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Sicherheit Extremismusbekämpfung Nachricht 04.09.2012 Kam­pa­gne der Be­ra­tungs­stel­le Ra­di­ka­li­sie­rung ge­star­tet

Um der islamistischen Radikalisierung von Jugendlichen entgegen zu wirken, hat das Bundeministerium des Innern die "Initiative Sicherheitspartnerschaft" ins Leben gerufen und für besorgte Angehörige und Freunde eine Beratungsstelle eingerichtet.

Um der islamistischen Radikalisierung von Jugendlichen entgegen zu wirken, hat das Bundeministerium des Innern die "Initiative Sicherheitspartnerschaft" ins Leben gerufen.

Beratungsstelle Radikalisierung

Als ein Ergebnis der Sicherheitspartnerschaft wurde bereits zum 1. Januar 2012 als Reaktion auf den dringenden Bedarf an Beratungsangeboten für Angehörige sich radikalisierender junger Muslime der von Sicherheitsbehörden, Schulen, Beratungseinrichtungen freier Träger sowie Betroffenen selbst geschildert wird, für besorgte Angehörige und Freunde beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine Beratungsstelle Radikalisierung eingerichtet. Seither wird das Angebot kontinuierlich ausgebaut.

Die Beratungsstelle ist unter der Rufnummer 0911/9434343 oder unter der E-Mail-Adresse beratung@bamf.bund.de zu erreichen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesamts beantworten als eine erste Anlaufstelle häufige Fragen und halten weitere Informationsangebote zum Thema Islamismus und Radikalisierung bereit. Darüber hinaus stehen in Kooperation mit dem Bundesamt erfahrene zivilgesellschaftliche Partner mit speziell entwickelten Hilfsangeboten für eine persönliche Beratung und Betreuung zur Verfügung.

Kampagne zur Bekanntmachung der Beratungsstelle

Das Angebot der Beratungsstelle Radikalisierung soll durch eine Kampagne bundesweit – insbesondere auch bei der muslimischen Bevölkerung – bekannter gemacht werden. Die Kampagne wird in den drei Sprachen Deutsch, Türkisch und Arabisch durchgeführt und umfasst sowohl klassische Printmedien als auch Onlinewerbung.

Die Onlinekampagne ist am 27. August 2012 gestartet. Anfang September werden zudem Anzeigen in ausgewählten Printmedien erscheinen, ab Mitte September werden Gratispostkarten in zehn deutschen Städten verteilt. Außerdem wird die Beratungsstelle ab dem 21. September 2012 mit Plakaten in Berlin, Bonn und Hamburg beworben.

Das Motiv der Kampagne ähnelt einer Vermisstenanzeige. Thematisiert wird bewusst die menschliche Dimension, der schmerzhafte Verlust eines Sohnes, Bruders oder einer Freundin, die sich durch Einflüsse von radikalen Salafisten von ihrem Umfeld so entfernt haben, dass sie nicht wiederzuerkennen sind. Dass dies auch die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund betrifft, wird durch das Motiv „Tim“ verdeutlicht. Der Text gibt Aussagen von betroffenen Angehörigen wieder.

Betroffene sollen so durch das Wiedererkennen dessen, was sie selbst gerade erleben, motiviert werden, sich Rat und Hilfe zu suchen. Durch die Darstellung wird das Grundanliegen der Sicherheitspartnerschaft deutlich – gemeinsam der Radikalisierung entgegenzuwirken und betroffene Angehörige und Freunde mit Rat und Hilfe zu unterstützen.

Zusammenarbeit mit den Verbänden im Vorfeld der Kampagne

Die Reaktion der vier muslimischen Verbände, die die Vermisst-Kampagne zum Anlass genommen haben, ihre Zusammenarbeit mit der Initiative Sicherheitspartnerschaft einzustellen, ist nicht nachvollziehbar. Die Kampagne ist keine „Steckbriefkampagne“, sondern greift die Sorge auf, Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund an islamistische Radikalisierer zu verlieren.

Der Vorwurf, die Kampagne sei mit den Verbänden nicht abgestimmt worden, ist nicht haltbar: Alle an der Initiative Sicherheitspartnerschaft beteiligten Verbände wurden schriftlich für den 16. Mai 2012 zu einer Präsentation ausschließlich der jetzt zur Diskussion stehenden Motive durch die Agentur, die das Konzept erarbeitet hat, ins Bundesinnenministerium eingeladen. Da nicht Vertreter aller Verbände Interesse an dieser Präsentation hatten, bzw. an diesem Termin verhindert waren (es nahmen lediglich ein Vertreter des Zentralrates der Muslime in Deutschland – ZMD – und ein Vertreter des Verbandes der Islamischen Kulturzentren – VIKZ – teil), wurde ein umfassendes Protokoll gefertigt und mit Schreiben vom 29. Mai 2012 an die Verbände geschickt, um einen einheitlichen Informationsstand zu gewährleisten.

Darin wurden die „Vermisst-Plakate“ und der Umfang der Kampagne nochmals beschrieben. Anschließend wurden keine wesentlichen Änderungen mehr an den Plakaten vorgenommen, es wurden lediglich die beispielhaften Fotos durch professionelle Modelle ersetzt und die von den anwesenden Verbandsmitgliedern vorgeschlagenen textlichen Anpassungen eingearbeitet.

Schließlich wurden im Rahmen einer Besprechung im Bundesinnenministerium am 21. August 2012 in Anwesenheit mehrerer Verbandsvertreter (darunter der Vorsitzende des ZMD Aiman Mazyek und der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg und Schleswig Holstein der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion – Nord-DITIB, Murat Kayman) alle vier Motive in ihrer endgültigen Fassung herumgereicht. Sie wurden von allen Anwesenden ausdrücklich und uneingeschränkt positiv bewertet.

Vor diesem Hintergrund bestand für das Bundesinnenministerium kein Anlass, an der Zustimmung der Verbände zu der Kampagne zu zweifeln.

Mit Schreiben vom 31. August 2012 erklärten jedoch ZMD, DITIB, VIKZ und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland, die Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative Sicherheitspartnerschaft einzustellen. Begründet wird dies auch damit, dass ein Schreiben vom 16. Februar 2012 unbeantwortet geblieben sei. Auch dieser Vorwurf ist nicht zutreffend. Das im Bundesinnenministerium am 20. März 2012 eingegangene Schreiben wurde am 26. April 2012 beantwortet. Das Antwortschreiben kann hier eingesehen werden.

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