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INTERVIEW Interview 07.12.2009 "Mit D115 wird die Verwaltung bürgerfreundlicher"

Interview mit Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer (Präsident BITKOM, Gründer der IDS Scheer AG, Gründer und Vorsitzender des Aufsichtsrats IMC AG)
Datum
07.12.2009

Herr Scheer, der Bund stellt im Rahmen des Konjunkturpaketes II zusätzlich 500 Mio. EUR zur Förderung der IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie)-Wirtschaft zur Verfügung. Welche Wirkung hat dieses zusätzliche Geld bei den Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) erzielt? 

Nun, dieses Geld wird ja insbesondere zur Verbesserung der ITK-Infrastruktur der Bundesministerien eingesetzt, und viele unserer Mitgliedsunternehmen liefern  an diese Ministerien Software, Hardware, Vernetzung – also Dienstleistungen plus Produkte. Diese Unternehmen profitieren natürlich davon. Insofern ist das eine willkommene Unterstützung unserer Branche. 

Das BMI treibt derzeit mehrere große IT-Projekte voran, z. B. die Einheitliche Behördenrufnummer D115, den neuen Personalausweis oder auch die sichere Kommunikation im Internet per De-Mail. Wo sehen Sie aus dem Blickwinkel der Wirtschaft den größten Nutzen, wo die größten Probleme? 

Nun, alle drei Ansätze sind insofern sehr gut, weil sie entwicklungsfähig sind. Mit der Behördenrufnummer 115 wird die Verwaltung bürgerfreundlicher. Aber es genügt nicht, dass man rund um die Uhr über eine einheitliche Telefonnummer auf bestimmte Services hingewiesen wird, also z. B. die Adresse genannt bekommt, an der man sein Auto anmelden oder ummelden kann. Viel interessanter wäre es doch, wenn dieser Prozess der Anmeldung und Ummeldung direkt auch online passieren könnte. Das heißt, das ist ein Anfangspunkt für erweiterte Prozessintegration. 

Das Gleiche gilt für den neuen Personalausweis. Auch da sind sogenannte „value edit“-Anwendungen möglich, also Zusatzanwendungen, z. B. die Möglichkeit, mit dem Personalausweis auch zu bezahlen. Praktisch ersetzt er ja dann die elektronische Signatur. Letztlich haben wir mit diesen Projekten jeweils immer Eintrittspunkte in noch viel interessantere Anwendungen, die dahinter liegen. 

Auch der Mailverkehr muss sicher gemacht werden. Dann kann er auch für geschäftliche Aktivitäten eingesetzt werden. Die Identifizierung des Absenders ist ganz wichtig – aber auch die Verschlüsselung der Informationen, wie das eben durch die De-Mail erreicht wird. Auf diese Weise kann man sicher sein, dass der Mailverkehr nicht missbraucht wird. 

Die Idee der Einheitlichen Behördenrufnummer D115 ist auf dem ersten IT-Gipfel in Potsdam 2006 geboren worden. Was kann die Industrie – insbesondere der BITKOM – dazu beitragen, die D115 in Deutschland weiter zu verbreiten? 

Nun, der BITKOM macht sehr viel Öffentlichkeitsarbeit. Das ist eine unserer wichtigsten Funktionen. Und wir sehen, dass wir gerade bei solchen Informationen, mit denen wir uns an den Konsumenten, an den Endverbraucher wenden, die größte Aufmerksamkeit erreichen. Das tun wir beispielsweise durch Ratgebungen vor Weihnachten, welche Schnäppchen es im Internet gibt, welche Produkte – Spiele zum Beispiel – besonders gefragt sind. Auch bei anderen Gelegenheiten weisen wir auf solche konsumnahen Dinge hin. Und natürlich sind wir auch mit der Behördenrufnummer 115 sehr nah am Bürger und geben Hinweise dazu, wie er den Umgang mit den Behörden vereinfachen kann. All dies zielt darauf ab, dieses wirklich zukunftsträchtige Projekt, von dem die Bürgerinnen und Bürger profitieren, zum Erfolg zu führen.

(Die Fragen stellte Maren Göre.)