INTERVIEW Interview 07.12.2009 "Eine erstrebenswerte Herausforderung"
- Datum
- 07.12.2009
Dr. Gerald Ripberger mit der Ehrenurkunde
Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel
Mit der „Mobilen Arztgruppe“ schließt die Johanniter-Unfall-Hilfe, RV Unterfranken eine Lücke in der organisatorischen Basis der ehrenamtlichen Arbeit junger Mediziner. Können Sie anhand der Erfahrungen aus Ihrem Projekt bestätigen, dass es oftmals gar nicht an Hilfsbereitschaft und Engagement, sondern vielmehr an attraktiven und funktionierenden Strukturen für die ehrenamtliche Arbeit mangelt?
Ich denke, gerade die Strukturen sind das Notwendige bei dieser ganzen Sache. Wir bieten diese Strukturen, wir geben Einsatzmöglichkeiten vor. Und die Ärzte belohnen uns dadurch, dass sie auch wirklich zahlreich teilnehmen.
Ehrenamtliches Engagement bei Großschadensereignissen bringt Helferinnen und Helfer häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Junge Ärzte üben ein Ehrenamt in der Regel neben ihrem ohnehin schon kräftezehrenden Beruf aus. Warum ist der ehrenamtliche Einsatz in Notlagen gerade für junge Ärzte eine erstrebenswerte Herausforderung?
Also prinzipiell ist es für alle Ärzte eine erstrebenswerte Herausforderung, weil man durch diesen Einsatz unheimlich an Erfahrung gewinnt. Wir müssen im Katastrophenschutz professionell arbeiten – das wird von uns verlangt. Und nur durch solche Einsatzerfahrungen gelingt es auch wirklich.
Die Helferinnen und Helfer der „Mobilen Arztgruppe“ haben die Möglichkeit, sich bei Ihnen durch Zusatzausbildungen weiter zu qualifizieren. Was sind das für Zusatzausbildungen, und für wie wichtig halten Sie diese Form einer win-win-Situation als Anreiz für bürgerschaftliches Engagement?
Wir bieten momentan drei Zusatzausbildungen an, zum Einen eine Atemschutzausbildung, Umgang mit schweren Atemschutz- und sonstigen Atemschutzgeräten. Dann gibt es eine Ausbildung im Bereich Traumamanagement und eine Ausbildung im Umgang mit infektiösen Patienten und mit Einsätzen bei Gefahren aus dem ABC-Bereich. Gerade die beiden letztgenannten Ausbildungen bringen den Ärzten sicher überall etwas. Als win-win-Situation ist aber sicher noch etwas zu sehen: Man macht irgendwo mit, wo es auch Spaß macht. Nur dadurch kann man Mitglieder gewinnen. Den Ärzten macht es Spaß – vor allem in den Bereichen ABC-Schutz und Atemschutz. Allein dadurch haben wir zahlreiche neue Mitglieder gewonnen. Insofern gewinnen die Ärzte daran und die Organisationen gewinnen natürlich dadurch, dass sie qualifizierte Ärzte haben, die dann auch im Katastrophenschutz einsetzbar sind.
(Die Fragen stellte Maren Göre.)
