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50. Jahrestag deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

Was vor 50 Jahren als vorübergehender Aufenthalt gedacht war, hat sich für viele als dauerhafte Lösung ergeben: Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen über die Vermittlung von Arbeitskräften in die Bundesrepublik. Die meisten so genannten "Gastarbeiter" blieben und holten ihre Familien nach. Heute leben mehr als 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Mit einem Festakt im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin würdigte die Bundesregierung die Frauen und Männer, die den Aufschwung im Wirtschafswunderland Deutschland mit ihrer Arbeitskraft unterstützt haben.

Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich begrüsste die Gäste + Dr. Friedrich begrüßte die Gäste Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

In seinen Begrüßungsworten lobte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Mut der ersten "Gastarbeiter": "Deutschland war Ihnen fremd, Sie sind ein Wagnis eingegangen. Wer seine Heimat freiwillig verlässt, hat viele Gründe, allen voran die existentielle und wirtschaftliche Not", so Friedrich vor rund 400 Gästen, darunter auch Zugewanderte der ersten Stunde. Auch die Türkei habe von dem Abkommen wirtschaftlich profitiert. Im Zeitraum von 1961 bis zum Anwerberstopp 1973 sind knapp eine Million Türken nach Deutschland gekommen. Heute hätten die meisten Türkischstämmigen ihren festen Platz in der Gesellschaft gefunden - und das in allen Bereichen.

Zu dem Festakt waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gekommen. "Wir sind zusammen", betonte Erdogan in deutscher Sprache. Deutschland sei für die Türken keine fremde Heimat mehr. "Über jedes Tor, das Mesut Özil schießt, freuen wir uns in der Türkei genauso wie in Deutschland", so der Ministerpräsident. Erdogan verwies zudem auf die weitreichende historische Verbundenheit zwischen Deutschen und Türken. Das Abkommen von 1961 sei ein Resultat der bereits geknüpften partnerschaftlichen Bande gewesen. Mit Blick auf die heutige Situation in Deutschland sagte Erdogan: "Wir unterstützen die Integration bedingunglos". Die Gesellschaft, die aufnimmt und integriert, müsse aber auch Angebote machen.

Die Bundeskanzlerin betonte den Einfluss der türkischstämmigen Gemeinschaft auf unsere Gesellschaft: "Die Gastarbeiter, ihre Familien und Nachkommen haben Deutschland mit geprägt". Es hätte allerdings Jahre gebraucht bis in Deutschland die Einsicht gereift sei, dass es sich bei den Arbeitskräften nicht um vorübergehende Gäste gehandelt habe, sondern um Menschen, die geblieben und Teil der Gesellschaft geworden sind. Merkel bekräftigte die Anstrengungen, die die Bundesregierung im Bereich der Integration unternommen habe. Das Erlernen der deutschen Sprache bleibe Schlüsselaufgabe. Bei den vielen Beispielen gelungener Integration dürften nicht die Augen vor Missständen, v.a. im Bildungsbereich, verschlossen werden. "Zusammenleben ist immer ein Geben und Nehmen. Integration ist Gemeinschaftsleistung", so Merkel. Mit Blick auf die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sagte sie: "Ich bin auch Ihre Bundeskanzerlin. Diese Bundesregierung ist auch Ihre Bundesregierung".

Podiumsdiskussion + Podiumsdiskussion Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von dem Journalisten Giovanni di Lorenzo moderiert wurde, tauschten sich Merkel und Erdogan mit Vertretern der türkischstämmigen Gemeinschaft über die Frage aus, wie Zuwanderung unsere Gesellschaft verändert. Mit dabei waren u.a. die Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli, auf die die Komödie "Almanya - Willkommen in Deutschland" zurückgeht, sowie die Journalistin Hatice Akyün und der Leiter des Netzwerks "Daimler Türk Treff" Nejdet Niflioglu. Die Podiumsteilnehmer diskutierten über einen bunten Strauß an Themen - von der doppelten Staatsbürgerschaft über Sport als Integrationsmotor und der Religion als verbindendes oder trennendes Element bis hin zum humorvollen Umgang mit Vorurteilen.

Datum
02.11.2011
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