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Deutsche Einheit DER BEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG FÜR DIE NEUEN BUNDESLÄNDER Nachricht 19.09.2010 Dres­den trifft Ham­burg: Elb­flo­renz und Elb­phil­har­mo­nie

Die letzte Veranstaltung der Gesprächsreihe "Gemischtes Doppel - Ost und West im Dialog" führte den Bundesinnenminister und Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer Dr. Thomas de Maizière in seine Wahlheimatstadt Dresden, wo er seit nunmehr zwölf Jahren mit seiner Familie wohnt. Auch hier suchte er wieder mit Bürgerinnen und Bürgern aus einem Städtepaar - nämlich Dresden und Hamburg - das Gespräch. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Elbstädte, die schon 1987 und damit vor der friedlichen Revolution eine Städtepartnerschaft eingingen, offenbarten sich in einer angeregten Diskussion im Kleinen Schlosshof des Residenzschlosses.

Die letzte Veranstaltung der Gesprächsreihe "Gemischtes Doppel - Ost und West im Dialog" führte den Bundesinnenminister und Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer Dr. Thomas de Maizière in seine Wahlheimatstadt Dresden, wo er seit nunmehr zwölf Jahren mit seiner Familie wohnt. Auch hier suchte er wieder mit Bürgerinnen und Bürgern aus einem Städtepaar - nämlich Dresden und Hamburg - das Gespräch. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Elbstädte, die schon 1987 und damit vor der friedlichen Revolution eine Städtepartnerschaft eingingen, offenbarten sich in einer angeregten Diskussion im Kleinen Schlosshof des Residenzschlosses. Beide Orte zeichnet seit Jahrhunderten kulturelle Vielfalt und Offenheit aus, verbunden mit der Gabe, sich immer wieder neu zu erfinden. In den vergangenen Jahren haben beide Orte durch jeweils sehr unterschiedliche Strategien ihre Stellung als Kulturstädte weiter gefestigt. So erregt Hamburg beispielsweise mit dem Neubau der Elbphilharmonie nicht nur kulturpolitische Aufmerksamkeit. Ähnliches gelang Dresden schon mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche.

Begrüßung durch den kaufmännischen Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden + Dirk Burghardt Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

Als Hausherr begrüßte zunächst der kaufmännische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Dirk Burghardt, die Gäste und wies darauf hin, dass das 20. Jubiläum der friedlichen Revolution mit dem 450-jährigen Bestehen der SKD zusammenfiele. Detlef Sittel, der Zweite Bürgermeister der Stadt Dresden, hob hervor, wie stolz die Dresdner auf die Kulturschätze seien, die ihre Stadt zu bieten habe. Die Städtepartnerschaft mit Hamburg sei in jeder Hinsicht eine Bereicherung, fuhr Sittel fort. Dies gelte nicht nur für den kulturellen Austausch, sondern habe sich auch sehr deutlich während des Elbhochwassers 2002 gezeigt: "Hamburg hat den Dresdnern sofort geholfen, und zwar während der Flut und auch noch in den Monaten danach."

Hauptthema an dem Abend war jedoch die kulturelle Vielfalt und Offenheit der beiden Partnerstädte, die ein so unterschiedliches Gesicht haben. "Wie prägt eine Stadt die Kultur und wie prägt die Kultur eine Stadt? Darüber wollen wir diskutieren", sagte Gastgeber de Maizière in seinen Eingangsworten und freute sich, zunächst im Zwiegespräch mit Tenor und Dirigent Peter Schreier die Kulturstadt Dresden vor und unmittelbar nach der Wiedervereinigung in den Fokus zu rücken. Schreier beschrieb die Zeit nach 1989 als eine Zeit neuer Chancen für die Menschen in der (ehemaligen) DDR aber auch als eine Zeit enormer Umstellungen und eines großen Veränderungsdrucks: "Wir waren den neuen Voraussetzungen nicht so recht gewachsen - dem Konkurrenzdenken z. B. Wir mussten uns darauf einstellen, dass wir eine andere Gesellschaft bekommen werden. Arbeitslosigkeit war plötzlich ein Thema. Die Musik spricht jedoch eine eigene Sprache. Die Musiker in Hamburg haben sich genauso gut mit den Musikern in Dresden verstanden. Und die Qualität hat insgesamt zugenommen."

