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Sicherheit Gesellschaft und Verfassung Nachricht 01.03.2012 Stu­die ver­öf­fent­licht: "Le­bens­wel­ten jun­ger Mus­li­me in Deutsch­land"

Ausmaß und Ursachen radikaler Einstellungen und Verhaltensweisen im Mittelpunkt der Untersuchung. Muslimische Lebenswelt in Deutschland vielschichtig.

Das Ausmaß und die Ursachen radikaler Einstellungen und Verhaltensweisen junger Muslime in Deutschland stehen im Mittelpunkt der am 1. März veröffentlichten Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland". Die Untersuchung, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellt wurde, zeigt neben positiven Entwicklungen wie der mehrheitlichen Integrationsbereitschaft der Befragten auch besorgniserregende Tendenzen auf. So stellten die Wissenschaftler bei einer kleinen Gruppe streng religiöse und tendenziell gewaltakzeptierende Einstellungen fest. Die Studie wurde von Psychologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Jacobs University Bremen, der Johannes Kepler Universität Linz sowie der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar durchgeführt. Die Gesamtstudie enthält mehrere Forschungsmodule: Eine Mehrgenerationenstudie zur Integration und Werteeinstellungen, eine Auswertung muslimischer Internetforen, Gruppeninterviews mit muslimischen Jugendlichen und eine Auswertung der Berichterstattung von Fernsehsendern deutscher, türkischer und arabischer Sprache. Daneben wurden auch Telefoninterviews mit muslimischen und nichtmuslimischen Jugendlichen geführt.

Die Studie kommt zu folgenden wesentlichen Ergebnissen:

  • Es gibt nicht eine muslimische Lebenswelt in Deutschland, sondern zahlreiche ambivalente. Ebenso sind die Beziehungen zwischen der deutschen, nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft und den in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslimen vielschichtig.
  • Die Untersuchung zeigte, dass sich alle in Deutschland lebenden Generationen von Muslimen mehrheitlich deutlich vom islamistischen Terrorismus distanzieren. Allerdings erleben sie eine Pauschalverurteilung der Muslime als Terroristen und eine zu vorschnelle Verknüpfung des Islams mit dem Terrorismus.
  • Die Mehrzahl der befragten deutschen und nichtdeutschen Muslime ist bestrebt, sich zu integrieren. Demnach befürworten 78 Prozent der deutschen Muslime Integration mehr oder weniger während 22 Prozent eher eine zurückhaltende, die eigene Herkunftskultur betonende Haltung einnehmen. In der Gruppe der nichtdeutschen Muslime finden sich ca. 52 Prozent, die Integration mehr oder weniger befürworten, aber auch 48 Prozent mit starken Separationsneigungen.
  • Die Befragungen von Muslimen im Alter zwischen 14 und 32 Jahren ergaben jedoch auch , dass eine Subgruppe existiert, die als "streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz" bezeichnet werden kann. Diese Subgruppe umfasst bei den deutschen Muslime ca. 15 Prozent und in der Gruppe der nichtdeutschen Muslime ca. 24 Prozent.
  • Mögliche Ursachen für diese potenziellen Radikalisierungstendenzen liegen vor allem im Ausmaß der "traditionellen Religiosität", der "autoritären Einstellungen", der Orientierung an "Macht" und "Erfolg" sowie der Wahrnehmung bzw. dem Erleben von "gruppenbezogener Diskriminierung".

Die Radikalisierung von Einzeltätern "im Stillen" ist ein Phänomen, das die Sicherheitsbehörden seit einigen Jahren beschäftigt. Zuletzt hatte der am 2. März 2011 verübte islamistisch motivierte Anschlag am Frankfurter Flughafen für Aufsehen gesorgt. Um dieser islamistischen Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entgegen zu wirken, hat Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich die "Initiative Sicherheitspartnerschaft – Gemeinsam mit Muslimen für Sicherheit" ins Leben gerufen, mit der die Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden und Muslimen gestärkt werden soll.

Friedrich: "Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben – dies klarzumachen, ist die Aufgabe eines jeden".

Die Studie ist unter dem nebenstehenden Link einsehbar.

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