Navigation und Service

Gesellschaft und Verfassung Staat und Religion Artikel Jü­di­sche Ge­mein­schaft in Deutsch­land

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist heute die drittgrößte in Europa.

Sie hat insgesamt ca. 107.000 Mitglieder. Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 hatten die jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich rd. 560.000 Mitglieder. Nach der Shoah lebten im Jahre 1950 nur noch etwa 15.000 Juden in der Bundesrepublik Deutschland. Bis etwa 1985 drohten jüdische Gemeinden wegen Überalterung auszusterben.

Durch die Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind von 1991 bis Ende 2009 rund 212.000 jüdische Migranten einschließlich ihrer Familienangehörigen nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen fanden Aufnahme in den jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Zentralrat der Juden in Deutschland

Die wichtigste Vertretung der Juden in Deutschland ist der Zentralrat, der im Jahre 1950 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Der Zentralrat der Juden ist nach seinem Selbstverständnis eine politische Vertretung der Juden in Deutschland, die offen für alle Richtungen innerhalb des Judentums ist. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Derzeit gehören dem Zentralrat 108 Gemeinden mit rund 101.000 Mitgliedern an. Mit rund 10.200 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde zu Berlin die größte in Deutschland.

Aufgaben des Zentralrats

Neben der Vertretung jüdischer Interessen gegenüber der Bundesregierung ist heute einer der Schwerpunkte der Arbeit des Zentralrats die Unterstützung bei der Integration von jüdischen Zuwanderern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in die jüdischen Gemeinden. Der Zentralrat konzentriert sich dabei auf Berufsbildungs- und Ausbildungsseminare, Sprachkurse, politische Bildungsseminare, Religionsunterricht und andere Integrationsmaßnahmen

Darüber hinaus beteiligt sich der Zentralrat aktiv am politischen und gesellschaftlichen Leben in der Bundesrepublik Deutschland. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Förderung der Verständigung und der gegenseitigen Achtung zwischen Juden und Nichtjuden.

Progressives Judentum in Deutschland

Neben dem Zentralrat entstanden seit Mitte der 90er Jahre Gemeinden der liberal-progressiven Ausprägung, die in der Union progressiver Juden in Deutschland e. V. (UpJ) organisiert sind. Ihr gehören derzeit 24 Gemeinden mit etwa 5.300 Mitgliedern an. Seit 2005 sind die beiden Landesverbände Schleswig-Holstein und Niedersachen der UpJ Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland.

Der Bund und die jüdische Gemeinschaft in Deutschland

Die Bundesregierung fühlt sich der jüdischen Gemeinschaft in besonderer Weise verpflichtet und wendet sich gegen alle Tendenzen des Vergessens oder Verschweigens des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden. Sie tritt allen antisemitischen Tendenzen entgegen und ist bestrebt, die gesellschaftlichen Kräfte zu fördern, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Wurzeln von Antisemitismus und Rassenhass zu beseitigen.

Die Bundesregierung unterstützt Organisationen, die der Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden dienen, insbesondere den Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und den Internationalen Rat der Christen und Juden.

Die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesregierung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland wurden am 27. Januar 2003, dem Holocaust-Gedenktag, auf eine dauerhafte vertragliche Grundlage gestellt.

Durch den Vertrag verpflichtet sich der Bund, dem Zentralrat der Juden in Deutschland für die Erfüllung seiner überregionalen Aufgaben bei der Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes und beim Aufbau der jüdischen Gemeinschaft sowie für seine integrationspolitischen und sozialen Aufgaben jährlich eine Staatsleistung zu zahlen. Mit der Erklärung des Zentralrats im Vertrag, er sei nach seinem Selbstverständnis für alle Richtungen innerhalb des Judentums offen, ist die Erwartung verbunden, dass die vereinbarten Leistungen der gesamten jüdischen Gemeinschaft zugutekommen. Seit 2012 beträgt diese Leistung 10 Mio. € pro Jahr.

Folgende überregionale wissenschaftliche Einrichtungen werden außerdem vom Bund gefördert:

  • Die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die 1979 gegründet wurde, um die Erforschung und das Studium der jüdischen Kultur, Geschichte und Religion in Deutschland zu erneuern.
  • Das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland in Heidelberg.
  • Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam mit dem Jewish Institute of Cantorial Arts. Das Abraham Geiger Kolleg wurde 1999 als erstes Rabbinerseminar nach der Shoah in Deutschland gegründet.
  • Das Leo Baeck Institut, 1955 gegründet mit Zentren in Jerusalem, London, New York und der Dependance seines Archivs im Jüdischen Museum Berlin, widmet sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte und Kultur des deutschen Judentums.

Der Bund und die Pflege verwaister jüdischer Friedhöfe in Deutschland

Aufgrund einer Vereinbarung mit den Ländern und der jüdischen Gemeinschaft aus dem Jahr 1957 trägt der Bund ferner die Hälfte der Kosten für die Sicherung und Betreuung der verwaisten Friedhöfe der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Schwerpunktthemen

Mediathek

Video | 04.02.2016Begriffswelten Islam - Islamismus im Internet
Mehr

Alle Mediathekinhalte zum Thema