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Wirtschaftskriminalität verursacht in Deutschland regelmäßig etwa die Hälfte aller durch Straftaten entstehenden Schäden, obwohl sie nur etwa ein bis zwei Prozent aller Straftaten ausmacht.

Der Begriff der Wirtschaftskriminalität ist gesetzlich nicht definiert. Die polizeiliche Definition orientiert sich an den in § 74c Abs. 1 Nr. 1-6b Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) aufgeführten Straftaten.

Darunter fallen eine Vielzahl von Delikten aus dem Strafgesetzbuch (z. B. sämtliche Formen des Betrugs) sowie Strafnormen aus anderen Gesetzen, die verschiedene Bereiche des Wirtschaftslebens regeln, z. B. den gewerblichen Rechtsschutz, das Kapitalgesellschaftsrecht, das Insolvenzrecht. Die Delikte betreffen also nicht nur die Phase der aktiven Wirtschaftstätigkeit, sondern auch den Eintritt (z.B. Gründungsschwindel durch Angabe falscher Vermögensverhältnisse) und das Ausscheiden aus dem Wirtschaftsleben (z.B. Insolvenzdelikte).

In vielen Fällen gehen die Täter von Wirtschaftsdelikten betrügerisch vor. Häufige Taten sind etwa Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Kapitalanlagen sowie Straftaten im Anlage- und Finanzierungsbereich. Delikte von Insiderhandel und Kursmanipulationen an den Börsen über betrügerisches Anbieten von unseriösen Anlageobjekten am "Grauen Kapitalmarkt" bis hin zu Wettbewerbsdelikten, Produktpiraterie und zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt verdeutlichen die große Bandbreite der Wirtschaftskriminalität.

Aktuelle Zahlen

Das aktuelle Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2011 des Bundeskriminalamts zeigt, dass nur 1,3 % (79.515) aller polizeilich bekannt gewordenen Straftaten der Wirtschaftskriminalität zuzuordnen sind. Der durch diese Fälle verursachte Schaden belief sich im Jahr 2011 auf rund 4,1 Mrd. Euro und entsprach damit mehr als der Hälfte des in der Polizeilichen Kriminalstatistik registrierten Gesamtschadens aller erfassten Straftaten. Im Vergleich zum Jahr 2010 sind sowohl die Fallzahlen als auch der durch diese Taten verursachte Schaden deutlich gesunken.

Im Bereich der Wirtschaftskriminalität geht das Bundeskriminalamt im Hinblick auf die Interessenlage der Opfer(-unternehmen) allerdings von einem beachtlichen Dunkelfeld aus, da für diese der Reputationsverlust häufig noch bedeutender ist als der rein monetäre Schaden.

Internationale Zusammenarbeit

Fälle der Wirtschaftskriminalität haben zudem immer häufiger grenzüberschreitende Aspekte. Die Zunahme des grenzüberschreitenden Geschäftsverkehrs und die Bedeutung des Internets als Mittel der Begehung von Straftaten verdeutlichen diesen Trend. Tathandlung, Tatort, Schaden und Verwertung der kriminell erlangten Gelder unterliegen häufig unterschiedlichen Rechtsordnungen, was die Strafverfolgungsbehörden vor zusätzliche Herausforderungen stellt.

Diesen Herausforderungen können Strafverfolgungsbehörden nur durch intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf strategischer, insbesondere aber auf operativer Ebene gerecht werden. Die Strafverfolgungsbehörden arbeiten daher nicht nur in Deutschland, sondern auch international eng zusammen. Für viele dieser Kooperationen schafft das Bundesministerium des Innern durch bilaterale Kontakte und in den entsprechenden internationalen Gremien die erforderlichen Voraussetzungen.

Vermögensabschöpfung

Wie für viele andere Straftaten ist die Triebfeder für die Begehung von Wirtschaftsdelikten in der Regel der erreichbare monetäre Gewinn. Aus diesem Grund ist eine konsequente und effektive Abschöpfung der durch diese Straftaten erlangten Vermögenswerte ein zentrales Element, um Tatanreize zu reduzieren. Durch eine konsequente Anwendung der Regelungen zu Verfall und Einziehung (§§ 73 ff StGB), flankiert durch umfassende Schulungen von Polizeibeamten und Staatsanwälten, werden mittlerweile Vermögenswerte in beachtlichem Umfang sichergestellt. Im Zuge vermögensabschöpfender Maßnahmen konnten im Jahr 2011 rund 335 Mio. Euro sichergestellt werden.

Auf Grundlage eines Beschlusses des Rats der Europäischen Union haben inzwischen nahezu alle Mitgliedstaaten der EU nationale Vermögensabschöpfungsstellen eingerichtet, die bei grenzüberschreitender Kriminalität die Sicherung und Einziehung illegalen Vermögens im Ausland erleichtern sollen. In Deutschland nehmen diese Funktion das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Justiz wahr. Im Jahr 2011 hat sich die deutsche Vermögensabschöpfungsstelle mit 21 Mitgliedstaaten der EU in grenzüberschreitenden Sicherungsfällen ausgetauscht.

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