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Migration und Integration IT und Netzpolitik Nachricht 15.06.2016 Di­gi­ta­ler Flücht­lings­gip­fel 2016

Bundesinnenminister wirbt für mehr Kooperationen und Zusammenschlüsse bei digitalen Angeboten zur Flüchtlingshilfe

Von der Ankommen-App bis zur webbasierten Arbeits- und Wohnungsvermittlung sind im letzten Jahr zahlreiche Angebote der digitalen Flüchtlingshilfe entstanden. Um diese Angebote durch ein "Mehr" an Koordination und Zusammenarbeit zu stärken, hat das Bundesministerium des Innern mit seinen Programmpartnern betterplace lab, Initiative D21 und Open Transfer am 14. Juni 2016 zum Digitalen Flüchtlingsgipfel geladen.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière (Quelle: Henning Schacht)Bild vergrößern

In einem Grußwort, das der Bundesminister des Innern Dr. Thomas de Maizière an die rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Gipfels richtete, lobte er die beeindruckenden Vielfalt an digitalen Angeboten, betonte jedoch zugleich, dass es in der Flüchtlingshilfe so manches Mal an Abstimmung und dem Seitenblick, welche Angebote denn bereits existieren, mangele.

Joana Breidenbach vom betterplace lab machte in ihrem Redebeitrag für den Programmbeirat darauf aufmerksam, dass es durch den Flüchtlingszuzug in Deutschland einen regelrechten Innovationsschub an der Schnittstelle von digitalem und sozialem Engagement gegeben habe. Gleichzeitig bestünde aber die Gefahr, dass Teile dieser neuen Infrastruktur kollabierten, wenn nicht eine wirksame und nachhaltige Finanzierung der Initiativen gelänge.

Viel Zuspruch erhielt auch der Input von Birgit Radow, der stellv. Generalsekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftung. Sie machte deutlich, dass es "vor Ort" zahlreiche hervorragende Ideen für die Unterstützung von Geflüchteten entstanden seien, davon aber schlicht zu wenig Leute erfahren würden. Das Ergebnis: Parallelstrukturen und verschwendete Ressourcen.

Es brauche daher einen systematischen Wissens- und Projekttransfer: "Wir müssen konkret wissen, was wirkt, worauf man bei der Umsetzung achten muss, wo man Hilfe bekommt." Dazu gehöre auch der Mut, zu benennen, was nicht wirkt und sich dann von diesem Engagement zu verabschieden, so Radow weiter.

Mehr Inseln miteinander verbinden

Podiumsdiskussion u.a. mit dem syrischen YouTuber Firas Alshater (Mitte) (Quelle: Henning Schacht)Bild vergrößern

Der Einschätzung ihrer Vorredner folgten auch die Protagonisten der anschließenden Podiumsdiskussion. Neben Hans-Georg Engelke (Staatssekretär im Bundesinnenministerium), Susanne Poelchau (Bayerischer Rundfunk) und Marc Reinhardt (D21) zählte dazu auch der syrische YouTuber Firas Alshater.

Einigkeit herrschte vor allem darüber, dass man mehr miteinander kommunizieren müsse: die Engagierten mit den Geflüchteten, die etablierten Verbände mit den jungen Start-ups, Politik und Verwaltung mit Initiativen. Kommunikation, die derzeit lediglich auf einzelnen "Inseln" stattfände, müsse sich öffnen, Zugänge müssten geschaffen werden. Auf diese Weise könne auch Vertrauen zwischen den Akteuren entstehen.

Die Aufnahme und Integration von Geflüchteten wurde auch von Hans-Georg Engelke als Chance beschrieben, bestehende Standards und Vorschriften auf den Prüfstand zu stellen. Das ganze Land könne geschmeidiger und agiler werden – wenn man das "jetzige Fenster" zu nutzen wisse, so der BMI-Staatssekretär.

Das Barcamp

Barcamp-Session beim Digitalen Flüchtlingsgipfel 2016 (Quelle: Henning Schacht)Bild vergrößern

Der Nachmittag fand in einem komplett anderen Format statt: einem Barcamp, manchmal auch "Unkonferenz" genannt. 25 Sessionvorschläge kamen zusammen. Die Bandbreite der Themen reichte von der Wirkungsmessung und von Finanzierungsinstrumenten über Unternehmensengagement, Casual Volunteering bis hin zur Usability von Deutschlern-Apps und der erfolgreichen Skalierung von Flüchtlingsprojekten.

Hervorhebung mit Text oder Bild

Wie funktioniert ein Barcamp?

Ein Barcamp ist ein offenes Veranstaltungsformat, bei dem die Teilnehmenden selbst für das Programm des Camps verantwortlich sind. Das Barcamp kann somit nur abbilden, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbringen. Es gibt keine Vorfestlegungen und keine festen Rednerinnen und Redner.

Wie geht es weiter?

Schon zu Beginn der Konferenz war allen Beteiligten klar: der Digitale Flüchtlingsgipfel 2016 kann nur der Anfang eines längeren Prozesses sein. In mehreren Barcamp-Sessions verabredeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so auch zu weiteren gemeinsamen Treffen. In den Pausen der Veranstaltung wechselten hunderte Visitenkarten ihre Besitzer.

Überdies wird am 2. August 2016 eine Lenkungsgruppe für interessierte Teilnehmende am Flüchtlingsgipfel einen Hang-out veranstalten. Dort werden dann konkrete Angebote gemacht, wie die weitere Vernetzung aussehen und wie man an spezifischen Themen weiterarbeiten kann – digital wie auch analog.

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