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Sicherheit Extremismusbekämpfung Nachricht 05.05.2017 "Die­se Ar­beit ver­langt höchs­ten Re­spekt."

Bundesinnenminister würdigt fünfjähriges Bestehen der Beratungsstelle Radikalisierung

An wen kann ich mich wenden, wenn ich befürchte, dass sich mein Kind dem Islamismus zuwendet? Wann besteht Anlass zur Sorge, dass sich mein Kind radikalisiert? Was kann ich selbst tun?

Diese und andere Fragen haben die Mitarbeiter der Beratungsstelle Radikalisierung in den vergangenen fünf Jahren sehr häufig gehört und beantwortet.
Mehr als 3400 Anrufe wurden von den Beratern im BAMF seit dem Start im Januar 2012 entgegengenommen. In etwa der Hälfte der Fälle haben die Ratsuchenden eine ausführliche und professionelle Beratung durch die zivilgesellschaftlichen Partner vor Ort in Anspruch genommen. Zeit, eine Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Fünf Jahre Beratungsstelle Radikalisierung

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens hat Bundesinnenminister de Maizière die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle im BAMF und die zivilgesellschaftlichen Partner der ersten Stunde ins BMI eingeladen.

In einem Gespräch mit dem Minister haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihren Erfahrungen und den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen berichtet. Dazu gehören vor allem die Fälle, in denen die Radikalisierung schon weit vorangeschritten ist und unter Umständen sogar eine Gefahr von den Betroffenen ausgeht. Gerade in solchen Konstellationen arbeiten die Berater eng und vertrauensvoll mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Hinzu kommen immer häufiger Fälle, wo die Betroffenen noch sehr jung sind. Hier ist besondere Sensibilität notwendig.

Der Minister dankte den Beratern, für ihren unermüdlichen und professionellen Einsatz und ihr hohes persönliches Engagement. Die Berater leisten eine wichtige und notwendige Arbeit. In oft schwierigen Situationen müssen sie einen Beratungsauftrag erfüllen, der von Radikalsierung wegführt. "Diese Arbeit verlangt höchsten Respekt. Ich habe ihn jedenfalls", so de Maizière.

Beratung, die ankommt

Die Beratungsstelle Radikalisierung wurde im Januar 2012 auf Initiative des BMI im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als Modellprojekt eingerichtet.

Schema zum Ablauf der Beratung (Quelle: BAMF)Bild vergrößern Ablauf der Beratung

Die Hotline dient als erste Anlaufstelle, an die sich Familienangehörige und das soziale Umfeld wenden können, wenn sie die Radikalisierung einer ihnen nahestehenden Person befürchten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworten Fragen der Ratsuchenden zum Thema Islamismus und Radikalisierung und geben eine erste Einschätzung und Beratung. Bei Bedarf wird eine individuelle persönliche Unterstützung durch zivilgesellschaftliche Experten vor Ort angeboten.

Ziel ist es, die Beziehung zwischen den Angehörigen und den radikalisierten Jugendlichen wieder aufzubauen und zu stärken, um so eine weitere Radikalisierung zu verhindern und im Idealfall eine Deradikalisierung anzustoßen.

"Wir nennen ja oft Fälle, wo ein Anschlag verhindert worden ist und das ist für die Sicherheitsbehörden ein großer Erfolg. Diese Arbeit, um die es hier geht, hat vermutlich viel mehr Anschläge verhindert, ohne dass man eine Zahl nennen könnte", betonte der Minister.

Hervorhebung mit Downloads

Glaube oder Extremismus?

Deckblatt der Broschüre

Die Broschüre "Glaube oder Extremismus" informiert Sie über das Angebot der Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

(32 Seiten, 4. Auflage, Stand: April 2016)

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Familienbande stärken – gegen Radikalisierung

Claudia Dantschke, Beratungsstelle "HAYAT", Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und Vera Dittmar, Beratungsstelle "Violence Prevention Network e. V." bei der gemeinsamen PressekonferenzBild vergrößern

Die Familie sei häufig einer der letzten sozialen Bezugspunkte und Kontakte außerhalb der Szene. Diese Beziehung spiele eine wichtige Rolle, um eine Deradikalsierung anzustoßen, erklärte die Beraterin Claudia Dantschke von der Beratungsstelle Hayat des Zentrums demokratische Kultur bei der anschließenden Pressekonferenz. Gleichzeitig warnte sie davor, den Familien die Schuld an der Radikalisierung zu geben. "Es könnte faktisch jede Familie treffen in Deutschland", so Dantschke.