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Miazière mit Tenor und Dirigent Peter Schreier sowie Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie, und die Jazzsängerin und ECHO-Gewinnerin Prof. Dr. Céline Rudolph + Blick auf das Podium Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

Als erstes "gemischtes Doppel" diskutierten dann Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie, und die Jazzsängerin und ECHO-Gewinnerin Prof. Dr. Céline Rudolph auf dem Podium mit. Rudolph stellte fest: "Für die jungen Musiker spielt es heute keine Rolle mehr, ob sie in den alten oder den neuen Bundesländern tätig sind. Das war vor neun Jahren, als ich hier in Dresden ankam, noch anders." Die Diskutanten stellten einen wesentlichen Unterschied zwischen den Kulturstädten Dresden und Hamburg fest: In Hamburg entsteht viel Neues, was es so vorher noch nicht gegeben hat. Das wird auch von einer engagierten Bürgerschaft vorangetrieben. Dresden ist stolz auf seine kulturellen Wurzeln und sehr traditionsbewusst. Alles soll wieder möglichst originalgetreu nachgebaut werden. Diesen Eindruck unterstrich auch der Minister: "Das Augustische ist das wahre Dresden. Eine Vermischung von Neu und Alt - ausgeschlossen."

Das zweite "gemischte Doppel" waren die Direktorin des Hamburgmuseums, Prof. Dr. Lisa Kosok und der Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, Prof. Dr. Klaus Vogel. Kosok beschrieb den Kulturaustausch mit Dresden als unspektakulär und normal. Es gäbe keine Wahrnehmung der Stadt als Teil der ehemaligen DDR mehr. Zum unterschiedlichen Kulturverständnis der Elbstädter sagte Kosok: "Die Hamburger schätzen ihre Kultur, aber nicht mit einer derartigen Inbrunst, Leidenschaft und einem derartigen Stolz. Sie ist nicht das Einzige, über das sie sich definieren. Da ist erst einmal der Hafen. Vielleicht ist es aber auch eine Mentalitätsfrage." Das Bewahrende, das die Dresdner und ihr Kulturverständnis auszeichnet, stellte de Maizière auch am Beispiel des Hygiene-Museums fest: "Es gab da diese Diskussion über den Namen des Museums. Für die Dresdner kam eine Änderung des Namens aber nicht in Betracht."

Das Publikum entfachte noch eine Diskussion über die vielen kleinen Kultureinrichtungen in Dresden, die neben den großen Publikumsmagneten das Kulturleben prägen. "Das Barocke überwiegt hier", sagte eine Zuschauerin, "und das ist gut, denn es lockt viele Kulturbegeisterte in die Stadt. Davon profitieren auch kleine Galerien mit moderner Kunst oder auch Musiker der Jazzszene."

Am Ende der Podiumsdiskussion stand die Frage: Was haben wir mit der Einheit gewonnen und verloren? Als bereichernd wurde vor allem angesehen, sich frei bewegen zu können - ohne Grenzen. Auch die kulturelle Vielfalt sei immens gewachsen, zumal in der DDR eher ein repräsentatives Kunstverständnis geherrscht habe. Gewonnen habe man auch ein differenziertes Bild von Deutschland. Auf der Verlustseite wurde nicht viel verbucht: politische Ignoranz und das Gefühl in den Neuen Bundesländern eine Zeitreise zu erleben. Die Quelle für eine vergangene Zeit sei heute nach zwanzig Jahren schon wieder versiegt. Das zeige aber den Fortschritt und sei daher in Wirklichkeit ein Gewinn. De Maizière antwortete auf die Frage nach Gewinn und Verlust: "Verloren habe ich eigentlich nichts - vielleicht die Übersichtlichkeit, gut und böse, schwarz und weiß. Diesen Verlust an Kontrolle empfinde ich als Gewinn. Was habe ich gewonnen? Ich hatte durch den Beruf meines Vaters nie eine richtige Heimatstadt - gewonnen habe ich durch die Deutsche Einheit eine lebenslange Heimatstadt."

Die Diskussion wurde im Anschluss an die offizielle Veranstaltung noch lange fortgesetzt. Der Bundesinnenminister interessierte sich sehr dafür, wie seine Gäste die Jahre des Umbruchs erlebt hatten und was die Jüngeren unter ihnen - es waren auch Schülerinnen und Schüler des Lößnitzgymnasiums aus Radebeul anwesend - heute mit der friedlichen Revolution verbinden.

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