Deutsche Einheit Politische Bildung Nachricht 09.11.2009 Am Abend, als die Mauer fiel
+ Mauerspechte
Quelle: BPA
Die Öffnung der Mauer und der Fall des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren eröffneten die Möglichkeit für die Wiedervereinigung Deutschlands und das Zusammenwachsen Europas. Als Ergebnisse einer Friedlichen Revolution prägten sie sich ins Gedächtnis der Menschen ein. Hier die Geschichte eines unvergesslichen Abends, der die Welt veränderte. Die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 ist in den Augen der Weltöffentlichkeit das Symbol für das Ende der Teilung Deutschlands und Europas. Der Mauerfall vor 20 Jahren bildete den Höhepunkt der Friedlichen Revolution, die von den Demonstranten auf die Straßen der DDR getragen wurde. Ohne die Vorarbeit der Reformbewegungen in Osteuropa wäre er allerdings kaum möglich gewesen. Erste Risse im Ostblock Seit den 1950er-Jahren hatte es im sowjetisch kontrollierten Teil Europas immer wieder Freiheitsbestrebungen und auch Volksaufstände gegeben. 1953 in Ost-Berlin und der DDR sowie 1956 in Ungarn konnten sie nur durch sowjetische Panzer niedergeschlagen werden. In der Tschechoslowakei scheiterte 1968 der "Prager Frühling".
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Vor allem Künstler und Intellektuelle veröffentlichten später, am 1. Januar 1977, die "Charta 77" gegen die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land. Zur gleichen Zeit wuchs in Polen die Gewerkschaft Solidarność zu einer breiten politisch-sozialen Bewegung. 1989 erzwingt sie eine Demokratisierung des Landes, halbfreie Wahlen und eine Regierung unter Führung eines nicht kommunistischen Ministerpräsidenten. In Ungarn bilden sich Reformkräfte innerhalb der regierenden sozialistischen Partei. Anfang 1989 streicht sie ihren Führungsanspruch aus der Verfassung und öffnet den Weg zur Errichtung eines Mehrparteiensystems. Im Mai 1989 beginnt Ungarn mit dem Abbau der Grenzanlagen zu Österreich. Gleichzeitig bemüht sich in der Sowjetunion Michail Gorbatschow, der seit 1985 an der Spitze der Partei steht, um Reformen. Den Partnern im Warschauer Pakt wird mehr Bewegungsspielraum eingeräumt. Offen bleibt aber lange, ob der ihnen zugestandene eigene Weg auch aus dem sozialistischen Lager herausführen darf. Auch in der DDR beginnen sich die lange nur versprengt handelnden Oppositionellen zusammenzuschließen. Einen ersten Höhepunkt erreicht der Protest bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989. Bürgerrechtler sorgen dafür, dass sich in der gesamten DDR herumspricht, dass viele die Wahlen boykottiert oder die Stimmzettel ungültig gemacht hatten. Als dann das offizielle Wahlergebnis bekannt gegeben wird, ist die in der DDR übliche Wahlfälschung erstmals offenkundig. Sie und die Öffnung der ungarischen Grenze zu Österreich am 11. September lösen eine doppelte Bewegung aus: Einerseits nehmen die Proteste auf den Straßen und Plätzen der DDR von Woche zu Woche zu. Andererseits wählen immer mehr Menschen den nun einfacheren Weg nach Westen. Allein im September verlassen rund 30.000 die DDR durch diese erste Lücke im Eisernen Vorhang.
Andere suchen die Ausreise über die Vertretungen der Bundesrepublik in Warschau, Prag und Ost-Berlin. In der Botschaft in Prag harren Ende September etwa 4.000 Menschen aus. Nach Verhandlungen mit der DDR können ihnen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundeskanzleramtschef Rudolf Seiters am 30. September die Botschaft überbringen, dass ihre Ausreise genehmigt ist. Ebenfalls im September beginnen in Leipzig im Anschluss an Friedensgebete öffentliche Protestkundgebungen. Sie greifen schnell auf die gesamte DDR über. Die erste Massendemonstration, vor der die Staatsmacht kapituliert, findet am 7. Oktober in Plauen statt; dabei wer den auch "Deutschland"-Sprechchöre skandiert. Am 9. Oktober hat sich die Staatsmacht in Leipzig darauf vorbereitet, die Montagsdemonstration mit Gewalt niederzuschlagen. Aber die Sicherheitskräfte sind zu schwach für die unerwartet große Menge von 70.000 Demonstranten. Die Revolution hat einen großen Erfolg erreicht. Erich Honecker tritt am 18. Oktober zurück, Egon Krenz wird sein Nachfolger. Das Regime der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der SED, taumelt. Mit ihrem Protest auf den Straßen erreichen die Menschen in der DDR die Öffnung der Mauer am 9. November 1989, die letztlich rund ein Jahr später zur Wiedervereinigung Deutschlands führt.
Am 9. November 2009 findet in Berlin am Brandenburger Tor zur Erinnerung an den Mauerfall vor 20 Jahren ein groß angelegtes "Fest der Freiheit" statt. Gemeinsam mit Gästen aus aller Welt, mit Zeitzeugen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird die Überwindung der Teilung Berlins und Deutschlands gefeiert. Höhepunkt der Veranstaltung bildet die Inszenierung des symbolischen Falls der Mauer durch einen "Dominoeffekt"“. Jugendliche, aber auch andere Interessierte, hatten die Möglichkeit, sich mit dem Thema Mauerfall zu befassen und übergroße Dominosteine künstlerisch zu gestalten. Ab dem 7. November wird die "Dominogalerie", die den ehemaligen Verlauf der Mauer zwischen Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz markiert, aufgebaut. Am Abend des 9. Novembers werden die Steine dann gemeinsam mit prominenten Künstlern, Kulturschaffenden und Politikern zum Einsturz gebracht.





