Sicher, einfach, schnell und online? Der neue Personalausweis aus Verbrauchersicht
Der "Ausweis der Zukunft"
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Ab November 2010 wird der neue Personalausweis im Scheckkartenformat den bisherigen Personalausweis ablösen. Bei einer Veranstaltung des Vereins "Deutschland sicher im Netz e.V." wurde am 1. Juli in der Bundesdruckerei in Berlin das Leistungsspektrum des "Ausweises der Zukunft" vorgestellt. Dabei sollen die Wünsche und Erwartungen der Verbraucher als Anwender aufgegriffen und die sichere elektronische Identifikation diskutiert werden.
Einen Personalausweis, der biometrische Merkmale beinhaltet und der zugleich für E-Government und E-Business einsetzbar ist, gibt es bislang nicht. Die bekannte Funktion als Reisedokument wird ab November kommenden Jahres um die Möglichkeit ergänzt, Geschäftsprozesse abzuwickeln und Transaktionen sicher im Internet vorzunehmen. Damit ist der neue Personalausweis ein universelles Identitätsdokument für die klassische und für die Online-Welt.
Nach dem Empfang der Teilnehmer durch Ulrich Hamann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Bundesdruckerei, begrüßte der Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik (BfIT), Dr. Hans-Bernhard Beus, die Teilnehmer: "Viele der Dinge, die wir aus unserem Alltag kennen und für die man sich bisher zu festen Zeiten an einen bestimmten Ort begeben musste, werden heute durch elektronische Dienstleistungen ersetzt"
, sagte Beus. Da es aber in der elektronischen Welt bislang kein sicheres Äquivalent zur gegenseitigen Authentisierung gäbe, bräuchte man eine Lösung, mit der die herkömmliche Nutzung von Ausweisen aus der "Papierwelt" in die elektronische Welt übertragen werden könne. "Unsere Motivation für die Einführung des neuen Personalausweises ist, jedem Bürger in Deutschland ein Dokument an die Hand zu geben, mit dem er sich sicher und komfortabel in der Offline- und der Online-Welt bewegen kann."
stellte Beus in Aussicht. Der Beauftragte für IT der Bundesregierung und Staatssekretär im Bundesinnenministerium betonte, dass die Freischaltung der Identifizierungsfunktion freiwillig sein wird.
Prof. Dieter Kempf, Vorstandvorsitzender von DsiN e.V. und BITKOM-Präsidiumsmitglied, ergänzte in seiner Ansprache: "Die Möglichkeit der Identifizierung und Authentifizierung mit dem neuen Personalausweis in der virtuellen Welt wird deutlich mehr Sicherheit bei Online-Geschäften bringen. Aber um ein möglichst hohes Sicherheitsniveau zu erreichen, müssen die Nutzer selbst auch ein stärkeres Sicherheitsbewusstsein entwickeln."
Sicherheit und Vertrauen zu schaffen sei einer der Grundpfeiler der Arbeit von DsiN e.V.. Der Verein, so Kempf, wolle bei der Einführung des neuen Personalausweises mithelfen, die Bürger zu sensibilisieren und informieren, ohne dabei Angst zu erzeugen.
Am Nachmittag wurden in Panels zu verschiedenen Fragestellungen diskutiert.
So saß Martin Schallbruch, IT-Direktor im Bundesministerium des Innern, u.a. gemeinsam mit Johannes Landvogt, Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für Datenschutz und die Informationsfreiheit, und Prof. Dr. Herbert Kubicek von der der Universität Bremen auf dem Podium und diskutierte die Frage: "Was erwartet der Verbraucher vom elektronischen Personalausweis?" Schallbruch betonte die Bedeutung des Grundsatzes der "Datensparsamkeit": "Ein Vorteil des neuen Personalausweises wird sein, dass die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden können, wem sie welche Daten zur Verfügung stellen wollen."
Zeige man heute seinen Personalausweis vor, so könne der Gegenüber alle Daten lesen, die darauf sind. Zukünftig könnten die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden, welche Daten des Personalausweises sie elektronisch übermitteln möchten. "Die Nutzer gewinnen so eine größere Selbstbestimmung über die persönlichen Daten als bisher"
, erläuterte Schallbruch.
In der zweiten Diskussionsrunde des Tages wurde die Angebotsseite des neuen Personalausweises erörtert. Bernd Kowalski, Abteilungspräsident beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), berichtete zum Stand des Projektes. Derzeit entwickle das BSI alle erforderlichen technischen Regelungen für die einzusetzenden Infrastrukturkomponenten. Dabei könne man hervorragend auf den Erfahrungen der erfolgreichen Einführung des neuen Reisepasses aufbauen.
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass nur eine Vielzahl sinnvoller Anwendungen die Verbraucherinnen und Verbraucher davon überzeugen werden, die Möglichkeit der elektronischen Identifizierung mittels des neuen Personalausweises zu nutzen. Aus den bald startenden Anwendertests mit 30 Unternehmen erwarten die Teilnehmer der Veranstaltung wichtige Erkenntnisse.
Über Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN):
Im Jahr 2005 haben sich große Unternehmen, Vereine und Branchenverbände zur Initiative "Deutschland sicher im Netz" zusammengeschlossen, um einen messbaren und praktischen Beitrag für mehr IT-Sicherheit zu leisten. Anlässlich des 1. IT-Gipfels der Bundesregierung im Dezember 2006 wurde aus der Initiative der Verein "Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN)". Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble hat im Juni 2007 die Schirmherrschaft für DsiN übernommen. Der Verein "Deutschland sicher im Netz" engagiert sich für einen sicheren Umgang mit den Informationstechnologien. Produktneutral und herstellerübergreifend ist "DsiN e.V." zentraler Ansprechpartner für Verbraucher und mittelständische Unternehmen.
- Datum
- 01.07.2009





