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Gesellschaft und Verfassung Demografie Nachricht 21.03.2012 Drit­tes Ge­sprächs­fo­rum De­mo­gra­fie: "De­mo­gra­fie und Öko­no­mie"

Vortragsreihe zur Demografie nimmt Ökonomie in den Blick. Rückgang der Wirtschaftsleistung kann durch Reformen abgefedert werden.

Der demografische Wandel wird Deutschlands Wirtschaftsleistung deutlich beeinflussen. Doch durch entschlossene Reformen können die negativen Folgen abgefedert werden. Darüber waren sich am Ende alle Teilnehmer einig. Im Rahmen der Vortragsreihe "Wir haben die Zukunft in der Hand" referierten Prof. Dr. Norbert Walter und Prof. Dr. Marcel Thum über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Produktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Zum dritten Mal hatte das Bundesinnenministerium am 20. März Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung zu einem Austausch ins Bundespresseamt eingeladen.

Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe hatte in ihren einführenden Worten bereits die zentralen Fragen zu dem Thema aufgeworfen: Kann eine schrumpfende Arbeitnehmerschaft ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften? Und wie produktiv und innovativ kann eine alternde Arbeitnehmerschaft noch sein?

Professor Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, zeichnete dabei ein eher pessimistisches Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten. Am Beispiels Japans - das demografisch gesehen Deutschland fünf bis zehn Jahre voraus sei - stellte er die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels auf Bruttoinlandsprodukt, Handelsbilanz, Leistungsbilanz und den Immobilienmarkt dar. In Anbetracht dieser Aussichten plädierte er zum einen für eine längere Lebensarbeitszeit und eine expansive Entwicklung des Weiterbildungs- und Gesundheitssektors, um die frei werdenden Kräfte gewinnbringend zu nutzen. Zum anderen forderte er, sich von dem negativen Denken über den demografischen Wandel zu lösen und die positiven Aspekte zu nutzen – ganz nach dem Motto: "Hurra, wir werden älter!"

Nicht ganz so pessimistisch fiel der Ausblick von Marcel Thum, Professor für Finanzwissenschaft der TU Dresden und Geschäftsführer des ifo Instituts Dresden, aus. So ist seiner Einschätzung nach kein signifikanter Einbruch der Innovations- und Produktionsfähigkeit der alternden Arbeitnehmerschaft zu erwarten.Thum zeigte auf, wo der Staat etwas tun kann und wo der Markt es alleine richten muss. Seiner Ansicht nach werden die Länder und Kommunen am schwersten an der Entwicklung zu tragen haben, da sie nur wenige eigene Steuerungsinstrumente besitzen. Der Staat müsse daher vor allem im Bereich der öffentlichen Finanzen handeln. Zusätzlich strich er die Aufgaben des Staates bei der sozialen Sicherung – hier vor allem in Bezug auf das Thema Altersarmut – und bei der Infrastruktur hervor. Die Unternehmen müssten aber auch aktiv werden und z. B. Lohnstrukturen langfristig planen oder eine ausgewogene Altersmischung im eigenen Betrieb herstellen.

Die anschließende Diskussion kreiste um die Frage, was aus dem Standort Deutschland wird. Die Diskutanten um Staatssekretärin Rogall-Grothe zeigten dabei eine gewisse Zuversicht, dass Deutschland die Herausforderungen durch den demografischen Wandel meistern könne. Die Ökonomen betonten allerdings, dass dazu einige harte Einschnitte nötig seien. Als Beispiele nannten sie längere Wochenarbeitszeiten und eine längere Lebensarbeitszeit, die in Relation zur gestiegenen Lebenserwartung steht. Auch das Thema Rentenkürzung wollten sie nicht ausgeklammert wissen.

Staatssekretärin Rogall-Grothe, Prof. Dr. Norbert Walter und Prof. Dr. Thum bei der Podiumsdiskussion + Staatssekretärin Rogall-Grothe, Prof. Dr. Walter und Prof. Dr. Thum bei der Podiumsdiskussion Quelle: BMI/Sandy Thieme

Gleichzeitig waren sich die Diskutanten darüber einig, dass eine Flexibilisierung der Arbeitswelt absolut notwendig sei. Dazu zählten sie beispielsweise flexiblere Arbeitszeiten und Arbeitsplätze sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. So gelangte man zu dem gemeinsamen Fazit, dass man trotz des demografischen Wandels die gute wirtschaftliche Situation in Deutschland erhalten kann – mit den notwendigen Reformen.

Ziel der Veranstaltungsreihe war es, Ursachen und Folgen des demografischen Wandels aus verschiedenen Blickwinkeln zu debattieren. So sollen wichtige Erkenntnisse für Politik und Verwaltung gewonnen werden.

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