Navigation und Service

Sicherheit Bundeskriminalamt Artikel DNA-Ana­ly­se

Die DNA-Analyse hat sich zu einem besonders effektiven und unverzichtbaren Werkzeug der Kriminalitätsbekämpfung entwickelt.

Gemeinsam mit dem Fingerabdruckverfahren (Daktyloskopie) hat sie heute eine zentrale Bedeutung bei der Aufklärung von Straftaten. Mörder, Sexualstraftäter und andere Straftäter können in vielen Fällen durch die Bestimmung des DNA-Identifizierungsmusters ihrer am Tatort eines Verbrechens gefundenen Zellen überführt werden.

Mithilfe der DNA-Technik konnten sogar Verbrechen aufgeklärt werden, die bereits Jahrzehnte zurückliegen. Die damals gesicherten Spuren können auch heute noch mit den nunmehr verfeinerten Methoden molekulargenetisch untersucht werden.

Die DNA-Analyse-Datei wurde 1998 errichtet. Seitdem hat sie dazu beigetragen 1.358 Tötungsdelikte, 2.366 Sexualstraftaten, 8.201 Fälle von Raub oder Erpressung und 94.194 Diebstähle aufzuklären.

Beispiele:

  • Im Dezember 1995 wurde eine 20-jährige Frau im Regionalzug von Dresden nach Zwickau geknebelt, vergewaltigt und aus dem Zug geworfen. Sie erstickte an dem Knebel. Nachdem die Ermittlungen vier Jahre ohne Erfolg geblieben waren, konnte der Täter anhand von Sekretspuren durch einen Abgleich mit der DNA-Analysedatei zweifelsfrei identifiziert und überführt werden.
  • Sieben Jahre nach dem Mord an zwei 16-jährigen Mädchen in Limburg im Oktober 1994 konnte ein 41-jähriger Mann anhand einer auf einem Strumpf gesicherten Sekretspur per DNA-Analyse als Täter ermittelt werden.
  • Bei einem Waldspaziergang wurde im Februar 1997 in Sachsen ein Ehepaar erschossen. Der Täter konnte anhand einer am Tatort gefundenen Zigarettenkippe überführt werden.
  • Am 13. Juli 1983 wurde eine 25 Jahre alte Frau im Münsterland Opfer eines Sexualmordes. Die seinerzeit am Tatort sichergestellten Sekretspuren konnten damals noch nicht verwertet werden. Fast 20 Jahre nach der Tat konnten die Spuren aufgrund des technischen Fortschritts ausgewertet und der Täter überführt werden.
  • Bei einem Mord an einer 76-jährigen Frau am 23. Dezember 1985 in Bremen konnte der Täter wegen seiner am Tatort aufgefundenen Sekretspuren im Jahre 2003 verurteilt werden.
  • Der Mord an dem Münchner Modemacher Moshammer im Januar 2005 konnte innerhalb von 48 Stunden geklärt werden. Der Abgleich der aufgefundenen DNA-Spuren mit der Analyse-Datei hatte ergeben, dass der Täter bereits wegen einer anderen Straftat wenige Monate zuvor erfasst worden war.


In der beim Bundeskriminalamt (BKA) eingerichteten DNA-Analysedatei werden seit April 1998 von den Landeskriminalämtern und dem BKA DNA-Identifizierungsmuster in Form von Zahlencodes gespeichert. Diese stammen aus kriminaltechnischen Untersuchungen von menschlichen Zellen. Diese können z.B. an einem Tatort gesichert worden sein oder von Personen stammen, die beschuldigt sind, eine Sexualstraftat oder eine Straftat von erheblicher Bedeutung begangen zu haben oder die wegen einer solchen Straftat verurteilt worden sind. Zudem muss ein richterlicher Beschluss oder eine Einverständniserklärung der betroffenen Person vorliegen.

In der DNA-Analysedatei sind die DNA-Identifizierungsmuster von mehr als 782.000 Personen (Stand: 31. März 2013) und über 226.000 Spurendatensätze enthalten. Die Anzahl der gespeicherten Datensätze nimmt monatlich um etwa 8.000 bis 9.000 zu. Derzeit liegt die Tataufklärungsquote bei 34 %. Das heißt, dass in nahezu jedem dritten Fall bei der Neuerfassung von Datensätzen ein Spurendatensatz einem Personendatensatz zugeordnet werden kann.

Unbegründet ist die Befürchtung, gespeicherte DNA-Identifizierungsmuster würden der Polizei einen Zugriff auf die besonders sensiblen Erbinformationen des Menschen erlauben. Aus rechtlichen und technischen Gründen werden nur die nicht kodierenden Bereiche der menschlichen DNA untersucht. Diese sind zwar höchst individuell, aber nicht mit genetischen Informationen belegt. Es ist also nicht möglich, mithilfe der Datei Rückschlüsse auf den genetischen Code und die persönlichen Merkmale der gespeicherten Person zu ziehen.

Das BKA verbessert seine Methoden zur Gewinnung von DNA-Spuren aus minimalen Tatortspuren ständig. So hat es z.B. eine spezielle Methode entwickelt, um selbst an ausgefallenen Haaren ohne Zellanhaftungen das DNA-Identifizierungsmuster zu bestimmen. Auf diese Weise ließ sich z.B. feststellen, dass Wolfgang Grams an der Ermordung des damaligen Treuhand-Chefs Detlev Carsten Rohwedder am 1. April 1991 beteiligt gewesen war.

Die DNA-Analyse hilft aber nicht nur, Täter zweifelsfrei zu ermitteln. Unschuldige Verdächtige können durch dieses Verfahren auch rasch entlastet werden. Die Ermittlungen können sich bereits zu einem frühen Verfahrensstadium auf die Person konzentrieren, der die Tatortspur zugewiesen wurde. Personen, die ohne DNA-Analyse in den Kreis der Verdächtigen geraten wären, werden somit frühzeitig entlastet und nicht mehr mit weiteren polizeilichen Ermittlungen konfrontiert.

Die hohe Zuverlässigkeit und Treffsicherheit der DNA-Analysedatei trägt auch dazu bei, Wiederholungstaten zu verhindern. Wer damit rechnen muss, aufgrund eines einzelnen Haares oder kleinster Hautpartikel eindeutig identifiziert und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden, wird vor einer erneuten Straftat möglicherweise zurückschrecken.

Schwerpunktthemen

Mediathek

Video | 17.02.2017 "Ein Meilenstein der polizeilichen Zusammenarbeit in Deutschland"
Mehr

Alle Mediathekinhalte zum Thema

Publikationen

05.09.2017Deutsche Minderheiten stellen sich vor
Mehr

Alle Publikationen zum Thema