderation3.20214.887364,911.685
2.Syrien6.20111.85191,15.650
3.Serbien8.47711.45935,22.982
4.Afghanistan7.4987.7353,2237
5.Mazedonien4.5466.20836,61.662
6.Iran4.3484.4241,776
7.Pakistan3.4124.10120,2689
8.Irak5.3523.958-26,0-1.394
9.Somalia1.2433.786204,62.543
10.Eritrea6503.616456,32.966
 Bezogen auf Folgeanträge  Veränderungen
  2012 2013in %absolut
Gesamt13.11217.44333,04.331
1.Serbien4.3356.54250,92.207
2.Mazedonien2.3433.21037,0867
3.Bosnien-Herzegowina3461.524340,51.178
4.Kosovo6291.02963,6400
5.Syrien1.7291.012-41,5-717
6.Russ. Föderation213586175,1373
7.Afghanistan34050548,5165
8.Iran380353-7,1-27
9.Türkei302247-18,2-55
10.Irak322238-26,1-84

Der Anteil der Asylfolgeanträge an allen Asylanträgen lag damit bei 13,7 Prozent. Im Jahr 2012 hatte der Anteil der Folgeanträge bei 16,9 Prozent und 2011 bei 14,3 Prozent gelegen.

Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2013 hat das Bundesamt 80.978 Entscheidungen (Vorjahr: 61.826) getroffen.

Insgesamt 10.915 Personen (13,5 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 919 Personen (1,1 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 9.996 Personen (12,4 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i.V.m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Dies ergibt bei entsprechender Aufschlüsselung nach Hauptherkunftsländern (in Prozent):

Flüchtlingsanerkennungendavon
 asylberechtigt Flüchtlingsschutz
Gesamt 13,51,112,4
Serbien0,00,00,0
Russ. Föderation1,30,21,1
Syrien31,53,727,8
Mazedonien0,10,00,1
Afghanistan21,00,920,1
Bosnien-Herzegowina0,00,00,0
Kosovo0,00,00,0
Iran52,87,545,3
Pakistan32,91,231,7
Irak50,20,250,0

Darüber hinaus hat das Bundesamt von Januar bis Dezember 2013 bei 9.213 Personen (11,4 Prozent) Abschiebungsverbote gemäß § 60 Abs. 2, 3, 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes (sog. subsidiärer Schutz) festgestellt, z.B. weil im Herkunftsland die Todesstrafe, die Folter oder eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder eine erhebliche Gefahr für Leib, Leben oder persönliche Freiheit konkret droht. Dies ergibt bei entsprechender Aufschlüsselung nach Hauptherkunftsländern (in Prozent):

Abschiebungsverbote Gesamt 11,4
Serbien0,2
Russ. Föderation0,9
Syrien62,8
Mazedonien0,2
Afghanistan26,9
Bosnien-Herzegowina0,5
Kosovo1,2
Iran2,7
Pakistan1,0
Irak18,4

Das Bundesamt hat im Jahr 2013 die Anträge von 31.145 Personen (38,5 Prozent) abgelehnt. Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 29.705 Personen (36,7 Prozent).

Die Zahl der Personen, über deren Anträge noch nicht entschieden wurde, betrug Ende Dezember 2013 95.743 (86.694 Erstanträge und 9.049 Folgeverfahren).

Entwicklung der Asylbewerberzahlen der Hauptherkunftsländer:

Im Jahr 2013 stieg die Zahl der Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) gegenüber dem Vorjahr bei neun der zehn Hauptherkunftsländer insgesamt deutlich an, und zwar zwischen einem Prozent (Iran) und 353 Prozent (Russische Föderation). Nur beim Herkunftsland Irak gab es einen Rückgang um 26 Prozent.
Etwa 38 Prozent der Erst- und Folgeanträge des Jahres 2013 wurden im ersten Halbjahr gestellt, 62 Prozent im zweiten Halbjahr.

Stärkstes Herkunftsland im Jahr 2013 bei allen Asylanträgen war - wie schon im Vorjahr - Serbien. Der Asylbewerberzugang stieg von 12.812 Erst- und Folgeanträgen im Jahr 2012 auf nunmehr 18.001, davon mehr als 90 Prozent Roma. Dabei gab es mit 6.542 auch die meisten Folgeanträge aller Herkunftsstaaten. Aufgrund regelmäßig nicht vorliegender Asylgründe lag der Anteil der Flüchtlingsanerkennungen an den Entscheidungen zu serbischen Asylanträgen bei null Prozent.