Dass dieser Ansatz wirkt, bestätigen die Berichte der Ratsuchenden häufig. Schon das Gefühl mit dem Problem nicht allein zu sein, ist für viele Eltern und andere Angehörige eine wertvolle Hilfe.

Dr. Vera Dittmar vom Beratungsnetzwerk Grenzgänger des Verein IFAK e.V. ermunterte alle diejenigen, die sich Sorgen machen, sich im Zweifel an die Beratungsstelle zu wenden: "Bitte melden Sie sich einfach bei der Hotline des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Im Beratungsgespräch werden sie von professionellen Beraterinnen und Beratern gewissenhaft beraten - bei Bedarf auch anonym."

Von der Beratungsstelle zum Beratungsnetzwerk

Gestartet ist das Projekt mit vier zivilgesellschaftliche Träger: dem Zentrum Demokratische Kultur gGmbH (ZDK), dem Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe e.V. (IFAK), dem Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit e.V. (VAJA) und dem Verein Violence Prevention Network (VPN). Diese werden vom BMI gefördert.

"Die Einrichtung einer Hotline, bei der Beratung angeboten wird, um Radikalsierung entgegenzuwirken, war ein kleiner aber wichtiger Anfang. Um diese Beratungstelle herum, hat sich gefördert durch den Bund ein Netzwerk ergeben und viele Bundesländer haben inzwischen ähnliche Beratungsstrukturen aufgebaut, sodass wir von einem Präventionsnetzwerk in Deutschland sprechen können", erklärte de Maizière.

Aufgrund der guten Erfahrung und der hohen Nachfrage haben die Länder Mitte 2014 begonnen, ebenfalls Beratungsstellen einzurichten und zu finanzieren. Diese arbeiten eng mit der BAMF Beratungsstelle zusammen, nutzen die Hotline und die Infrastruktur. Inzwischen fasst das Netzwerk bundesweit rund 60 Beraterinnen und Berater.

Neues Beratungsangebot für Flüchtlinge

Die Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass gerade im Umfeld von Flüchtlingen der Beratungsbedarf groß ist. Deshalb startet das BMI diesen Monat zusammen mit der BAMF Beratungsstelle Radikalisierung ein neues Projekt, um Flüchtlinge und deren Umfeld noch gezielter beraten und unterstützen zu können. Hierzu stellt das BMI rund 650.000 Euro Fördergelder zur Verfügung.

"Ich glaube, dass die Beratungsarbeit, die von diesen Beratern durchgeführt wird in die Zivilgesellschaft hinein, ein unetbehrlicher und wichtiger Beitrag ist für mehr Sicherheit in Deutschland und für einen besseren Zusammenhalt unseres Landes", begründete der Minister.

Zivilgesellschaftliches und staatliches Engagement gegen islamistischen Extremismus

Mit der Beratungsstelle Radikalisierung hat das BMI ein bundesweites Grundangebot für Ratsuchende zum Thema Islamismus und Radikalisierung geschaffen. Diese bietet nicht nur die nötige Infrastruktur, sondern auch eine bundesweite Plattform zum Informations- und Erfahrungsaustausch sowohl zwischen den zivilgesellschaftlichen Trägern als auch zwischen den Ländern.

Bereits gestern haben sich die staatlichen Akteure aus Bund und Ländern im BMI getroffen, um sich zu Maßnahmen gegen islamistische Radikalisierung auszutauschen. Im Vordergrund standen aktuelle Programme und Projekte sowie deren Weiterentwicklung.

"Prävention ist - und das ist eine gemeinsame Position der Innenminister in Deutschland und auch in der europäischen Union - genauso wichtig wie Repression im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Prävention ist sehr schwierig. Prävention ist nicht so sichtbar, Prävention hat Erfolge und Misserfolge, aber ohne Prävention wird der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht gelingen", so der Minister.

Weitere Informationen zur Beratungsarbeit sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen erhalten Sie auf der Website des BAMF.

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