Migration und Integration Integration Nachricht 03.09.2012 Minister besucht Pilotprojekt für Integration "Mikrokosmos Gartenstadt Atlantic"
+ Friedrich im Gespräch mit Teilnehmern und Leitern des Projekts
Quelle: BMI
Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich hat am 4. September 2012 das Integrationsprojekt besucht und mit Teilnehmern und Leitern des Projekts über erfolgreiche Entwicklungen in der Gartenstadt gesprochen.
Das Wohngebiet der "Gartenstadt Atlantic" am Gesundbrunnen war noch vor weniger als zehn Jahren ein sozialer-ethnischer Brennpunkt. Heute ist das deutsch-türkisch-jüdische Projekt ein Vorzeigeprojekt unter anderem für Prävention von Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, sowie für Unterstützung kultureller Bildung.
"Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sind sie sind. Indem wir auf andere zugehen, können wir die Gesellschaft stärken"
, hob der Minister in Bezug auf das Projekt hervor. Der Minister lobte die beispielhafte Arbeit der Bürgerinnen und Bürger für ihr direktes Umfeld.
Renovierung der "Gartenstadt"
Die Wohnungen der Gartenstadt, in denen 1.200 Menschen leben, wurden in den Jahren 2000-2005 renoviert und ihre Eigentümer gründeten die Lichtburg-Stiftung. Gemeinsam mit der Vodaphone Stitung wurden Lernwerkstätten errichtet, medizinische Dienstleister etabliert und so Bildung, Kultur und Lebensstandard im Viertel gefördert.
Lernwerkstätte Musik und Theater
Im Erdgeschoss der Gartenstadt sind mehrere Werkstätte eingerichtet worden. Eine davon ist das klingende Museum, das Dr. Friedrich besuchte. Dort können Kinder aus dem Viertel klassische Musikinstrumente ausprobieren. "Durch gemeinsames Musizieren lernen die Kinder einander zuzuhören"
, erklärt Werkstattleiter René Gruschinski dem Minister. Kognitive Fähigkeiten, die für die Schule wichtig sind, werden hier gefördert. Es soll ein nachhaltiges Interesse für Musik geweckt werden. So soll den Kindern ein alternatives Ventil für Gewalt gegeben werden. "Wir haben schon erlebt, dass Lehrer uns gesagt haben, dass wir auf ein Problemkind besonders aufpassen sollen und gerade dieses Kind von einem Musikinstrument so sehr fasziniert war, dass es ganz ruhig und konzentriert war."
+ Friedrich besuchte auch die Lernwerkstatt Physik
Quelle: BMI
In einer weiteren Lernwerkstatt für Theater werden soziale Konflikte aufgearbeitet. Hochkultur wird hier mit Kiezkultur verbunden, indem klassische Theaterstücke neu interpretiert werden. "Kulturelle Selbstverteidigung" bedeutet im Theater zu erarbeiten, wie ein Streit gelöst werden kann und zum Beispiel den jungen Frauen eine Stimme zu geben.
Das Projekt wird sehr gut angenommen, viele Kinder kommen regelmäßig in die Lernwerkstätten. 25.000 Jugendliche werden pro Jahr erreicht. Es kommen 7.000 Klassen pro Jahr in die Werkstätte, viele Kinder und Jugendliche kommen später noch einmal mit ihren Familien zu Besuch.
Die privat finanzierten sozialen Wohnanlagen der Gartenstadt Atlantic wurden in den 1920er Jahren erbaut und war ein Anziehungspunkt mit dem Großkino Lichtburg, Tanzsälen und einer Kegelbahn.
1939 enteigneten die Nationalsozialisten den jüdischen Eigentümer der Gartenstadt, Karl Wolffsohn. Im zweiten Weltkrieg wurden Teile der Wohnanlage zerstört. Durch die Teilung der Stadt lag die Gartenstadt Atlantic direkt an der Sektorengrenze auf der Westseite und war isoliert.
Dies war Nährboden für soziale Konflikte, Gewalt und Kriminalität. Jugendarbeitslosigkeit und mangelnde Bildung waren große Probleme.
Nach 1945 und zwölf langen Prozessjahren wurde die Gartenstadt Atlantic den Erben des ursprünglichen Eigentümers, Michael Wolffsohn und seine Ehefrau Rita Wolffsohn, zurückgegeben. Diese gründeten die Lichtburg Stiftung und engagierten sich gemeinsam mit der Vodaphone Stiftung für soziale Projekte im Stadtviertel.