Auf Platz 2 der Hauptherkunftsländer im Jahr 2013 lag die Russische Föderation mit 15.473 Asylanträgen (Vorjahr: 3.415 Erst- und Folgeanträge). Es wurden mit 14.887 die meisten Erstanträge aller Herkunftsstaaten gestellt. Der verstärkte Asylzugang begann bereits im Herbst 2012 und erreichte im Monat Mai 2013 mit 2.538 Asylerst- und Folgeanträgen seinen Höhepunkt. Seitdem gehen die Asylzahlen deutlich zurück. Fast 90 Prozent der Asylbewerber aus der Russischen Föderation gehören nach eigenen Angaben der tschetschenischen Volkszugehörigkeit an.

Syrien lag auf Platz 3 der Hauptherkunftsländer. 2013 wurden 12.863 Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) von Syrern gestellt. 2012 waren es 7.930 und 2011 3.436 Asylanträge. Da fast alle syrischen Asylanträge zu einer positiven Entscheidung führten, hat Deutschland somit bisher allein im Rahmen des Asylverfahrens mehr als 24.000 Menschen einen Schutz vor dem Bürgerkrieg in Syrien gewährt.

9.418 Mazedonier reisten 2013 nach Deutschland ein, um einen Asylantrag zu stellen, darunter mehr als 3.200 als Asylfolgeantrag. Bereits im Jahr 2012 waren es mehr als 4.500 Folgeanträge. Eine Flüchtlingsanerkennung erfolgt im Regelfall nicht, da die Voraussetzungen dafür jeweils nicht vorhanden waren. 76 Prozent der Antragsteller gaben als Volkszugehörigkeit "Roma" an.

II. Aktueller Monat

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben im Dezember 2013 9.218 Personen (Vormonat: 12.130 Personen) erstmals Asyl beantragt.
Damit ist die Zahl der erstmaligen Asylbewerber gegenüber dem Vorjahresmonat um 4.338 Personen (88,9 Prozent) gestiegen und gegenüber dem Vormonat um 2.912 Personen (-24,0 Prozent) gesunken.
Hauptherkunftsländer im Dezember 2013 nach Erstanträgen waren:

                                                               Zum Vergleich
  OktoberNovemberDezember
 1.Serbien1.5531.7691.613
 2.Syrien1.6291.461971
 3.Eritrea691891662
 4.Afghanistan652775641
 5.Mazedonien999932570
 6.Russ. Föderation488453375
 7.Somalia520583375
 8.Bosnien-Herzegowina568493349
 9.Kosovo406359304
10.Albanien169246280

Im Dezember 2013 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge neben den 9.218 Erstanträgen zudem 1.810 Asylfolgeanträge gestellt (zum Vergleich: Im Dezember 2012 waren es 4.880 Erst- und 703 Folgeanträge). Damit wurden im Dezember 2013 insgesamt 11.028 Asylanträge gezählt, 5.445 mehr als im Dezember 2012 (Steigerung um 97,5 Prozent). Hauptherkunftsländer bei den Folgeanträgen waren Serbien (803), Mazedonien (205) und Bosnien-Herzegowina (164). Der Anteil der Asylfolgeanträge an allen Asylanträgen lag damit im Dezember 2013 bei 16,4 Prozent.

Im Dezember 2013 hat das Bundesamt über die Anträge von 6.170 Personen (Vormonat: 9.972) entschieden. Insgesamt 676 Personen (11,0 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. August 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt. Darunter waren 73 Personen (1,2 Prozent), die als Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes anerkannt wurden, sowie 603 Personen (9,8 Prozent), die Flüchtlingsschutz nach § 3 des Asylverfahrensgesetzes i. V. m. § 60 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes erhielten.

Darüber hinaus wurde im Dezember 2013 bei 605 Personen (9,8 Prozent) subsidiären Schutz nach § 4 AsylVfG oder Abschiebungsverbote nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 AufenthG festgestellt.

Das Bundesamt hat die Anträge von 2.334 Personen (37,8 Prozent) abgelehnt. Anderweitig erledigt (z.B. durch Verfahrenseinstellungen wegen Rücknahme des Asylantrages) wurden die Anträge von 2.555 Personen (41,4 Prozent).

Hinweis: Seit dem 1. Dezember 2013 wird der subsidiäre Schutz nicht mehr im Aufenthaltsgesetz, sondern in § 4 des Asylverfahrensgesetzes geregelt (Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2011/95/EU vom 28. August 2013, BGBl. I S. 3474). Die Zuerkennung subsidiären Schutzes nach § 4 AsylVfG und die Feststellung eines Abschiebungsverbotes nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 AufenthG werden gleichwohl erst beginnend mit der Statistik für den Monat Januar 2014 getrennt ausgewiesen, um eine Vergleichbarkeit innerhalb der Kalenderjahre zu wahren.

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