INTERVIEW MIT STAATSSEKRETÄRIN ROGALL-GROTHE Interview 07.06.2012 Nachgefragt bei...
- Datum
- 07.06.2012
dbb magazin: Frau Staatssekretärin, kein einziges Bundesministerium könnte derzeit die von vielen Politikern geforderte Quote von 30 Prozent erfüllen. Vor allem die Spitzenposten sind ebenso selten weiblich besetzt wie in den Vorständen der DaxKonzerne und das, obwohl es im öffentlichen Dienst bessere Gesetze zur Förderung von Frauen im Berufsleben gibt. Welches sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für den niedrigen Frauenanteil in den Führungsetagen der Ministerien?
Cornelia Rogall-Grothe: Die Ursachen sind vielschichtig und unterscheiden sich nicht so sehr von der Privatwirtschaft: In der überwiegenden Mehrheit nehmen in Deutschland noch immer Frauen den Großteil der Familienpflichten wahr. Daher ist für sie das Spannungsfeld bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Regel deutlich größer als bei Männern. Insgesamt verzeichnen wir in der Bundesverwaltung aber einen eindeutig positiven Trend: Der Anteil von Frauen an Leitungsfunktionen im gesamten Bundesdienst ist zwischen 2004 und 2009 von 24 auf 30 Prozent gestiegen. Bei Neuübertragungen von Leitungsfunktionen liegt der Frauenanteil sogar bei 37 Prozent. Dies zeigt, dass sich die gleichstellungspolitischen Anstrengungen der Bundesbehörden durchaus positiv auf den Frauenanteil an Leitungsfunktionen auswirken, auch in den Bundesministerien.
dbb magazin: Welche anderen Maßnahmen außer der viel diskutierten „Quote“ sind aus Ihrer Sicht notwendig, ummehr Frauen zu Führungspositionen in den Ressorts zu verhelfen?
Rogall-Grothe: Wir brauchen insgesamt Arbeitsbedingungen, die Karrieren von Frauen zulassen. Flexible Arbeitszeiten und Telearbeit sind in den Bundesbehörden schon weit verbreitet. Denkbar wäre etwa, solche Arbeitsformen auch vermehrt in Führungsfunktionen zu ermöglichen. Darüber hinaus sollten Frauen mehr ins Blickfeld für Spitzenpositionen genommen und die Anreize, eine Spitzenposition anzustreben, intensiviert werden. Wir stellen fest, dass sich immer noch deutlich mehr Männer als Frauen auf solche Positionen bewerben.
dbb magazin: Hat ein höherer Frauenanteil positive Auswirkungen auf den Führungsstil in den obersten Bundesbehörden? Wenn ja, welche?
Rogall-Grothe: Generell bringen unterschiedliche Menschen eine Vielfalt von Lebens- und Berufserfahrung, Sichtweisen und Werten in ihren Arbeitsbereich und damit auch in ihren Führungsstil ein. Diese individuelle Verschiedenheit ist ein Gewinn für die Behörden. Daher ist ein wachsender Frauenanteil an Spitzenpositionen auch unter diesem Aspekt zu begrüßen. Andererseits, auch das zeigt die Erfahrung, sind weibliche Führungskräfte nicht unbedingt die besseren Rollenvorbilder in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
